Die letzten Tage des Hotels Neptuno in Bajamar

Das Hotel Neptuno in Bajamar wird bald nur noch Bauschutt sein, wenn es sein Besitzer nicht in letzter Sekunde verhindert. Die lange Geschichte des Flaggschiffs des Goldenen Zeitalters des Tourismus in La Laguna endete 2007, als es Pleite ging und versteigert wurde. Der Käufer machte keine Anstalten, das Hotel zu renovieren und überließ es seinem Schicksal. So fiel es Plünderern und Vandalen zum Opfer. Techniker des Ayuntamientos prüfen nun, ob das alte Koloss mit ehemals 92 Zimmern abgerissen werden soll, um Platz für andere Projekte zu schaffen. Als erste Maßnahme wurde das Gebäude nun eingezäunt. Getauft auf den Namen des Meeresgottes, war das Hotel in den Sechzigern und Siebzigern wie ein Leuchtturm, immer mit Festbeleuchtung und voll mit Gästen. In seinen Sälen fanden tausende von Hochzeiten statt sowie unzählige Banketts zu Silvester und anderen Festtagen, es wurde von einer Unzahl vor allem deutscher Urlauber, Nordeuropäer und sogar Urlaubern aus den USA besucht. Die Nachfrage war zu den Glanzzeiten sogar so gewaltig, dass umliegende Anwohner ihre Wohnungen an die Gäste vermieteten, weil das Hotel dem Ansturm von Urlaubern nicht gewachsen war. Der ganze Komplex, bestehend aus dem Hotel und 27 Villen mit Meeresblick, einem Pool und 5000qm Gartenanlagen wurde 2010 für 3 Millionen Euro zum Kauf angeboten, man fand aber keinen Käufer. Nun bietet das Hotel einen trostlosen Anblick, nicht einmal die Eingangstür existiert noch.Im Inneren gibt es aber noch Spuren vom alten Glanz, als wenn man Hals über Kopf geflohen sei und die Zeit stehengeblieben wäre. So gibt es im der Rezeption immer noch die Theke. Auch in der Buchhaltung liegen noch die Akten herum. Auf dem Boden, Berge von Rechnungen. Einer von ihnen läuft auf den Namen Massoth, Gast im Hotel vom 23-30 Juli 1999. Die Übernachtung kostete damals 2850 Peseten pro Tag, gut 17 Euro. Die Extras wie Essen und Service wurden dem Gast mit 79800 Peseten, 479 Euro, in Rechnung gestellt. An der Seite gibt es noch das Regal, wo seinerzeit die Schlüssel der Zimmer aufbewahrt wurden., die Zimmernummern auf Papier geschrieben und festgeklebt, in den Fächern liegen nun keine Schlüssel mehr, sondern es laufen Ratten umher. Die Halle bietet immer noch atemberaubende Blicke auf den Atlantik. Die Fensterscheiben zerschlagen, unzählige Scherben auf dem Boden. Verschlissene Sessel in Blickrichtung Meer und dem Leuchtturm von La Punta. Zigarettenkippen und leere Bierdosen, eine Flasche Öl, ein Campingkocher. Auf den Fluren Prospekte aus einer Zeit, als der Tourismus auf Teneriffa noch in den Windeln steckte. Ansichtskarten von Landschaften, die heutzutage gar nicht mehr existieren.Tageszeitungen, wie von der eingestellten La Caceta vermischen sich mit Fäkalien von Hausbesetzern, Drogensüchtigen und Teilnehmern von Partys. In der Küche steht nichts mehr, was noch von Wert sein könnte. Nur noch die Fliesen an der Wand und Getränkeflaschen. Die Treppen ohne Geländer, der Weg zu den Zimmer beschwerlich über Berge von Müll. Die Zimmer durchwühlt. In den Schubfächern und Schränken findet sich noch der Hinweis auf die FlowerPower-Zeit. Ein Poster der Band Punk´s not dead aus den 70ern.Die Matratzen, sofern noch vorhanden, auf dem Boden.Am schlimmsten sieht es in den Badezimmern aus, herausgerissene Klotöpfe, gegen die Fliesen geworfen, als ob sie warten, dass sie jemand abholt. Ansonsten nichts mehr. Der Verantwortliche für Stadtplanung in La Laguna, Juan Manuel Bethencourt, betont, dass man dem Besitzer eine Reihe von Strafen aufgebrummt habe, aber keinerlei Reaktion erhalten habe. Für die Verwaltung ein schwieriger Prozess, weil das Gebäude etliche Male den Besitzer gewechselt hat wegen Schulden, Embargo und Versteigerungen. Die Bungalows sind offiziell zur Ruine erklärt worden und müssen abgerissen werden. Auch das Hotel soll abgerissen werden, aber der Besitzer reagiert nicht, so wird die Arbeit wohl dem Ayuntamiento untergeschoben. Die Kosten dafür müsste aber der Besitzer begleichen. Sollte er sich dazu nicht bereiterklären, könnte der ganze Komplex zwangsenteignet werden, um so die Unkosten des Abrisses zu deckeln. Die Techniker der Gemeinde überprüfen zur Zeit die bauliche Struktur des Hotels. Das Neptuno ist der einzig verbliebene Zeitzeuge des Glanzes von Bajamar, dessen Niedergang Anfang der Achtziger begann, als die “Karawane” in den Süden von Teneriffa wechselte. Das gleiche Schicksal wie das Nautilus, welches in Apartments umgewandelt wurde, oder das Delfin, welches als Altersheim diente und nun auch leer steht. Der Ratsherr für den Handel, Juan Antonio Alonso, hofft aber auf eine zweite Chance für Bajamar. Man hofft auf neue Investitionen, denn klimatisch, geografisch und landschaftlich hätte Bajamar immer noch etwas zu bieten. Die Realität sieht aber anders aus, nichts ist mehr geblieben, ist leer oder schon verschwunden. Bajamar wurde am 16. April 1964 zur touristischen Zone erklärt, die Feierlichkeiten zu diesem Anlass mit der Teilnahme von Manuel Fraga fanden ausgerechnet im Hotel Neptuno statt, welches zu der Zeit auch eine Tourismusschule beherbergte. Nun versinkt der Meeresgott unwiederbringlich, in die Stille der Empfangshalle vermischt sich die Musik der Band Punk´s not dead mit dem Orchester der Titanic, noch nicht klar, ob es noch über Wasser bleibt oder als Requiem. (LAP 16/03/14)

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