Mitten im Wahlkampf sorgen jetzt die Grünen auf den Kanaren für Schlagzeilen. Juan Francisco, Spitzenkandidat der Partei, will eine Urlaubsteuer einführen. Geht es nach den Grünen müssen Touristen in Zukunft 1 Euro pro Tag und Kopf bezahlen. Die zusätzlichen Einnahmen sollen zu 100% ins Gesundheitssystem fließen. Nach Angaben von Francisco würden so rund 100 Millionen Euro in das kanarische Gesundheitssystem fließen. Mit 12,5 Millionen Urlaubern jährlich müsste der entsprechende medizinische Mehraufwand auch bezahlt werden, so Francisco.
Was haltet Ihr von dieser (Schnaps-) Idee? Sollten Urlauber, die ordentlich Geld in die Tourismus-Kassen fließen lassen, in Zukunft wirklich noch zusätzlich zur Kasse gebeten werden? Oder findet Ihr die Idee gar nicht schlecht, dadurch das marode Gesundheitssystem auf Vordermann zu bringen? Oder ist dem ganzen Braten eh nicht zu trauen, weil die Gelder ja ohnehin anderweitig verbraten werden würden?
[addsig]
auf mallorca wurde so eine steuer schon erhoben.
man gab ihr einen anderen namen.
gästezahlen gingen zurück-auch die steuer.
warum soll ein tourist für die gesundheit der canarios aufkommen ?
sollte eine derartige steuer erhoben werden ,müßte die eu tätig werden.
im wahlkampf reden viele dummes zeug,es gibt genügend dumme
die sich der meinung der grünen anschließen. :lol:
1. Was die Grünen im Allgemeinen so wollen, ist m.E. grundsätzlich begrüßenswert, manchmal auch notwendig. Je früher wir anfangen, auch über unseren eigenen Umgang mit Energie, Rohstoffen, Müll nachzudenken und uns "verträglicher" zu verhalten, desto weniger schmerzlich werden die künftigen Einschnitte und Zwänge sein. Ich verallgemeinere jetzt wieder, aber mit einigermaßen reinem Gewissen, weil ich wirklich kaum Ausnahmen kenne: es gibt unter den Staaten und Bevölkerungsgruppen der Europäischen Union wohl niemanden, der derart gedankenlos, faul, schlampig mit seiner Umwelt und damit auch mit der Zukunft seiner Kinder umgeht wie die Canarios. Ich bin heute morgen am Südflughafen an einem Polizisten vorbeigelaufen, der sich mit einem Taxifahrer unterhielt, umgeben von etlichen Taxen mit laufendem Motor. Hab' die Gelegenheit genutzt und ihn (den Polizisten) gefragt, ob's denn auf Teneriffa erlaubt wäre, sein Auto mit laufendem Motor stehen zu lassen. Antwort war ein rotziges: ich solle mich um meine eigenen Sachen kümmern! Andererseits verdienen die Tourismus-Gemeinden in gigantischem Ausmaß Geld durch die Besteuerung des Immobilien-Erwerbs, der ja bekanntlich großenteils durch den Tourismus motiviert und initiiert wird. Allzu sehr bedauern muß man sie also nicht, wenn sie bislang keine Kurtaxe bekommen. Vielleicht sollte einfach mal jemand Externer da sein, der ihnen beibringt, wie sich die Aufrechten vor den Korrupten schützen können und wie man Geld sinnvoll ausgeben kann, ohne es für irgendwelche Prestigeprojekte mit vollen Händen zum Fenster rauszuschmeißen.
2. Eine derartige Steuer gibt's/gab's in Deutschland/Österreich schon jahrzehntelang als sog. Kurtaxe und niemand hat sich großartig aufgeregt. Allerdings sind die entsprechenden Touristenorte auch top-gepflegt und man befindet sich nicht in ständiger Verletzungs-gefahr z.B. auf den Gehwegen dieser Orte.
Grundsätzlich finde/fände ich nichts gegen eine derartige Abgabe einzuwenden, wenn sie bestimmungsgerecht und sinnvoll verwendet wird. Daß die Urlauber"ordentlich Geld in die Touristen-Kassen fließen lassen", stimmt zwar schon. Aber das sind leider zum Großteil nicht die Kassen vor Ort, sondern die Fluggesellschaften, die tour-operatoren und die meist auf dem spanischen Festland sitzenden Zentralen der Hotelgruppen schöpfen einen Großteil der Gelder ab. Und diese Entwicklung wird durch "all inclusive" nicht besser.
3. Einen weiteren Beitrag zur Sanierung des völlig ungenügenden Gesundheitssystems hier auf den Kanaren zu leisten (teilweise ist das schon "unterlassene Hilfeleistung" oder "Behandlungs-Verweigerung" was die kanarischen Gesundheitszentren hier als Leistung anbieten), halte ich für völlig unsinnig. Es werden auch bislang schon unglaubliche Summen vor allem an EU-Fördermitteln hier verbraten, ohne daß ein einigermaßen akzeptabler Leistungsstand erkennbar wäre. Das Problem sind nicht fehlende Gelder, sondern fehlender Fleiß, fehlende Konzentration und fehlende Kompetenz, alles also Dinge, die aus fehlendem Interesse der Menschen herrühren, die hier im öffentlichen Gesundheitswesen tätig sind. Wie soll ich's sagen, aber die hier arbeitenden sind keine Franzosen, Russen, Deutschen... Hier liegt das Problem.
4. Da freundlicherweise sogar der von mir aufgrund seiner politischen Ausrichtung so gar nicht geschätzte Parteivorsitzende der CCN (Coalicion Canaria Nacionalista) kürzlich in einem Interview von allumfassender Korruption hierzulande gesprochen hat, scheint ja wirklich was dran zu sein. Es gibt ja nicht nur hunderte von spektakulär großen Fällen, sondern auch zehntausendfach die "kleinen Gefälligkeiten", die auch nichts anderes sind als Korruption. Man sollte vielleicht für zukünftige Verwaltung und Verwendung der von außen (nicht direkt aus kanarischer/ spanischer Leistung herrührenden) Subventionen und Kapitalzuflüssen den Canarios eine externe, von Canarios völlig unabhängige Kontrollstelle vorschalten, um die Gelder auch dort ankommen zu lassen, wo sie hingehören. Alles Utopie, ich weiß, wahrscheinlich hat jeder geschäftlich aktive Canario seine Leiche im Keller und wird sich hüten, an seinem eigenen Ast zu sägen - aber man darf ja noch laut denken.
Über die hiesigen Grünen bin ich sehr enttäuscht. Wenn sie Ihren Aufgaben wirklich gerecht werden wollen hätten sie wirklich viel zu tun. Aber stelle nur fest, dass sie kommerzielle Lobbys unterstützen. Siehe Granadillahafen , zu Gunsten der Santa Cruz Hafen Lobby. Dafür können ganze Berge abgekratzt werden, und gegen den Hafenplan von Fonsalia habe ich noch keinen Ton gehört. Der eine wirkliche Umweltkatastrophe bedeuten würde. Und, und ,und. Also nochmal, das sind keine echten Grüne. Ich könnte noch viele viele Beispiele nennen warum. [addsig]
Es stimmt, man muß mit den Grünen bzw. ihrer Effektivität hier sehr unzufrieden sein. Die Website www.losverdesdecanarias.org/Adeje hat z.B. stolze 212 Seitenaufrufe seit Nov. 2005! Dutzende von Grüppchen, alle mehr oder minder ihrer eigenen Eitelkeit verpflichtet. Basis-Demokratie oder was man auf dieser westafrikanischen Insel hier dafür hält.
Aufgaben und auch Möglichkeiten, rasch und publikumswirksam Erfolge auf seine Fahnen zu heften gäbe es genügend, aber konsequentes Vorangehen ist eben nicht "tipico canario" - auch nicht in der Politik.
Allerdings haben wir ja auch in D früher sehr gelacht über manche endlose grüne Selbstverstrickung der Grünen in ihre eigenen Interna und schließlich ist doch eine wirksame Bewegung und öffentliche Meinungsbildung draus geworden. Schade, daß man hier nicht bereit oder in der Lage ist, aus den Fehlern zu lernen, die andernorts gemacht wurden. Als "Ausländer" hat man leider sofort ein Stigma und so müssen wir wohl weiter tatenlos zusehen, wie die Canarios ihr Paradies zerstören.[addsig]