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Alt 20.03.2008, 14:10
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Registriert seit: 20.03.2008
Beiträge: 3
hardy befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard Es ist kalt geworden auf Teneriffa, sehr kalt!

Wenn ich so zurück denke, es war Mitte 1973, als ich meinen ersten Flug von Düsseldorf nach Teneriffa antrat. Ich kam am Nordflughafen an, der Himmel war grau und ich wußte nicht recht, ob ich hier denn wirklich landen
wollte. Ich hatte was von einer schönen, sonnigen Insel im Atlantik gehört und war mir daher nicht ganz sicher, ob sich der Pilot vielleicht "verflogen" hatte.
Mit einem freundlichen, langgeübten "Buenos dias" begrüßte ich den urigen Passcontrolleur, der mich dann freundlich anlächelte und mir sehr, sehr freundlich einen schönen Aufenthalt wünschte. Die nächsten Lengua-Sätze sprach ich im Taxi und der Fahrer war ebenfalls sehr freundlich. Er konnte einige Brocken deutsch und wir "haspelten" uns so über die Fahrt. Er war sowas von nett, entgegenkommend und freundlich...und war sichtlich erfreut,
über meine frischgelernten "Spanischversuche".

Warum ich die Begriffe " nett" und "freundlich" ständig wiederhole: Nun, diese
Nettigkeiten und Freundlichkeiten begegneten mir damals Inselweit, immer und immer wieder: Im Supermarkt (der damals ein Kleiner war); in den verschiedenen Shops; in den unterschiedlichsten Restaurants... also: Überall!
Selbst deutsche Landsleute waren hier freundlicher als manchmal in der Heimat.

Kennen Sie alles, werden Sie sagen.

Dieses Teneriffa-Urerlebnis wiederholte sich in den folgenden Jahren noch eine
ganze Weile, was wechselte war der Zielflughafen, denn die folgenden Landungen fanden hier im Süden statt. Ich kam im Winter hierher, im Frühjahr, im Sommer und auch im Herbst. Und das fast jedes Jahr, zwischendurch waren auch einmal andere Ziele angesagt, aber man kam immer wieder zurück. Eine Treue, die nicht belohnt wird!

Was ich nun über die Jahre beobachte, ist die "Abkühlung". Ich meine dabei nicht nur die Klimaveränderung, denn fast zeitgleich kam es auch zur menschlichen Abkühlung. Wo immer ich hinschaue: mürrische Gesichter, launige Taxifahrer, unfreundliche Kellner, lieblose Bedienung in den Geschäften und den freundlichen Pass-Controlleur am Flughafen hat man ganz abge-schafft. Wenn man das Gespräch sucht, dann hört man nur noch "Unzufriedenheit": Die Geschäfte gehen schlecht; All-Inclusive macht alles kaputt; die Deutschen haben kein Geld mehr; Geiz ist geil...

Und wer sind, nach Meinung der Unzufriedenen, die Schuldigen: Die deutschen Urlauber, die deutschen Residenten, die Neckermänner und...

Wie einfach kann man alles erkären: Schuld sind immer die Anderen.

Haben sich die hier ansässigen Geschäftsleute - deren Geschäfte immer nur schlecht gehen, die von einer kurzen Saison sprechen und Bangen vor dem Sommer, der großen Flaute - einmal gefragt, ob sie nicht auch einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, das alles "schlechter" geworden ist??? Oder sollte man sogar sagen, das es ihr Beitrag ganz allein ist, das alles "schlechter" geworden ist?

Ich sage: Ja - Schuld sind wir hier, die wir auf der Insel des "Ewigen Frühlings"
leben, arbeiten und Geschäfte betreiben.

In einer zunehmend verrohenden Welt, der wir ja ursprünglich entfliehen wollten - neben allen anderen Fluchtgedanken, die uns hier her trieben -
hat uns die Realität nicht nur eingeholt, sie hat uns überholt!

Das "deutsche Jammern" ist weltbekannt. Wir haben es mitgebracht, nach Teneriffa (und auch auf die anderen Kanaren Inseln). Und mit unserer deutschen Gründlichkeit haben wir es auch erreicht, die kanarischen Einwohner zu infizieren. Inzwischen erklingen hier internationale "Weh-
leidigkeitsgesänge", die die kanarische Folklore in den Schatten stellt.

Es ist richtig, dass sich keiner von uns vorstellen konnte, als er Deutschland verließ, dass man hier auf der Urlauber-Insel viel mehr arbeiten muß als in Deutschland. Das ist nun einmal so und wer dieses Umdenken und Umlernen nicht gemeistert hat, der ist hier fehl am Platze - aber dennoch immer noch hier!

Unsere Unzufriedenheit haben wir auch den Kanaren "aufgestültpt" und nun jammern wir Jahr für Jahr, Winter für Winter (dieser Winter war ein schlechtes Geschäft), Ostern (war früher besser...und sogar erst später, nämlich im April)... usw. usw.

Wann beginnt den eigentlich das "Umdenken", wann schalten wir denn wieder mal das Gehirn ein, wie lange wollen wir noch jammern???

Rütteln wir uns doch endlich mal wieder auf, entrinnen wir der "Lethargie", in die wir verfallen sind und sehen wir es einmal aus einer anderen Perspektive:
Ohne Schuldige zu suchen, sich selbst dabei immer ausnehmend!

Der starke € hat viele unserer Touristen, jüngst und auch vor einigen Jahren, die USA als neues Urlaubsziel entdecken lassen. Fast jeder unsere "Brüder und Schwestern" aus den neuen Bundesländern kennt die USA - und auch den Rest der Welt - besser, als alle Straßen im Heimatnest. Das Fernweh hat alle Bundesbürger gepackt und sie haben die Welt gesehen. Auch eben, die so
freundliche USA (die Rede ist jetzt nicht von der Politik, sondern nur von den Menschen dort). "Can I help you...", "You welcome"...

Haben Sie schon einmal einem ihrer Kunden gesagt, dass er ihnen Willkommen ist? Gibt es diese Redewendung auf den Kanaren überhaupt, ob in Katalanisch oder im Deutschen? Brechen wir uns da einem Zapfen ab, wenn wir unsere internationale und hiesige Kundschaft freundlich und wohlwollend begrüßen und sie herzlich Willkommen heißen in unserem Geschäft? Versuchen wir einem "hilfesuchenden Kunden" noch wirklich zu helfen? Versuchen wir eine Lösung mit ihm gemeinsam zu finden? Zeugen wir unseren Kunden überhaupt noch Respekt? Ist bei uns im Geschäft der Kunde noch König? Soll ich noch weiter ausholen, oder reicht es ihnen - wie mir?!

Wer so arrogant und lieblos und leichtfertig seine Geschäfte macht auf dieser Insel, der hat doch gar keinen Grund zu klagen!!! Kindern gebietet man das sog. Zauberwort zu verwenden. Kennen Sie dieses Wort überhaupt noch?(Ent-schuldigung, aber ich muss so fragen)

Bitte, danke, stets zu ihren Diensten, gern geschehen, beehren sie uns wieder, kann ich ihnen helfen (auch wenn es manchmal schwierig scheint),
helfe ich wirklich??? Beraten sie noch? Haben Sie schon einmal ihren Kunden gelobt? (Schließlich soll er sein Geld bei ihnen lassen)? Vom Grüßen ganz zu schweigen: Kein Gruß, kein "Auf Wiedersehen". Nichts, was man früher einmal in der "guten Kinderstube" gelernt hat, ist hier angekommen. Ähnlich die Dienstleister auf der Insel, gibt es da noch die sprichwörtliche "deutsche Pünktlichkeit" - oder auch "Gründlichkeit?

Hand aufs Herz: Hat der Schreiberling dieser Zeilen nicht recht? Meinen Sie nicht auch, dass er die "wiederlichen, unausstehlichen Kunden" auch kennengelernt hat und weiß, dass man mit denen nicht das "große Geschäft"-auf Anhieb, macht--- wenn man sie nicht bezwingt? Unausstehliche Kunden muss man
besiegen, dann hat man gewonnen! Charme und Witz können hilfreich sein.

Provozieren Sie die mürrische Kundschaft durch Höflichkeit, Entgegenkommen und Freundlichkeit ( nicht übertrieben - es muss akzeptiert werden können ) -
und ihre Geschäfte laufen wieder. Wenn Sie ein zuvorkommender Geschäftemacher sind, wird es sich nicht wie ein Lauffeuer auf der Insel ver-
breiten, denn gute Nachrichten sind nicht interessant! Was sich aber in der Vergangenheit verbreitet hat, war eben die schlechte Nachricht, dass Sie eben unfreundlich, ungeduldig und mürrisch sind, Sie und evtl. auch Ihr Personal und das aus diesem einzigen Grunde die Kundschaft ausbleibt oder nur sehr verhalten ist. Akzeptieren Sie einen kritischen Kunden, geben Sie ihm recht und helfen Sie ihm gleichzeitig, mit Ihnen und Ihrem Angebot zufrieden zu sein. Suche Sie die Nähe, den Kontakt, die Wärme und geben Sie davon ab.

Wenn schon das Wetter auf Teneriffa nicht mehr das ist, was man erwartet, braucht es größte Anstrengung der Menschen, einen Ausgleich zu schaffen.

Hatten Sie schon einmal einen König in ihrem Geschäft? Antworten Sie bitte,mit ja oder nein. Ich finde es simpel von Ihnen zu sagen, dass das Spanische Königshaus meistens auf Mallorca residiert und wenn es dann mal hier ist, verirrt es sich nicht zu Ihnen. Sie mögen ja teilweise Recht haben, aber ich habe doch nur gefragt, ob Sie schon mal einen König in ihrem Geschäft hatten? Solange Sie solche eine Frage so zögerlich und nicht unumwunden beantworten können, machen Sie doch alles falsch, was man nur falsch machen kann.

Kennen Sie das? Sie schließen Ihr Geschäftslokal ab - weil Sie eiligst in den Feierabend oder sonst wo hinmüssen - und ein Passant steht vor der Tür und schaut Sie fragend an und Sie würdigen ihn keines Blickes. Ein potentieller Kunde ging soeben verloren und einige Euros ebenfalls. Nur ein paar Worte und dieser Kunde stände morgen in Ihrem Geschäft.

Jeder, der ihr Geschäftslokal betritt, ist ein König. Es ist der "Kunde-König".
Und wenn Sie ihn nun endlich so behandeln, werden auch Sie davon profitieren. Jeden Tag treten dutzende bis hunderte von Königen in ihr Geschäft, doch Sie entlassen diese als "Bettler", weil Sie ihnen keinen Respekt
zollen und sich einfach keine Mühe mehr geben.

Kennen Sie "Königliche Hoflieferanten oder deren Geschäftsbetreiber" die jammern? Ich entnehme ihrem Blick, dass sie keine jammernden Geschäftsleute
kennen, die königliche Kundschaft hat. Sie sind auf dem Wege der Genesung.

Es ist kalt geworden auf Teneriffa, sehr kalt! Wie das Wetter sich ändert, liegt
es in diesem Fall an Ihnen, etwas zu verändern.

Vergessen sie das alles, sein sie wieder zuversichtlich, freundlich, zuvorkommend und bedienen sie die "Könige" in Ihrem Geschäftslokal "königlich" und es wird ihnen und uns allen wieder warm ums Herz (das die Kasse wieder klingelt, ist eine unabänderliche Selbstverständlichkeit).

Auf einen schönen Sommer, den wünsche ich allen Lesern des Forums und allen Bewohnern und wohlwollenden Geschäftsbetreibern der Insel - herzlichst Ihr hardy. (wenn sie wollen, lesen sie bald wieder von mir - vielleicht gibt es positive Veränderungen)
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  #2 (permalink)  
Alt 20.03.2008, 14:15
juanitta49
Gast
 
Beiträge: n/a
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uuuhhhhhhhhhhhhaaaaaaaaaaaaa was bitte ???????? leicht eingeschlafen
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  #3 (permalink)  
Alt 20.03.2008, 14:35
Benutzer
 
Registriert seit: 14.09.2006
Beiträge: 73
susanfasnia befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard ... kalt ...

hallo hardy!
du hast wohl recht. ich war letztes jahr auf gomera und habe in san seb ein restaurant (und dessen essen) genossen, das ich allen deshalb nicht vergessen werde, weil wir dort nach allen regaln der gastronomischen kunst behandelt wurden. es stimmte alles: tisch richtig eingedeckt, korrekt serviert, aufmerksamer kellner - einfach klasse. und es war übrigens kein *****-lokal. da fiel mir richtig auf, wie wir uns im laufe der letzten 5 jahre schon an den "normalen" service gewöhnt hatten. mehr davon!
susanfasnia
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  #4 (permalink)  
Alt 20.03.2008, 17:41
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.03.2007
Beiträge: 283
Patrick befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Hi Forianer/innen
Hallo Hardy,
da gebe ich dir recht das sich die Menschen auf der Insel sehr verändert haben dadurch aber auch das aussehen der Orte auf Teneriffa.Ich habe nun 14 .Jahre auf der Insel gelebt und gearbeitet und habe für mich festgestellt das ich mich mittlerweile in Deutschland wieder wohlfühle.Wenn ich die Mietpreise sehe oder die Lebensmittel auf der Insel dann erschrecke ich mich immer wieder.Jetzt habe ich ein tolles Haus in Deutschland mit super Grundstück für die Hunde für den Winter Kamin und geniale Nachbarn.Also ich war am überlegen ob ich wieder auf die Insel gehen soll aber neeeeeeeee.Für mich war es eine tolle Zeit die ich nicht missen möchte ob die Negativen oder Positiven aber da ich mich in Deutschland wohler fühle auch wenn viele am Meckern sind über das leben hier die Preise usw. der sollte mal auf Teneriffa ziehen.
Saludos Patrick
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  #5 (permalink)  
Alt 21.03.2008, 08:14
Benutzerbild von Dropout
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Beiträge: 99
Dropout befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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^Hardy, Respekt, Du hast mir aus der Seele geschrieben
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  #6 (permalink)  
Alt 21.03.2008, 11:29
Benutzerbild von ElTomate
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ElTomate befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Hallo Hardy,

interessanter Beitrag, finde ich. Aber vielleicht nicht gerade spezifisch für Teneriffa. Auch hier in D hat sich vieles verändert. Globalisierung und Strukturwandel haben für viele Menschen die Grundfesten ihres Lebens erschüttert. Vor ein paar Jahren kostete die Bankenkrise in Frankfurt jede Menge Arbeitsplätze, etliche Menschen, die sich vermeintlich sicher fühlten, standen von heute auf morgen auf der Straße. Der Fall Nokia ist nur die klitzekleine (und weil Nokia populär halt öffentlichkeitswirksame) Spitze einer riesigen, seit 10-15 Jahren währenden Entwicklung, bei der industrielle Arbeitsplätze gen Osten verlagert werden. Für diverse Industrien ist auch Osteuropa inzwischen zu teuer und man zieht weiter gen China.

Viele auf Teneriffa ansässige Geschäftsleute waren sicher über Jahre vom boomenden Tourismus verwöhnt, viel "Einweg-Klientel", beliebig austauschbare Kunden. Serviceorientierung leidet unter sowas. Was halt Kanaren-spezifisch ist, ist die recht einseitige Abhängigkeit von Funktionieren des Tourismus. Jetzt sitzt leider den Deutschen die Kohle nicht mehr so locker in der Geldbörse und die Qualität des Service leidet darunter. Preisdruck entsteht allenthalben, keine Bedingungen, unter denen Servicequalität gute Chancen hat.

Aktuell kann man in der deutschsprachigen Kanaren-Presse recht gravierende Entwicklungen verfolgen: "Kleine" Immobilienkrise, drastischer Anstieg der Arbeitslosigkeit im Bau- und Dienstleistungsgewerbe etc. Hier schlägt halt wieder die einseitige wirtschaftliche Grundlage der Inseln voll durch. Was man bräuchte und durch Steueranreize zu pushen versucht, ist so etwas wie wertschöpfende oder Basisindustrien anzulocken. Aufgrund der logistischen Gegebenheiten kein einfaches Unterfangen, außerdem fehlt es an Know-how, um eine Wettbewerbsfähigkeit für aufzubauende Branchen/Firmen sicherzustellen.

Kälte hat auch die normalen westeuropäischen Industrieländer erfaßt, der Umgang zwischen Firmen und Geschäftsleuten untereinander ist nicht nur ruppig, sondern teilweise fern jeder Fairness und lvieles ist nur von sehr kurzfristiger Orientierung. Über den Tisch ziehen und Ausnutzen heißt häufig die Devise.

Schade, dass in einem solchen Forum inzwischen offentsichtlich auch eine erhebliche Aggressivität um sich greift. Ich kenne die Hintergründe nicht, aber das ist schon ein interessantes Phänomen hier. Hoffe, zeitlich begrenzt. Eigentlich wäre es schön, wenn man sich gegenseitig unterstützt, vielleicht gemeinsam an Ideen bastelt und evtl. das eine oder andere tun kann, um das Leben lebenswert zu gestalten und sich nicht von den Zeiterscheinungen übermäßig frustrieren zu lassen.

In diesem Sinne schöne Ostern

Tomate
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  #7 (permalink)  
Alt 22.03.2008, 22:22
Benutzerbild von Pensador_XL
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 28.07.2007
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Pensador_XL befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard Kunde als König oder Dieb

  • Ort der Handlung: Ein Mercadillo auf Teneriffa, vor einem Gemüsestand
  • Zeit der Handlung: 2008-03-22 ca. 11:30h GMT
  • Personen: Ein Paar gehobenen Alters (60-65J.), erkennbar mit KuK-Donaumetropolendialekt, mit Rucksack und Plasiktüten bepackt.
  • Das Paar nimmt eine der bereitliegenden transparenten Plastiktüten und befüllt sie mit großen und schönen Champignons. Die Befüllung geschieht nicht wie hier üblich mit Hilfe einer zweiten Plastiktüte, um die Ware nicht anzufassen, sondern wird mit zwei Händen in die Tüte geschaufelt.
  • Das Paar geht weiter, am Kassenzugang vorbei (es könnte ja sein, dass die noch etwas aus dem hinteren Teil des Stands aussuchen möchten?)
  • Fehlanzeige: Das Paar wendet sich dem Ausgang zu und beschleunigt die Schritte.
  • Fast am Ausgang werden sie per Zuruf gestoppt und gefragt, ob sie denn die Chamignons nicht bezahlen wollten.
  • Bestürzung: "Ja mei, dös hob i jetzt gor net bemerkt!"
  • Gegenseitige Befragung: "Jo houst Du net zohlt?"
  • Die Deeskalation: "Jo mei, dös is mir jetzt beinlich!" "Entschuldigens" "Entschuldigens" "Entschuldigens"
  • Darauf die eingreifende Person: "Und was ist mit den Chamignons und Bananen in der anderen Tüte?"
  • Das Paar unisono: "Do san kaane Champignons drin."
  • Es beginnt die Suche nach dem Portmonnaie. Nach einigem Hin und Her ist eines gefunden und die Frau geht zurück zum Marktstand.
  • Sie sucht noch schnell einen Salat zu den Champignons und schreitet dann doch zur Zahlung.
  • Danach verlassen Beide eiligen Schritts den Mercadillo
Drehbuch? Nein, Realität! Auch das sind Kunden!
__________________
Pensador_XL
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  #8 (permalink)  
Alt 23.03.2008, 08:19
Benutzerbild von lagaviota
Benutzer
 
Registriert seit: 19.12.2007
Beiträge: 93
lagaviota ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Standard

@Pensador

Die KuK-Kundschaft wurde von einem Hobbyfotografen heimlich aufgenommen:

__________________
NO RISK - NO FUN
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  #9 (permalink)  
Alt 23.03.2008, 17:44
Gesperrt
 
Registriert seit: 25.05.2006
Beiträge: 993
Vilaflor befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Vilaflor eine Nachricht über Skype™ schicken
Standard

Hardys engagierter Beitrag hat es sogar schon in andere Foren geschafft.
"Tamina" macht´s möglich!

Guckst Du: Andere Meinungen

Kostproben:

Zitat:
So ein allgemeines und austauschbares Geschwafel, das letztendlich keine einzige Information enthält, findest Du gut??
Zitat:
das ist aus dem beliebten Wochenendkurs der VHS mit dem Titel "Vom Bauchladen zum Warenhaus, Verkäufertraining für Anfänger".
Der Hardy hat gewisse Veränderungen sehr gut herausgearbeitet.
Ich sehe nur nicht, dass dies allein ein Teneriffaproblem ist.
Die Verhältnisse haben sich in ganz Europa stark verändert.

1973 war er zum ersten Mal auf Tenerife, kam dann immer wieder, momentan hat er aber keine richtige Lust mehr.

Wie war es denn 1973 auf Sylt, auf Madeira, auf Sizilien, den Kykladen, Kreta, Zypern, den Balearen, auf Korfu oder auf den Zungenbrechern Krk, Hvar, Prvic oder Brac?

Ganz anders als heute, das ist schon richtig.

Heute zahlen wir auf vielen Inseln mit dem Euro und die EU sorgt dafür, dass es zu einer Vereinheitlichung der Lebensverhältnisse kommt.

In vielen Geschäften arbeiten keine "Einheimer" mehr, sondern Angestellte aus Andalusia, Galicia oder Nordafrika, manchmal sogar Deutsche, was schlimm enden kann, ich meine nicht für den Angestellten, sondern für den Urlauber.

Touristen aus aller Herren Länder strömten jahrzentelang auf die Inseln. Man schaue sich nur die Touristenmeile in Las Americas, Los Christianos oder Los Gigantes an.
Ist das noch im Entferntesten kanarisch? Nein, es sind Ghettos für Fremde und Fremdlinge.
Was will man da erwarten?
Die Geschäfte laufen inzwischen erheblich schlechter und es wird noch schlechter werden.
Anbieter ausserhalb Europas haben sich in Position gebracht.
Tunesien, Marokko und die Türkei, bald werden auch die Kapverden den Canarias Besucher abnehmen.
In vielen Tourismusgebieten der Kanaren liegen die Nerven der Geschäftsleute blank.
AI ist auf Dauer tödlich, tausendmal hat man es den Verantwortlichen gesagt, jetzt muss man sich nur die Leerstände in Playa del Ingles oder Maspalomas anschauen. Auf Tenerife sieht es nicht viel besser aus.

Mal zur Statistik:

Ein AI Gast gibt nur ca. 12 -18 % seines Budgets noch direkt auf den Inseln aus.
Ein HP Gast ca. 35 - 40%, aber ein Individualtourist ca. 75 - 80%.
Mit denen muss man Geschäfte machen und die wissen Bescheid, vor allem diese "irren Deutschen" von denen manche mehr von den Inseln kennen, als viele Resis oder "Einheimer"!

Die Zeiten der freundlichen "Einheimer" in den Tourismuszentren, die auf "Ihre" Besucher warten, sind vorbei.
Das Geschäft wird von Thomas Cook und TUI Travel gemacht, beides Unternehmen, die an der Börse in London gelistet sind und mehrheitlich Arcandor (früher Karstadt/Quelle) oder der TUI (früher Preussag) gehören.
Es bleibt immer weniger Geld auf den Inseln und das zeigt sich auch im Umgang mit dem gemeinen Touristen.

Ich will nicht behaupten, dass dies dazu berechtigen würde, unfreundlicher zu agieren, ich weiss aber, dass eine gewisse Unfreundlichkeit all over Europe eine Folge eines globalisierten Turbo Kapitalismus ist, mit immer größeren Zwängen, die Kosten zu reduzieren, um die Ware in einem mörderischen Konkurrenzkampf an die Frau den Mann bringen zu können.
Und diese Frauen und Männer sind in zwischen halt mehr Geiz als geil.

Das kann man nicht mehr mit den guten alten Zeiten vergleichen.
Die Urlauber erst recht nicht.
Früher hat man im Urlaub nicht so auf das Geld geschaut, heute ist das anders geworden. Vielleicht fahren die Urlauber aus dem Norden Europas aber dreimal für kurze Zeit in Urlaub und nehmen eine Woche AI mit Flug für 429,00 EUR in Anspruch. Das gibt es durchaus.

Heute bleiben sie in den Hotels und der "Einheimer" mit seiner Bar oder mit dem Restaurante bekommt die Krise. Auf die Touristen können viele "Einheimer" kaum noch bauen.
Inzwischen mögen sie die früher verhassten "Godos" (Fuera Godos) bald lieber als die deutschen "Pfennigfuchser". Die Godos retten die Inseln, ohne sie wäre der Laden schon dicht!
Das hat alles Auswirkungen im Umgang mit dem gemeinen Touristen.
Manche lassen sich auch vom freundlichen Verkäufer beraten, um die Sache dann später doch bei Saturn oder beim Media Markt zu kaufen.
Wir kennen das von zu Hause.

Ich denke, man muss das alles mitberücksichtigen, wenn man Veränderungen in der früher geliebten "Einheimerwelt" feststellt.

Ich muss allerdings auch sagen, dass ich immer noch genügend Orte finde, wo ich kaum Veränderungen feststellen kann.
Auf Vilaflor trifft das z.B. zu, da geht es immer noch so zu, wie vor Jahren, liegt wahrscheinlich aber auch an der verhältnismäßigen Abgeschiedenheit.
Auch in und um Arico habe ich noch das Gefühl, dass es noch so wie vor Jahren ist.

Man darf sich aber keine Illusionen machen. Das Leben auf den Inseln ist extrem hart geworden.
Die Insellage produziert einen ungeheuren Kostendruck. Über 90% aller Waren müssen importiert werden, was natürlich die Waren extrem verteuert.
Ich frage mich immer, warum man auf Inseln, auf denen fast alles wächst, soviel Gemüse und Früchte importieren muss.
Es liegt sicher auch an Fehlentwicklungen in der heimischen Politik, die derzeit massiv zu Buche schlagen.
Das Leben auf den Canarias wird immer teurer. Das merken auch die Individualtouristen, die einen Großteil ihres Urlaubsbudgets auf der Insel lassen und nicht bei Thomas Cook oder TUI im Herkunfstland.
Ich höre immer öfter, dass man die Inseln nicht mehr besuchen will, weil die Lebenshaltungskosten viel zu hoch geworden seien.
Diese Touristen brechen deshalb gerade weg.
Ein Alarmzeichen ist die Tatsache, dass es noch nie so viele leer stehende Ferienhäuser und Wohnungen gab wie im Jahre 2007. Das trifft kleine einheimische oder Residentenvermieter ganz hart.

Die Inseln der Glückseeligen sind nicht mehr so glücklich wie früher, das muss man einfach sehen!
Sie sind nicht mehr so gastfreundlich, wie das früher mal war, weil sie von den vielen Gästen immer weniger haben.

Mein Tipp für alle, die es können.
Gebt das Geld direkt auf den Inseln aus und beutet lieber die Fluglinien - die gehören aber auch den Multis Thomas Cook (Condor/75,1%, bald Air Berlin) und TUI (TUI Fly, bald mit German Wings vereinigt) - aus.
Wenn ich mir ansehe, dass man für ganz kleines Geld von Weeze oder Frankfurt/Hahn mit Ryanair nach Tenerife kommen kann, sehe ich immer noch gute Möglichkeiten für den Individualurlaub auf Tenerife, wenn man sich auskennt.
Bei der Suche nach Ferienhäusern kommt man mit vielen "Einheimern" oder von den "Einheimern" akzeptierten Resis, das sind bei weitem nicht alle - in Kontakt und ich behaupte, dass die zum ganz überwiegenden Teil hilfsbereit, höflich und gastorientiert handeln, weil sie wissen, dass Stammpublikum die "halbe Miete" eines guten Geschäftes im Bereich Individualtourismus ist.


Salu2


C.J.S./Wer unfreundlich ist, wird einfach gekapert!

Geändert von Vilaflor (23.03.2008 um 18:05 Uhr).
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  #10 (permalink)  
Alt 24.03.2008, 13:00
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Registriert seit: 20.03.2008
Beiträge: 3
hardy befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Selbstverständlich haben wir es mit einem globalen Phänomen zu tun.
Auch wollte ich nicht dieses Problem weltweit lösen. Nur hier unserem "Kiez-Teneriffa" wollte ich auf die Sprünge helfen.
Ich wollte lediglich einen Denkanstoss denen geben, die die Schuld "global" weiterleiten und nicht bei sich suchen.
Die Arroganz ist bei den Kanaren im Laufe der Zeit gewachsen, die nicht mehr die "freundlichen Gastgeber" sind und bei uns Deutschen, die wir immer und immer wieder nur jammern hören.
Ein Beispiel aus dem Immobilienbereich: Es wurden Behausungen zum Verkauf und zur Vermietung angeboten, dessen einziger Höhepunkt die Aussicht war ( Die Abendsonne und Gomera...). Meiner Meinung nach ist die Sonne ein "Gratis-benefit" und keine anrechenbare m²-Preis-steigernde Einheit, die dem Endpreis hinzugerechnet werden darf.
Man tat es aber immer!
Nun, da sich die Sonne rar macht, kann man eben nur noch mit "KUNDENFREUNDLICHKEIT" trumpfen.
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kalt, teneriffa

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