Der Vorschlag von Ben Magec ist m.E. sehr sinnvoll, man könnte ihn vielleicht sogar noch etwas resourcenschonender aufsteilen, wenn die vorgesehene Busspur auf der nunmehr unvermeidlich kommenden dritten Fahrspur der Autobahn eingerichtet würde und die dann halt 3spurig bis nach Las Américas weitergeführt würde.
Doch er hat neben seiner objektiven Richtigkeit derart viele Nachteile und aus seiner theoretischen Realisierung Benachteiligte, daß er für ewig Utopie bleiben wird:
1. Er kommt von Ben Magec und damit muß er automatisch schon vom politischen Establishment abgelehnt werden ("wäre ja noch schöner, wo kämen wir da denn hin, wenn wir auf einmal DENEN DA Recht geben würden"). Zugegebenermaßen haben die Verkünder der reinen Lehre bei Ben Magec es ihren etwas gemäßigteren und realitätsnäheren Gönnern schon oft schwer gemacht, für sie einzustehen, aber manchmal sind ihre Ideen doch ganz nah an der Realisierbarkeit, wenn auch vielleicht nicht in einem umweltmäßig völlig unsensiblen Umfeld.
2. Das Eisenbahnprojekt ist ein faszinierendes "Toy for the boys". Wir sind in meiner früheren Tätigkeit für einen großen dt. Omnibushersteller oft kopfschüttelnd aus Strategiekonferenzen mit z.B. den Berliner Verkehrsbetrieben, der Hamburger Hochbahn, bei den Stadtwerken in Köln, Stuttgart und sonstwo herausgekommen. Kopfschüttelnd über die unbegreifliche Faszination, die "Schienenverkehr" gegenüber dem Busverkehr jenseits jeder wirtschaftlichen Realität auf die Oberen der Verkehrsbetriebe ausübt. Und das wird hier nicht anders sein, die Faszination, endlich mal "Eisenbahn in groß" spielen zu können, wird jedes sachliche Gegenargument locker wegspülen.
3. Einen gaaaanz wichtigen Punkt darf man keinesfalls übersehen: mit einer Eisenbahn hätte Teneriffa etwas, was Gran Canaria zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht hätte. Triumphgeheul auf allen Cabildo-Fluren! Daß die andere Provinz dann kurze Zeit später auch eine Eisenbahn haben wird, 100 m länger und 5 km schneller als die von Teneriffa, darf als gesichert angesehen werden, muß aber den ewigen Ruhm, die erste Kanareninsel mit Eisenbahn gewesen zu sein, nicht schmälern...
4. Da die Kosten der Busspur deutlich unter denen einer Eisenbahnstrecke liegen würden, gäb's auch weniger Subventionen. Und damit auch deutlich weniger echte Summe, die sich im administrativen Dunkel verlieren und nützlichen Parteifreunden zur Lebensversüssung gereichen könnte, bevor eine schmerzhaft große Restsumme dann doch ins Projekt fliesst.
5. Die Lobbygruppen und Verbände der Baubranche und der Taxistas würden die Insel und ihre eigenen Auftragsbestände, somit auch ihre Überlebensfähigkeit im Atlantik versinken sehen, mindestens 2 Mio Arbeitsplätze wären bedroht und natürlich auch die touristische Qualität der Insel und die Verkehrssicherheit und was auch sonst noch.
6. Es würde schon an Zynismus grenzen, die zehntausenden im Stau stehenden Eigner/Fahrer ihrer bankfinanzierten Prestigeobjekte ständig mit dicht neben ihnen unbehindert fahrenden öffentlichen Verkehrsmitteln zu konfrontieren. Ihnen einen Nachdenkprozess über die Sinnhaftigkeit ihres bisherigen Tuns aufzuzwingen, sie vielleicht sogar zur Erkenntnis zu bringen, daß die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zwar völlig uncool, aber einfach sinnvoller ist.
Also: dumm gelaufen mit der Idee und sie wird wohl sehr schnell wieder in der Versenkung verschwinden.[addsig] |