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  #1 (permalink)  
Alt 08.06.2009, 19:52
Benutzerbild von sanmiguel
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Registriert seit: 30.05.2006
Beiträge: 3.715
sanmiguel wird schon bald berühmt werden
Standard Ludwig Thoma's Lausbubengeschichten - wer hier ist der größte Strolch?

Taiga hat mich in einem anderen Thema grade auf die Idee gebracht - und ich bin sicher, dass er diesbezüglich ein hübsches Sündenregister aufzuweisen hat: Schulstreiche.
Wer nicht grade wie Edmund Stoiber aufgewachsen ist, stets die möglichst schnelle stolpersteinfreie Karriere im Blick, der wird sich so einiges geleistet haben in seiner Schulzeit. Ich auch. Ab einem gewissen Intensitätsgrad sind die Streiche bzw. die Hofnarren-Rolle, in die man irgendwann unwillkürlich schlüpft, einem reibungslosen, glatten Schulabschluß in Mindestzeit und mit maximal guten Bewertungen ziemlich hinderlich, aber was soll's - shit happens.

Ich weiß noch, dass in eines meiner frühen Gymnasialzeugnisse mein Klassenleiter, ein allgemein verhasster Lateinlehrer-Spießer, bei Benehmen eintrug: "der Schüler ist in herkömmlichem Sinne nicht erziehbar". War natürlich eine Frechheit, würde ihn heute vor jedem Verwaltungsgericht zu Staub zerfallen lassen, aber ich leite immer noch ein bißchen Anerkennung meiner Fähigkeit zum mental aufrechten Gang daraus her.

Dann also doch noch eine Posse, aus meiner 10. Gymnasialklasse: unsere Französisch-Lehrerin war ein Überbleibsel aus der in höfischen Ritualen erstarrten Kaste des verarmten Adels. Auch mit gut 60 Jahren legte sie stets Wert darauf, als "Fräulein Lehner" angesprochen zu werden - wir gingen der Sache zwar nicht auf den Grund, hatten aber nicht den geringsten Zweifel daran.
Zu dieser Zeit (Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrhunders) waren die haarbesetzten Badehauben schwer in Mode. Nicht Mode, aber Fakt war, daß Fräulein Lehner gar heftig ihr Haupthaar ausfiel. Eines Tages kam sie mit einer Perücke, tippelte von hinten kommend durch die habacht stehenden 40 Schüler und hieß sie nach einem gemeinsamen "Guten Morgen Fräulein Lehner (!)" mit huldvoller Handbewegung die Sitze einzunehmen.
Wenige Sekunden später stand zwei Reihen vor mir Eugen M. auf, ein absoluter Spießer, von dem nie ein Gag zu erwarten war, zeigte auf und Fräulein Lehner hieß in sprechen. Ohne einen Zucker seiner Gesichtsmuskulatur, ohne irgendwelche lachenden Vorwarnungen, total furztrocken aus dem Stand, sagte er: "Fräulein Lehner, Sie haben Ihre Badehaube noch auf."
Ich habe noch nie und später auch nicht jemanden so blitzschnell aus einem Klassenraum verschwinden sehen wir Fräulein Lehner. Im wenige Türen entfernten Lehrerzimmer gab sie sich einem konvulsiven Wein- und Schreikrampf mit epileptischen Komponenten hin, derart intensiv, dass das Rote Kreuz sie bergen und mehrere Tage vor dem Schuldienst schützen musste.

Schade, dass ich meine visuellen Erinnerungen nicht zeigen kann. Es war herrlich und ich lache heute manchmal noch Tränen darüber.
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  #2 (permalink)  
Alt 08.06.2009, 20:12
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Beiträge: 2.185
taiga befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard

So schöne Geschichten habe ich nicht wie die mit der Badehaube, aber auf einen bin ich immer noch stolz.

Ich kenne mich mit den heutigen Schulsystemen und Bestrafungen nicht aus, aber uns damals bedeutete ein schriftlicherTadel schon einiges. Mit dem zweiten flog man von der Schule. Heute wahrscheinlich ein Achselzucken wert.

Musikunterricht Chorprobe:

Ich mußte mitsingen, hatte keine Ahnung, keine Stimme und keine Lust.
Hinten aus der letzten machte ich laufend irgendwelche Mätzchen.

Mit dem Lineal auf mich zeigend ereilte mich dann das Schicksal:
"Tadel" mit Eintrag im Klassenbuch.

Zutieft erschrocken und zerknirscht/betrübt schaute ich am Ende der Stunde ins Klassenbuch. Mit roter Tinte stand da:

"Tadel, H. R............ spricht im Chor !"
___________
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  #3 (permalink)  
Alt 14.06.2009, 11:16
Benutzerbild von fa-i-wa
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 31.10.2008
Beiträge: 765
fa-i-wa befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard Der grüne Albertus

Albertus Magnus war bekanntlich ein berühmter Gelehrter, er gab auch "meinem" Gymnasium seinen Namen und er stand/steht praktischerweise als ca. 5 m hohe Kalksandstein-Statue inmitten einer Grünfläche direkt vor dem Gebäude.
Eines Tages nach Unterrichtsschluß kam ich mit einigen Kumpels aus der Schule, sah den Albertus inmitten von frisch geschnittenem Rasen stehen und hatte sofort wieder die Idee für einen gag: ich kletterte an BigAlbert hoch (ein Klacks für einen aktiven DAV-Kletterer, der ich damals war) und meine Freunde reichten mir das frisch geschnittene Gras nach oben, aus dem ich für BigAlby`s klugen Kopf ein Kränzchen formte. Es hielt sehr gut, da es noch schnittfeucht war...
Ich war kaum wieder unten, da stand schon unser Hausmeister vor mir mit der eindringlichen Forderung, ich möchte das Grünzeugs da sofort wieder runterholen. Ich sagte, das ginge nicht, da ich schon beim ersten Mal fürchterliche Angst vor dem Absturz gehabt hätte und ein zweites Mal da rauf, nee, nich mit mir... Und ging meines Weges.
Das Gras lag am nächsten Morgen immer noch auf BigAlby's Haupt, als mich unser 2. Direktor zum zwanglosen Gespräch über meine dekorativen Arbeiten und deren Rückbau zwang. Auch dieses Gespräch endete ohne greifbares Ergebnis, da ich ihm klarmachte, dass er persönlich fürchterliche, seine Karriere möglicherweise beendenden Probleme bekäme, wenn ich auf seine Anordnung hin da noch mal hochklettere und runterplumpsen würde.
Im Laufe des Vormittags begann es zu regnen.
Ziemlich frisch geschnittenes Gras und viel Wasser auf hellem Kalksandstein, das geht nicht gut.
Als der Regen vorbei und BigAlby am Folgetag wieder trocken war, hatten sich gewisse Veränderungen an seinem Haupt ergeben, die den Respekt gebietenden würdigen Eindruck der Statue sichtbar reduzierten. BigAlby sah aus, als ob der Himmel genau über ihm Spinat gekotzt hätte, lauter grüne Finger, die sich von oben über seine Augen, seine Nase, rundherum nach unten erstreckten, soweit das Chlorophyl im Schnittgras halt reichte.
Ich war nun selbst etwas erschrocken über die Weiterung der ganzen Sache und erbot mich, unserem Patron eigenhändig den Kopf zu waschen. Zwischenzeitlich hatte aber anscheinend die Schulleitung mit dem Schulamt selbst die Erkenntnis gewonnen, dass man in Teufels Küche kommen könnte, wenn man einen Schüler da raufjage und der dann runterfällt. Also musste eine Spezialfirma her, die mit einem Dampfstrahler und einer Arbeitsbühne den ganzen "Dekokram" wieder wegmachte.
Es kam dann tatsächlich eine Rechnung an mich (ich war schon volljährig) über die Kleinigkeit von ca. 1.200 DM, deren Zahlung ich ablehnte. Das vom Freistaat Bayern dann tatsächlich bemühte Gericht folgte meinem Vortrag, dass das Ganze durch die Schule selbst einfach hätte vermieden werden können, wenn der Hausl unmittelbar nach den Geschehnissen das Grünzeug mit einem schnöden Wassserschlauch wieder runtergespült hätte. Zudem hätte auf der Grünfläche rund um BigAlbert tatsächlich jeder Hinweis gefehlt, dass das Betreten derselben und gar das Erklettern der Statue verboten sein...

Geändert von fa-i-wa (14.06.2009 um 11:21 Uhr).
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Stichworte
größte, lausbubengeschichten, ludwig, strolch, thoma


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