Seit ca. 4 Wochen findet in Bayern ein politisches Lehrstück statt, in selten erlebter Klarheit und Vorhersehbarkeit der nächstfolgenden Entscheidungen und Ereignisse, das die wahren Mechanismen der Politik fast schon überdeutlich zeigt.
Daß der Hauptdarsteller (und das Haupt-Opfer) dieses Lehrstücks ein während seines gesamten „Nach-Abitur-Lebens“ und seiner jetzt 14-jährigen insgesamt respektablen Karriere als Ministerpräsident/Landesfürst des wirtschaftlich erfolgreichsten deutschen Bundeslandes ist und jetzt „coram publicum“ skelettiert wird, ist in meinen Augen irgendwie „ausgleichende Gerechtigkeit“ – und ein Zeichen für den quasi unvermeidlichen Realitätsverlust, der (zumindest für sich selbst) erfolgreiche Machtpolitiker wohl systemimmanent begleitet, egal ob sie nun Erich Honecker, Helmut Kohl, Sarah Wagenknecht, Adolf Hitler, Slobodan Milošević, Jörg Haider – oder eben auch, derzeit sehr aktuell, Edmund Stoiber, heißen.
Ich mag die in meinen Augen inhumane, oberflächliche, unmenschliche politische Linie nicht, die der smarte Polit-Manager Stoiber wenn schon nicht erfunden, dann wenigstens erheblich verstärkt hat. Ich mag nicht, daß er dabei über Leichen gegangen ist (z.B. Alfred Sauter als Bauernopfer in der von ihm hauptsächlich selbst verbockten LWS-Affaire, oder jetzt ganz akutell sein ihn Jahrzehnte mit Nibelungentreue begleitender Bürochef) und andererseits gerichtlich (maximal schonend) festgestellte Straftäter/ „Töter“, aber sich zweckmäßig leise verhaltende wie Otto Wiesheu (er hat trunken einen Rentner auf der Autobahn totgefahren, sich dann „leise“ verhalten, wurde einige Jahre als Geschäftsführer der CSU-sehr nahen-Hans-Seidl-Stiftung wirtschaftlich komfortabel geparkt, und als Volkes/Stimmviehs Erinnerungsvermögen nach wenigen Jahren erlahmt war, tauchte er landespolitisch wichtig wieder auf, und heute hat er wieder einen Ministerjob). Das war natürlich mit einer Landrätin Dr. Gabriele Pauli nicht möglich, da sie keine Bereitschaft zu „zweckmäßigem Verhalten“ hat erkennen lassen.
Und dann schießt dieser machtpolitische Vollprofi Stoiber innerhalb von 3 Wochen zwei dramatisches Eigentore, die auch „wir sind Papst“ Benedikt Nr. 16, nicht überleben würde.
Erst verwehrt er einer „sie ist unwichtig“ blitzgescheiten und messerscharfen Landrätin seiner eigenen Partei, die ihre 3. erfolgreiche Wahlperiode mit ca. 66,5% Ergebnis untermalte (ca. 15 % oberhalb des Ergebnisses ihrer eigenen, damals schon kränkelnden Partei), völlig verkennend, daß diese das niemals auf sich sitzen lassen würde und ohne genügend leise-feige schweigenden Rückhalt in ihrer Partei sich nie auf diese tour-de-force eingelassen hätte, ein vielleicht 15 min. dauerndes persönliches Gespräch zu einem Thema, in dem sie zweifellos Recht hatte und eigentlich (damals, vor 4 Wochen) nur einen verbalen, internen Bückling von ihm erwartete. Worauf sie völlig logisch nur die Flucht nach vorn antreten konnte, um ihren politischen Selbstmord in dieser ziemlich unchristlichen Christlich-Sozialen-Union zu vermeiden.
Und dann, nachdem er, sicher mit Weh-und-Ach, die ihn umgebenden CSU-Parteigrößen zu Treueschwüren, seine Person betreffend, nochmals vereinen konnte, haut er siegestrunken noch einen drauf mit der Erkenntnis, „wenn er planmäßig wieder gewählt würde in 2008, dann „keine halben Sachen zu machen“, sondern bis 2013 durchzuhalten – wenn ihn denn nicht vorher Alzeimer, BSE oder sonstnochwas holt. Das war dann doch den strammsten Parteisoldaten zu viel und seit 3 Stunden etwa weiß die medial informierte Welt, daß die Ära Stoiber zu Ende geht. Wenn er, nunmehr in klarer Verteidigungsposition, einigermaßen ehrenhaft aus der bayerischen Landespolitik verabschieden will (man will doch auch mal Straßen mit seinem Namen schmücken…), dann muß er jetzt ganz plötzlich kuschen, sehr genau externe, nicht von ihm ausgesandte Signale beobachten.
Die gesamte CSU könnte sehr und langfristig beschädigt aus der aktuellen Situation hervorgehen, wenn sie es nicht schafft, die äußerst schmutzige (wir Bayern sagen „hinterfotzige“) innerparteiliche Hygiene zu klären. Er ist z.B. noch gar nicht zum künftigen Spitzenkandidaten aufgestiegen, da wird dem zwangsläufig, aufgrund seiner Kompetenz und Integrationsfähigkeit, besten aller Kronprinzen – Seehofer – schon eine Schmutzkampagne untergeschoben. Und so wird’s mit jedem weiteren „Königsmörder“ passieren, Gewinner wird derjenige sein, der als letzer sich aus der Deckung wagt.
Politik ist wirklich ein schmutziges Geschäft. Nicht nur in Bayern. Ich bin momentan persönlich/mit meiner kleinen Firma ein bißl involviert und Leidtragender der Ränkespiele (oder mehr) in und um die Stadtverwaltung Santa Cruz. Ich glaube, daß der fehlende Investigativ-Journalismus hier auf den Kanaren schon einige „Blüten“ und kriminelle Machenschaften länger/größer blühen lässt, als es mit ein bißl mehr öffentlicher Kontrolle möglich wäre. Doch scheint es, daß das inselumspannende Korruptionsgebäude derzeit im Einstürzen begriffen ist, da jeder (zu Recht) Verdächtigte mit Detailwissen auspackt nach dem Motto: wenn schon ich über die Kante gehe, warum dann auch nicht „der“?
Habt Ihr da eine Meinung dazu oder eigene Erfahrungen/Erkenntnisse?
Kleiner Linktipp noch am Rande:
www.filzgeschichten.de