Nachdem der europäische Satellit GOCE, nach mehreren Abbrüchen, letzlich doch erfolgreich vom russischen Startplatz Plesetsk gestartet wurde, können wir ihn jetzt verfolgen.
Fußspur von GOCE
Was macht GOCE eigentlich? COCE, das steht für
Gravity field and steady-state-Ocean Circulation Explorer, vermisst die Gravitation der Erde sehr kleinräumig, sodass eine Art nicht ganz runder Fußball (Geoid) als Abbild der Messungen entsteht. Der Grund für die Unregelmäßigkeiten sind in der Erde selbst verborgen. Die Gravitation (Schwerkraft) ist nicht überall gleich. Wo sie wie stark ist, das herauszufinden, ist die Aufgabe von GOCE.
Geoid der Erde (alt):
Der Satellit musste dazu besonders konstruiert werden, denn die Messung beruht auf minimalen Flugbahn-Unregelmäßigkeiten des Satelliten selbst, die von der unterschiedlich starken Gravitation erzeugt werden. Dazu darf der Satiellit im Innern keine beweglichen und bewegten Teile haben, sonst würde die Messung verfälscht.
Zur Erläuterung: Vielleicht hat der Eine oder Andere schon einmal auf einer Drehscheibe im Deutschen Museum in München gestanden und bekam zwei Hanteln in die Hände. Dann wurde er/sie auf der Scheibe gedreht. Durch Strecken oder wieder Anziehen der Arme wurde die Drehung auf der Scheibe langsamer oder wieder schneller. Oder man stößt ein Rad zu schneller Rotation an, das kardanisch aufgehängt ist. Wenn man die Aufhängung des Rads jetzt hin- und herschwenkt, macht das Rad Eigenbewegungen in die jeweils andere Richtung. Das Erste mit der Scheibe war die Wirkung der Zentrifugal-/Zentripedal-Kraft auf die Rotation und das zweite Experiement war die Wirkung der Corioliskraft (= Wirkmechanismus des Kreiselkompass).
Die entstehenden Beschleunigungskräfte durch die Bewegung von Einbauten im Satelliten würden die Umlaufbahn im Vergleich zur geforderten Messgenauigkeit grob verfälschen. Deshalb darf sich nichts im und am Satelliten mechanisch bewegen. Für die große
Präzision der Messung fliegt er auch nur in 250 km Höhe, wo noch eine Restatmosphäre existiert, die den Satelltiten bremst. Dies wird durch ein Ionentriebwerk kompensiert. In zwei Jahren werde wir wissen, wie unrund der Gravitationsball (Geoid) unserer Erde tatsächlich ist.