Nun komm ich von einem langen Arbeitstag zurück, von Radioarbeit über Interviews und Antennentechnik war heute alles drin. Allerdings waren auch alle Temperaturen dabei - von Sonne über Wolken und Regen bis hin zu 4 Grad oben auf der Antenne. Ich bin durch sämtliche Wetterzonen gefahren und habe dabei gedacht, dass es für viele Besucher, Leser und Schreiber vielleicht interessant wäre, näheres aus der Radiowelt hier auf Teneriffa zu erfahren. Regelrecht beeindruckt war ich heute, zu sehen und zu spüren, wie auf nur wenigen Kilometern das Microklima von Teneriffa seine gesamte Vielfalt heute entfaltet hat. Mein heisser Kaffe in der Cafeteria in Las Chafiras heute morgen um halb sieben, hat mich nach einer kalten Autofahrt angenehm aufgewärmt. Die Bedienung, eine nicht unattraktive Venazulanerin, hat mir kurz ihr Leid geklagt. Der Präsident des Landes Chavez liefert sich gerade einen verbalen Streit mit den spanischen Entscheidungsträgern. Von Imperialismus und Indianern ist die Rede. Die Leidtragenden sind aber mal wieder Otto Normalverbraucher und Konsorten. Gegen Mittag dann ein Hitzeschub auf nur 500 Metern vom Sender bis zur Bank und wieder zurück. Während dessen hat es nur 700 Meter höher sichtbar geschifft - und das aus vollen Kübeln. Rund um den Teide bis unterhalb von Vilaflor. In Las Chafiras aber strahlender Sonnenschein. Wenig später dann eine hörbare Hiopsbotschaft: Stromausfall oberhalb von San Miguel. Dazu ein wilder englischer Sender, den unsere Funkrichtstrecke anscheinend, nachdem der Strom wieder da war, gestört hat. Physikalisch unerklärlich, denn davor lief alles einwandfrei. Das sind dann die Momente, in denen ich an Murphys Gesetz glaube. Wir also im Schneckentempo auf 1.500 Meter hoch - der Nebel hat die Sicht auf ca. 5 Meter verringert - und dann wird geschraubt und gemessen und wieder geschraubt und wieder gemessen und wieder und wieder. Festzustellen bleibt ein mir bisher unbekanntes Phänomen. Die Wolkendecke, die hier auf Teneriffa zum greifen nahe ist - zumindest auf dieser Höhe - reflektiert enorm und führt zu einer völlig neuen Ausbreitung von Funkwellen. Was vorher gerichtet in eine Himmelsrichtung ging, breitet sich plötzlich völlig unkontrolliert aus. Diese Phänomen erinnert mich an eine email eines Hörers heute Morgen, der sich über den Wetterbericht beschwerte. Er ist der Meinung der sei noch schlechter als in Deutschland. Wir in der Redaktion liegen annähernd täglich vor Lachen unter dem Tisch, wenn die Vorhersage des Spanisch Meteologischen Instituts bei uns reinkommt. Ja Ja, am Wetter haben sich schon viele Fachleute die Zähne ausgebissen, es ist und bleibt ein Microklima. Dazu die Topografie der Insel auf Lavagestein. Jeder Radiotechniker, der hierher kommt, kann seine Ausbildung gleich nochmal von vorne beginnen. Denn Funkwellen, die sich im Norden Europas "normal" ausbreiten, verhalten sich hier völlig anders. Wusstet ihr das oberhalb von 500 Metern die sogennante "Erdung" so gut wie nicht existiert. D. h. es gibt sie, wenn es ordentlich regnet. Während der regenfreien Zeit, also fast immer, fliegen den Bauern dort oben ständig die Sicherungen raus, wenn die ihre Hausanlage nicht dementsprechend modifizieren, oder den Erdnagel ins Pozo Negro hauen (Sickergrube)?
An dieser Stelle werde ich in regelmässigen Abständen über das Innenleben und das Drumherum der Megawelle berichten. Bis bald.[addsig]
__________________ Fabian von Dawans |