Hallo,
mein Mann hat vielleicht die Möglichkeit einer Anstellung auf Teneriffa. Das wäre ja eigentlich schon mal die Lösung des Hauptproblemes, neben der Wohnungssuche natürlich. Wäre da nicht ein bockiger Teenager mit seinen knapp 15 Jhren. Natürlich " muß" Mario mit, aber vielleicht könnte man alles etwas leichter machen mit ein paar vorab Infof? Wer ist denn auch in solch einer Situation gewesen? Wie sieht es dort mit den staatlichen Schulen aus? So viel ich weiß, gibt es zwei Formen dieser Schulen und es ist auch denke ich sinnvoller, wie eine Privatschule.Mal abgesehen von den Kosten, denken wir auch an die Integration?! Hier besucht er( leider wegen Faulheit) die 9. Klasse der Hauptschule. Mario ist 14 Jahre alt. Was gibt es sonst für Möglichkeiten, auch bzgl. der natürlich leider nicht vorhandenen Sprachkenntnissen.
:-? Es wäre, wenn alles klappt noch gut ein Jahr Zeit, aber wie gesagt, mit einem bockigen Sohn die Sprache zu erlernen macht nicht wirklich Sinn. Wenn er dann dort ist, sieht es dann schon anders aus. Ein Problem ist denke ich natürlich auch die Wohnungssuche. Also vielleicht schreibt ihr mir mal ein paar aufbauende, oder niederschmetternde Zeilen. Würde ich mich sehr drüber freuen. Liebe Grüße aus Velbert( NRW) und hast luego Inge[addsig]
Hallo hier im Forum,
"mein Mann hat vielleicht" und das auch noch in 2009, das ist noch ein anderes Thema und da kann man vielleicht präziser raten, wenn's mal ein bißl konkreter und detailreicher wird. Aber zur möglicherweise künftigen Situation eines 15-jährigen lässt sich schon präziser was raten.
1. Vom timing her wird er also im Moment Eures Umzugs in der 10. Klasse sein. Grundsätzlich kann er zwar hier auf der Insel nahtlos in der 10. Klasse der I.E.S. (instituto de educación secundaria) weitermachen, wird da aber gnadenlos durchrasseln (keine Schande, passiert tausenden von Kindern mit "Migrationshintergrund" so). Aber es hilft ihm, diese Klasse im zweiten Anlauf dann wenigstens zu bestehen, möglicherweise so gut (manchmal platzen ja plötzlich Knoten...), daß es sogar zu einer Empfehlung/recomendación für's bacchilerato reicht. Das ist das spanische Abitur. Falls nicht, kann er schulisch mit einer etwa der dt. BAS vergleichbaren Berufs-Schulausbildung weitermachen. Da bleibt er meist sogar im selben Schulgebäude, es ist auch eine reine Schul-Ausbildung ohne (bzw. mit im zweiten Jahr stattfindenden minimalen berufspraktischen Teilen). Das duale System der Berufsausbildung gibt's in Spanien nicht.
Die Alternative nach dem erst- oder zweitmaligen Absolvieren der 10. Klasse ist der Eintritt ins Berufsleben als "irgendwas" - eine durchaus verbreitete Form hier. Falls er Pech hat (wahrscheinlich), kommt er in eine Firma, wo niemand, kein Vorarbeiter, kein Chef, sich für ihn und seine berufliche/charakterliche Weiterentwicklung interessiert und wo er halt einfach als "peon" (=Hilfsarbeiter ohne irgendeine Qualifikation) arbeitet. Falls er Glück hat und einen Job in ebendieser Hilfsarbeiter-Ebene, aber einem wachsenden, gut organisierten Unternehmen findet, wo man was für das Fortkommen seiner Leute tut, kann er durchaus an seinen Aufgaben wachsen. Und dann z.B. zwei Jahre später mit Fern- oder Wochenend-Ausbildungen tatsächlich auch eine berufliche Formal-Qualifikation erreichen. Das ist aber ein kleines Stückchen Glück, da die meisten Firmen der dummen Idee aufsitzen, daß Aus-/Bildung die Mitarbeiter leichter abwerbbar macht, kritischer, daß sie sich nicht mehr alles gefallen lassen. Zudem soll der peon idealerweise nicht gebildeter sein als der Chef und da wird's meist eng für den erlaubten Bildungs-Spielraum...
Du hast geschrieben, daß Sohnemann mit"muß". Ist zwar nur ein kleines Detail, aber sehr wichtig. Ein heftig pubertierender trotziger 16-jähriger muß garnix - nach seinem Dafürhalten. Da irr er zwar, aber innerfamiliär setzt er's meist durch. Gebt ihm nicht das Gefühl, er müsse irgendwas, der daraus resultierende Abwehr-Mechanismus kann Euer Vorhaben pulverisieren, Euch als komplette Familie hier dauerhaft zu etablieren. Weckt einfach seine Neugier und lenkt ihn jetzt schon mit leichter Hand, idealerweise ohne daß sein höchstpersönliches Alarmsystem überhaupt drauf anspricht, in die Richtung Teneriffa. Er muß ja auch eine Menge aufgeben: Freunde, eine Umgebung die seine Sprache spricht, Kino in deutscher Sprache, seine kleine Welt, deren Funktionsweise er versteht, weil er sie lebenslänglich gelernt hat. Hier ist zwar nicht alles, aber sehr vieles anders, auch das Wertegefüge z.B., und Ihr werdet erst hier spüren, wie sehr es das Alltagsleben erleichtert, wenn man's wirklich bis ins kleinste Detail durch die eigene Lebenserfahrung kennt.
Zurück vom Exkurs zum Konkreten: spanisch lernen ist sehr wichtig, idealerweise solltet Ihr, der Knabe ebenso wie Ihr beide, jede Möglichkeit jetzt schon nutzen, auf der Insel nicht bei 0 anfangen zu müssen. Für Sohnemann wird's ein bißl leichter wie für Euch, da man in seinem Alter wesentlich leichter und schneller lernt, meist mehr "auf der Straße" denn in der Schule. Falls er sich nicht hier total zum Einsiedler entwickelt, kann er's kaum vermeiden, recht schnell spanisch zu lernen - und englisch auch noch, wenn Ihr in einer Wohnanlage wohnt und nicht in einem Einzelhaus oder weit droben in den Bergen. Ich würde für Euren Fall ganz klar "Residencial" bevorzugen, und zwar nicht ein verkapptes Seniorenstift mit 50%-Deutschen-Anteil, sondern was mit jungen Familien. Aber auch das ist wieder ein anderes, weites Thema.
So, das soll's mal "in aller Kürze" gewesen sein für den ersten Anlauf. Als Forums-Neulinge hier werdet Ihr nicht alles gelesen haben, was ich hier zu dem Einen oder anderen oder auch über mich selbst geschrieben habe. Deshalb: ich habe selbst 3 eigene Söhne (22 - 18 Jahre, jetzt in Deutschland lebend) und 1 Stiefsohn (17 Jahre, Muttersprache russisch, hier zur Schule gehend). Zu Eurem Thema fehlt's mir also nicht an Praxis...[addsig]
Hallo Sanmiguel,
vielen Dank für die schon ganz hilfreiche Antwort,auch in Beziehung unseres Sprößlings bzgl. Umzuges. Also für uns d.h. für Sohn und mich käme es erst in einem Jahr in Frage. Mein Mann wartet täglich, auf hoffentlich positiven Bescheid. Erst einmal halte ich meinen hier noch sicheren Job, denn sooo jung ist unsere Familie ( außer Sohn ) nicht mehr. Mit 50 und 53 Jahren muß man schon auf noch mehr Sicherheit setzen, als wenn man 20 ist. Ja Spanisch sind wir schon dabei zu lernen. Gelesen habe ich( mein Mann interessiert der PC nicht sooo sehr) schon fast alles ,was ich im Forum finden konnte. Ich glaube, Du weißt über alles? Bescheid. Und ich finde es toll, dass Du das auch weiter gibst. Ist ja nicht so ganz üblich, die meisten halten ihr Wissen für sich. Also Danke noch einmal und wir kommen bestimmt noch öfters mit Fragen auf Euch im Forum zu. Bis dahin werden wir alles fleißig verfolgen und weiter Spanisch lernen.
Gruß Inge[addsig]
Kleiner Nachtrag in Sachen "praxisbezogenes Spanisch-Lernen":
googlet doch mal mit den Suchbegriffen "spanischer verein velbert" und "spanisches restaurant velbert" - in beiden Fällen finden Ihr sofort ganz oben etliche nützliche Kontakte, die's wohl wert sind, da mal anzuklopfen...
Danke für den Tipp, Sanmiguel. Ich glaube, wir sind wieder mal zu spät dran. Wie ich gelesen habe, soll es " Auswanderern " schwerer gemacht werden auf die Inseln zu kommen. Im Grunde, wenn man das so liest, auch verständlich. Na ja, wir warten ja immer noch geduldig auf Antwort.
( auf die Bewerbung hin )
Gruß Inge[addsig]
Ist doch alles heiße Luft, was einige Politiker hier absondern - ohne die geringste Chance einer Realisierbarkeit. Aber nachdem das gemeine Stimmvieh hier noch weniger informiert ist (sein will) als in Deutschland, schlagen vor allem im Vorfeld von Wahlen schlagzeilenbringende Unsinns-Aussagen fröhlich Purzelbaum. Momentan stehen zwar keine Wahlen an, aber vielleicht musste der Herr mal wieder in die Medien... Das EU-Parlament sitzt glücklicherweise nicht auf den Kanaren, sondern mitten im zivilisierten Europa und da sieht man's mit Gelassenheit, wenn irgendein Lokalpoliker mal wieder geltendes EU-Recht aushebeln möchte.
Solange die (überwiegende Mehrheit der) Kanarios sich nicht an der eigenen Nase packt und die Maximierung des eigenen Lebenskomforts gegen ein bißl Verbesserung des höchstpersönlichen Ausbildungsstands und Leistungswillen eintauscht, würden noch so protektionistische Arbeitsmarkt-Regelungen zwar denselben zum Erliegen bringen, aber kaum einem der jedem Unternehmer hier sehr genau bekannten Faulpelze neue und dauerhafte Arbeiten. Wer einigermaßen am Wohlergehen seines von ihm selbst zu verantwortenden Betriebes interessiert ist, sucht so lange leistungswillige und zuverlässige Südamerikaner oder Osteuropäer, bis er fündig geworden ist. Festlandsspanier wären natürlich der Supertreffer, aber die finden man hier nur sehr selten.
Die Einstellung der Kanarios, wie sie nicht nur von mir und in diesem Forum hier immer häufiger realitätsnah beschrieben werden, überlässt man lieber den Ayuntamientos. Die werden für die Aufrechterhaltung des sog. 2. Arbeitsmarket ja üppig alimentiert und können sich also Mitarbeiter leisten, die wesentlich weniger bringen, als sie kosten. Zudem sie die kraft Zeitvertrag nach 12 Monaten eh' wieder los sind - falls allgemeine Erschöpfung sie nicht schon früher aus dem Rennen genommen hat.
Mußte ich mal wieder sagen. Keine Bange also, jemand der leistungswillig und leistungsfähig ist und etwas kann, was hier gebraucht wird (vor allem Handwerk und Dienstleistung), hat automatisch seine Arbeitsmarkt-Chancen.