Wie die aufmerksamen Kalenderleser unter Euch sicher festgestellt haben, war heute der 17., also der seit 10 Wochen sehnsüchtig erwartete Tag unserer cita bei der Extranjería in Santa Cruz. Ich hatte ja schon vielfach eher unerfreuliche (Wartezeiten, Anstellen, Unfreundlichkeit des Personals, tendenziell eher schikanöse Bearbeitungs-Grundsätze) Erfahrung mit dieser Behörde. Wir, meine belarussische Gattin, ihr Sohn und ich, fuhren heute mit wirklich vielen Dokumenten und Kopien derselben wieder nach Santa Cruz, auf's Schlimmste gefasst. Auch die "Hörensagen-Gerüchteküche" der russischen Bekannten meiner Frau hat uns nicht viel positiver gestimmt.
Und dann ging's los:
1. Ich fand unmittelbar vor der Eingangstür der Extranjería einen Parkplatz! Kenner der Örtlichkeiten dort wissen, daß das seltener vorkommt als ein 5er im Lotto. Parkplätze dort existieren eigentlich nur theoretisch und im Umkreis von 500 m ebenso wenig.
2. Wir zogen unser Nümmerchen und der Sicherheitsdienst sagte uns nach Vergleich der gerade aktuellen mit unserer Nummer im Brustton der Überzeugung: "kommt mal in 50 min. wieder". Ich muß ziemlich blöd ausgesehen haben in diesem Moment, da ich eine derart
präzise Zeitangabe aus dem Mund eines Canario noch nie gehört habe. Normalerweise kennen wir alle doch eher "un minutito" oder "manana", was beides nicht so ernst genommen werden sollte...
Wir waren also nach etwa der angegebenen Zeit wieder vor Ort, warteten dann noch geschlagene 8 min (!) und dann waren wir dran! Unglaublich.
3. Der Sachbearbeiter war ungemein freundlich und bemühte sich auch, so deutlich zu sprechen, daß meine Frau ihm vollständig folgen konnte. Bei zwei Dokumenten wollte er Kopien, die wir nicht hatten (stand auch nirgends, daß sie verlangt würden), von 1/2 Dutzend anderen hatten wir mehr als genug. Er akzeptierte, daß Pavel schnell noch während unserer cita in den Kopierladen nebenan ging. Dann mussten wir noch schnell zur BBVA (die nächstgelegene Bank-Filiale dort, ca. 300 m entfernt), den Zahlungsbeleg vorweisen und wir hatten alles. Im ersten Aufwasch! Bekamen alle unsere Dokumente sofort in die Hand und müssen jetzt nur noch die N.I.E. für Frau und Stiefsohn bei der Policia Nacional in Las Américas abholen. Die gibt's mit unserem Wohnsitz nämlich nur dort.
Fantastisch! Unglaublich! Es geht ja doch, wenn man will. Narciso, so hieß unser Sachbearbeiter, hat mir während des Wartens auf die Kopien noch erzählt, daß sie jetzt statt früher 8 nunmehr 19 Mitarbeiter im Schalterdienst haben (es waren aber nur 4 Schalter besetzt, ähäm...) und jährlich knapp über 40.000 Anträge bearbeiten - dortselbst, in der Extranjería von Santa Cruz. Dieses frühere Ausnahmezustands-Waterloo ist wohl dauerhaft passé, abgesehen von der kurios langen Wartezeit auf den Termin unserer cita war das Verfahren wirklich gut und "kundenfreundlich".[addsig]