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Alt 20.02.2009, 12:22
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Standard Freiberufliche Tätigkeit vs. Selbständigkeit

Werden die obengenannten Bereiche auf den Kanaren getrennt? Wie wird speziell eine freiberufliche Tätigkeit auf TF versteuert? Wird sie überhaupt auf TF versteuert, wenn sie für einen deutschen Arbeitgeber erbracht wird, man aber auf TF wohnt?
Müsste man sich privat selbst versichern?
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Alt 20.02.2009, 15:33
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Hi Niza,

auf die Frage Unterscheidung/Behandlung freiberuflich/selbständig hier auf TF gehe ich nicht ein...

Das andere ist schon kompliziert genug: hab mich als Selbständiger mit (letztes Jahr) gemischter Tätigkeit (D und TF) durch genau diese Fragen auch durchbeissen müssen. Ich antworte nach bestem Wissen und Gewissen, ohne Anspruch auf Richtigkeit (es kostet ja auch nix, ansonsten würd ich hier ne Rechnung mitliefern :-), ich kann Dir auch sagen, dass das nicht gerade zu den Standardsituationen gehört, mit denen durchschnittlich intelligente(?) KV-Call-Center Mitarbeiter klarkommen und erst recht wird´s kompliziert, das den hiesigen Behörden darzustellen...

Die Steuerfrage hängt von folgenden Aspekten ab:

a wo wohnst Du mehr als die Hälfte des Jahres
b arbeitest du nur auf TF, nur in D oder gemischt
c stellst Du evtl. einen Antrag auf EkStr-Veranlagung in D nach § 1 Abs. 3 EkStG

Der Fall ist recht klar, wenn Du mehr als die Hälfte des Jahres hier Spanien wohnst und zumindest zum Teil auch hier arbeitest (Vor/Nachbereitung etc.), dann bist Du hier auch steuerpflichtig (es sein denn - siehe oben c).

Wenn Du hier weniger als 1/2 Jahr pro Jahr wohnst, und ausschließlich in D arbeitest, wirst Du weiter in D veranlagt, ebenso wie gesagt auf Antrag, siehe c, wenn es um Einkünfte nach § 49 geht, z. B.
"Einkünfte aus selbständiger Arbeit (§ 18), die im Inland ausgeübt oder verwertet wird oder worden ist, oder für die im Inland" (also in D..) "eine feste Einrichtung oder eine Betriebsstätte unterhalten wird".

Von dieser Geschichte hängen auch diverse andere Dinge ab (z. B. Kindergeldzahlung aus D, was direkt an die Steuerpflicht gekoppelt ist).

Sicher sinnvoll, hier kompetente Beratung durch Steuerexperten einzuholen, die sich dann aber in D und ES auskennen müssen (und genau die sind nicht gerade billig...).

Zur Krankenversicherung: Ich war als Selbständiger freiwillig bei einer gesetzl. Kasse versichert und ich hatte die Möglichkeit, mich quasi als Selbständiger für ein Projekt hier nach TF selbst zu entsenden und für eine befristete Zeit (für dieses Projekt) weiter in D versichert zu bleiben. Das Problem ist, dass Du die Situation auch den hiesigen Behörden klar machen musst, was mit einer Familie noch komplizierter wird als denn als Einzelperson. Hier musst Du unbedingt mit Deiner deutschen Kasse reden, die Voraussetzungen zur Weiterversicherung in D klären und dir - im Falle einer Weiterversicherung - die nötigen Formulare zur Vorlage bei der hiesigen Seguridad Social bzw. für Arztbesuche geben lassen (schau Dir mal im Web die Angaben zu den Formularen E 101 und E 106 an). Damit bewaffnet musst Du Dir dann hier bei der SegSoc. das 101(?) komplettieren lassen, was Du dann wiederum für Arztbesuche brauchst.

Rein von den Kosten ist die deutsche KV mit Sicherheit die teurere Alternative, aber sie deckt halt auch mehr ab (muss meine Rechnungen halt erstmal privat zahlen und dann durch die KV erstatten lassen).

Die Versicherung hier als Autonomo kostet wohl so um die 250 Teuro pro Monat, wahrscheinlich macht eine Ergänzung durch eine private Zusatzversicherung Sinn und Du kommst dann immer noch unter den Kosten der deutschen KV davon. Mit ner Familie sieht es dann wieder anders aus. Wenn Du nicht ganz sicher bist (wie ich auch) ob Du längerfristig hier leben und arbeiten willst, dann versuch doch den Weg, zunächst in D versichert zu bleiben.

Falls Du noch spezielle Fragen hast, gern mal ne private mail, oder evtl. auch mal per Skype oder Telefon....

Saludos

Tomaterich

Geändert von ElTomate (20.02.2009 um 15:51 Uhr).
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  #3 (permalink)  
Alt 20.02.2009, 20:07
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Hi Tomätschen

Dankeschön, wenn es dann soweit sein sollte, und ich noch Fragen haben sollte, die ich mir nicht selbst beantworten kann, dann werde ich dich wohl noch ein wenig terrorisieren. Aber mal ganz allgemein zur Steuer: Steuerpflichtig in ES zu sein ist doch vorteilhafter, da die Steuern doch so niedrig sind!?
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Alt 20.02.2009, 20:50
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Das ist ein weit verbreiteter Irgglaube und mag vielleicht zutreffen, wenn man die Spitzensteuersätze vergleicht. Der Normalverdiener zahlt in Deutschland immer weniger Steuern als in Spanien, weils für ihn fast keine Steuerfreibeträge gbit (km-Pauschalen, Abzüge von Kinderbetreuungskosten oder bei Pflege Betreuungsbedürftiger im eigenen Haushalt und vieles mehr).
Firmen haben in Spanien die Möglichkeit, 95 % ihrer Steuerzahllast max. 5 Jahre lang "anzusparen". Wenn sie sie dann für eine betriebliche Investition einsetzen, die "retentionsfähig" ist, haben sie sich vor der Steuerzahlung gerettet. Aber eben auch wieder investiert und damit die schlußendlich auf sie niedergehende Verpflichtungs- und Kostenlawine weiter vergrößert. Sozusagen eine Flucht nach vorne, die in Zeiten noch nie dagewesener Rezession auch böse ins Auge gehen kann.
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Alt 20.02.2009, 21:22
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...ich kann dem nur beipflichten, hab auch von D aus geglaubt, die Versteuerung hier sei günstiger, aber gerade mit Familie und den diversen Absetzmöglichkeiten in D sieht das bei mittleren und niedrigen Einkommen (und von geringerem Einkommen als in D kann man hier ziemlich sicher ausgehen) anders aus. Und Familien mit Kindern können bei Veranlagung in ES dann auch das Kindergeld vergessen, es sei denn, sie bekommen hier ihre 30-50 Euro, wenn sie unter recht niedrige Ek-Grenzen fallen.

Aber man muss sicher - ausgehend von den konkreten Daten - mal einen Vergleich vornehmen, sofern überhaupt aufgrund der Situation Wahlmöglichkeiten bestehen (etwa durch die erwähnte Veranlagung in D auf Antrag).

Vielleicht auch für einige hier interessant: Für Pflegebedürftige gibt es staatliche Zuschüsse, die je nach Pflegestufe gar nicht so knapp ausfallen, das soll wohl auch die häusliche PFlege durch Familienangehörige fördern. Ist vielen noch recht unbekannt, da erst seit ca. 2 Jahren bestehend.... Allerdings wird dabei auch ein ausgedehnter Verwaltungsprozess mit entsprechenden Papiermengen ausgelöst...

So, ich pfleg jetzt erst mal meinen leichten Bauchansatz , dafür gibts allerdings keine Zuschüsse....
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  #6 (permalink)  
Alt 04.03.2009, 16:01
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Standard Steuersatz autonomo

..ich finde ja im allgemeinen viel im Web, aber ich hab noch keine übersichtliche Tabelle zum Thema Steuersatz für autonomos gefunden. Hat ja jemand eine Quelle?

Vielen Dank im voraus...

Tomate
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  #7 (permalink)  
Alt 04.03.2009, 23:38
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Ein in diesem Kontext nützlicher link, allerdings profunde Spanisch-Kenntnisse voraussetzend: ASESORES.COM - IMPUESTOS Y TRIBUTOS EN ESPAÑA
Wer gezielt weitere Fragen hat, kann diese gerne hier stellen und ich werde übersetzen oder aus meiner Praxis-Erfahrung heraus beantworten.

Grundsätzlich empfehle ich für derartige spezifische Probleme oder Einzelfall-Entscheidungen immer die Einschaltung eines kompetenten spanischen Asesors fiscal. Ich hatte gestern selbst das "Vergnügen" einer sehr eingehenden Diskussion mit einem spanischen Asesor in Sachen eines zunächst völlig unauffällig erscheinenden s.l.-Anteilserwerbs. Gut, dass dieses Gespräch aller Beteiligten sozusagen "unter Freunden" und mit kompetenter fachlicher Betreuung erfolgte - wir haben alles daraus gelernt. Oder ihr findets toll, 2.000 Seiten eng beschriebenen und furztrockenen Gesetzestextes auswendig zu lernen....
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  #8 (permalink)  
Alt 18.03.2009, 00:30
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Zitat:
Zitat von niza85 Beitrag anzeigen
Werden die obengenannten Bereiche auf den Kanaren getrennt? Wie wird speziell eine freiberufliche Tätigkeit auf TF versteuert? Wird sie überhaupt auf TF versteuert, wenn sie für einen deutschen Arbeitgeber erbracht wird, man aber auf TF wohnt?
Müsste man sich privat selbst versichern?
Fragen über Fragen
Die Frage und Ausgangssituation ist mir sehr gut bekannt, aber man kann aber ohne Kenntnisse der genauen Details, Strategie, Art des Geschäftes/Art und Dauer der freiberuflichen Täigkeit keine sinnvolle Lösung bieten.

Man kann im günstigsten Fall bei einer maximalen Gesamtsteuerlast (Freiberufler und Unternehmen zusammen!) von per Saldo -50%+ (z.B. bei Inanspruchnahme der üblichen Subventionen in DE und auf den Kanaren) auskommen, im schlechtesten Fall (leider oft von Deutschen aus Unwissen gewählt) bei kumuliert über 60%. Mal ganz abgesehen

Genauso wichtig wie die Steuerfragen sind hier die Fragen der Sozialversicherungspflicht, die ähnlich kompliziert geregelt ist, wie in DE das Steuerrecht.

Das wichtigste ist, erst einmal eine klare, steueroptimierte Unternehmensstartegie zu haben. Dann erst können einem die spanischen Steuerberater (die es ind er deutschen Form auch nicht gibt) überhaupt erst praktisch helfen. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass 98% der Leute, die sich auf den Kanaren "asesor fiscal" nennen, bei diesen Prozessen wenig hilfreich oft sogar kontraproduktiv sind. Öhnliches gilt für die deutsche Seite, weil die deutschen Berater oft einfach auf Spanien abstellen, wobei die Kanaren gerade auf diesen Gebieten oft eigenes Recht anwenden.
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  #9 (permalink)  
Alt 18.03.2009, 12:57
Benutzerbild von Pensador_XL
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Pensador_XL wird schon bald berühmt werden
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Hallo DUCC, Du scheinst ja recht gut Bescheid zu wissen. Deine Aussage möchte ich unterschreiben, ohne mich auf den Prozentwert festzulegen.

Ich selbst habe offensichtlich eine Gestoría, die zu diesen Perlen zu rechnen ist. Wir haben bisher noch nicht die kleinste Schwierigkeit steuerlicher oder unternehmensrechtlicher Art gehabt.

Eines interessiert mich näher: Wie muss/sollte
Zitat:
... eine klare, steueroptimierte Unternehmensstartegie ...
aussehen?
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  #10 (permalink)  
Alt 18.03.2009, 15:54
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Zitat:
Zitat von Pensador_XL Beitrag anzeigen
Hallo DUCC, Du scheinst ja recht gut Bescheid zu wissen. Deine Aussage möchte ich unterschreiben, ohne mich auf den Prozentwert festzulegen. ...
Es ist generell ein Irrtum zu meinen, dass der Steuerberater oder Anwalt mir sagt, was ich tun soll. Die warten immer, bis ich denen sage, was ich gemacht haben will. Die sind ja auch nicht die "Macher" sei es als Geschäftsführer oder Unternehmer.

Ich habe mir deshalb einfach angewöhnt, mich selbst erstmal über die rechtlichen und steuerlichen Optionen und Varianten zu informieren, dann selbst zu planen und dann erst die rechtlichen und steuerlichen Sachen zur Umsetzung an die diversen Fachleute abzugeben. Der Prozentwert ist eher konservativ.

Zitat:
Zitat von Pensador_XL Beitrag anzeigen
... Eines interessiert mich näher: Wie muss/sollte... eine klare, steueroptimierte Unternehmensstrategie aussehen?
Das hängt ganz vom Einzelfall ab.

Ein Fall von heute morgen bei mir: Aufbau einer Herstellung von Modeartikeln für den europäischen Markt, Design, High-Tech Herstellungsverfahren, Internetmarketing, Direktverkauf sieht ganz anders aus, als der Fall des letzten Monates Verlagerung eines Druckbetriebes von DE auf die Kanaren, weil der Unternehmer lieber unter südlicher Sonne weilt.

In beiden Fällen kann man das absolut versemmeln, wie man das dem Druckereibesitzer fast passiert wäre (nach Beratungen mit seinem deutschen Steuerberater, einem kanrischen Anwalt und einem kanarischen "Steuerberater") oder aber die bereits zitierten -50%plus. herausholen.
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