Einzelnen Beitrag anzeigen

  #1 (permalink)  
Alt 25.01.2008, 22:40
Benutzerbild von sanmiguel
sanmiguel sanmiguel ist gerade online
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.05.2006
Ort: Ayto Adeje
Beiträge: 1,585
sanmiguel befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard Mojo de Pollo???

Ich hab' ne Weile überlegt, ob ich diesen Beitrag in "Restaurantkritik" schreiben sollte oder in "Land und Leute - so sind sie, die Kanarios" oder in eines der kürzlich aufgetauchten Themen zur negativen Entwicklung des Tourismus hier, aber es ist eigentlich so exemplarisch, daß man's eigenständig diskutieren muss:
Mein Sohn und ich waren heute, trotz meiner inneren Widerstände, in dem aus praktisch jedem Reiseführer als "orginal einheimisches Insider-Restaurant" bekannten "Oasis" in Adeje. Wie üblich rappelvoll, Reiseführer lügen ja nicht.
Speisekarte gibt's eh' nicht, da nur pollo in einer einzigen Zubereitungsart. Stellt sich nur die Frage "wie viele Portionen".
Anfangs fand' ich's ganz lustig, da wirklich schnell, alles ein bißl hemdsärmlig und ruppig, aber nicht ohne Charme. Sogar der Tisch wurde abgewischt. Teller/Besteck kam sehr schnell, Ablecken derselben hätte spüren lassen, was der Vorbenutzer gegessen hatte (haben wir aber bleiben lassen, da "siehe oben"). Brot kam, Salat kam, viel Zwiebel, viel Essig, aber erkennbar kein Pfeffer. Ich liebe Tomaten mit Pfeffer, daher meine sofortige Bitte nach Pfeffer und Salz. Die Antwort war selbst für mich mit intensiver Teneriffa-Gastro-Erfahrung neu: "tiene todo", hat also alles drauf und drin, daher gibt's nix extra. Ich hab' immer noch geschmunzelt, die Dreistigkeit der Antwort hatte ja was für sich...
Das Hendl für zwei kam, bestehend aus einigen (wenigen) Teilen mit längerer Verweildauer an heißen Zonen, dazu völlig ungenießbare Pommes, das alles schwimmend in sowas wie Bratensoße mit 95 % Fettgehalt. O.K., um den pommes doch noch eine Chance auf teilweisen Verzehr zu geben, bestellte ich Mojo. Es kam irgendwas im heißen Glas, was bei genauerer Betrachtung ebenfalls wieder "sowas wie Bratensoße mit 95 % Fettgehalt" war. Ich rief die Bedienung, mittlerweile war mir jede Freude am Essen vergangen ob dieser absoluten Dreistigkeit, um ihr das, was sie dem Idioten von estranjero-Kunden als Mojo andrehen wollte, vorzuhalten. Ruhig, sachlich, auf spanisch natürlich hab' ich den mojo moniert. Statt irgendwas von Reue oder Interesse zu zeigen, daß da jemand anscheinend nicht mit jedem Scheiß abzuspeisender touri-Idiot wäre, hat sie mir erklärt, das das der typische mojo de pollo wäre... Ihre typisch kanarische Lösungsvariante war die Feststellung "ihr wollt ihn also nicht", womit sie verschwand und natürlich nie mehr mit richtigem Mojo gesehen wurde.
Hat jemand von Euch schon mal nahezu kochenden mojo de pollo genossen?

Und dann wundern sich diese dreisten rotzfrechen unverschämten kanarischen Tourismus- und Gastronomie-Faulpelze, wenn der Tourist nach langem Leiden sich nicht mehr alles chancenlos gefallen lässt, nicht mehr die Rolle des zahlenden Idioten spielt, sondern halt einfach woanders hinfliegt, wo er dasselbe entweder wesentlich preisgünstiger, freundlicher, engagierter bekommt oder echte Leistung und Professionalität zum selben Preis wie hier auf Teneriffa. Es ist an Unverschämtheit und Routiniertheit in der Subventions-Abzapfe nicht mehr zu überbieten, wenn man quer durch alle Berufsverbände jeden nur möglichen Unfug und Subventionen aller Art von wem auch immer fordert, ohne an seine eigene Nase zu fassen. Ein Aufwachen, vermutlich zwangsweise verbunden mit gleichzeitigem Auswechseln vieler hier in Gastronomie und Tourismus tätigen vom Verbandpräsidenten bis hin zum Hilfskoch, wird wohl erst stattfinden, wenn's hier mal ganz hart an die Wand gegangen ist. Es ist schon pervers, zu erkennen, daß ein Stop der meisten Subventionen den Inseln und ihren Bewohnern wohl mehr nützen würde als die Subventionen selbst.

Das Oasis ist jedenfalls aufgrund des gezeigten Verhaltens ein gastronomischer Betrieb, der zum miserablen Ruf der touristischen Leistung beiträgt und bloßgestellt gehört. Was aber nichts dran ändern wird, daß ihn das Ayuntamiento oder CITsur oder wer auch immer für "langjährige vorbildliche Arbeit bis zur Erschöpfung" auszeichnen wird, wenn mal wieder Wahlen sind oder warum auch immer. Leute, macht einen großen Bogen um dieses Lokal, es gibt auch zahlreiche seriöse Alternativen.

Geändert von sanmiguel (25.01.2008 um 22:43 Uhr).
Mit Zitat antworten