Die Rituale sind doch immer die selben: kaum kommt irgendeine Idee, die die Industrie nicht in den selbst gewählten Bahnen verharren lässt, wird von ihrer Seite gedroht: "wir müssen 3.000 Arbeitskräfte entlassen" - was denn, in ganz Spanien, bei ca. 20 Mio "Werktätigen"? Entlässt dann jeder Supermarkt 0,06 Kassiererinnen? In der hierbei klar erkennbaren billigen Stammtisch-Parolen-Einschüchterungsstrategie ist die spanische Industrie nicht alleine, auch die deutsche Autoindustrie entblödete sich nicht, damals bei der von D als Spitzenreiter voran getriebenen Katalysator-Einführung den endgültigen Niedergang der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autobauer zu beschwören (heute übrigens mit nahezu derselben Wortwahl die Risiken, die durch die Einführung einer allgemeinen Höchstgeschwindigkeit auf ein paar km noch freier dt. Autobahnen entstehen würden...). Peinlich vordergründig und durchschaubar sind alle diese vorgeschobenen Argumente.
Trotzdem glaube ich nicht, aus gehabter Erfahrung, daß die wählerstimmen-heischende Sprechblasen-Politik Spaniens tatsächlich so umgesetzt wird. Zu tief ist die Plastiktüten-Kultur verwurzelt. Vor ein paar Tagen hatte ich z.B. im AlCampo einen 5l-Kanister Motoröl (mit höchst ergonomischen Handgriff) gekauft. Was macht die dumme Nuss an der Kasse (ich hab' den Begriff jetzt nach einigem Zögern doch verwendet)? Sie tütet diesen Kanister in ein dünnes Plastiktütchen ein, das bei Verwendung innerhalb von 5 sec. gerissen wäre - aber der Automatismus der völlig gedankenlosen Plastiktüten-Ausgabe ist bei kanarischen Supermarkt-Kassiererinnen wohl schon genetisch verankert...
Es würde, wenn überhaupt und wie überall, nur über Geld funktionieren - innerhalb weniger Wochen: lass' jede Plastiktüte 50 Cent kosten und in Kürze ist der Spuk vorbei - selbst der klassisch entscheidungsträge Canario brächte eine robuste Einkaufstasche in den Supermarkt mit... |