"Unwort des Jahres 2007" steht fest.
Zum Unwort des Jahres 2007 ist der Begriff "Herdprämie" gewählt worden. Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen. Inzwischen gibt es ein ganzes Wortfeld, das die Diffamierungsabsicht ebenfalls deutlich werden lässt. Dazu gehören die Varianten "Aufzuchtprämie", "Gluckengehalt" und "Schnapsgeld".
Die Wahl eines "Unworts des Jahres" erfolgte zum 17. Mal. Begründet wurde diese sprachkritische Aktion 1991. Diesmal hatten sich 1.760 Einsenderinnen und Einsender aus dem In- und Ausland mit 969 verschiedenen Vorschlägen beteiligt. Auch Ergebnisse separater Unwort-Sammlungen, etwa seitens der "Main Post" in Würzburg und der "Ernst-Göbel-Schule" in Höchst im Odenwald, bezog die Jury mit ein.
Auf Platz zwei setzte die Jury das Wort "klimaneutral". Kritisiert wird der Versuch, mit diesem Begriff für eine Ausweitung des Flugverkehrs oder eine Steigerung anderer CO2-haltiger Techniken zu werben, ohne dass dabei deutlich wird, wie diese Klimabelastungen "neutralisiert" werden sollen.
Auf dem dritten Rang landete eine Formulierung des Kölner Joachim Kardinal Meisner ein, wonach Kunst und Kultur "entartet", wenn sie ihre religiöse Bindung verliert. "Entartete Kunst" war ein Schlüsselbegriff während des Naziregimes, mit dem missliebige Künstler und ihre Werke diffamiert und "beseitigt" wurden.
Der 7. Januar 2008 war Stichtag - der letzte Tag, an dem Vorschläge eingereicht werden konnten. Eine gute Wochen dauert es, bis am 15. Januar bekannt gegeben wurde, welches Wort den "Gewinner" von 2006, "Freiwillige Ausreise", abgelöst hat. "Sachlich falsch", "grob unangemessen", möglicherweise sogar "die Menschenwürde verletzend" – je größer der Missgriff beim Gebrauch eines Wortes oder einer Formulierung, desto sicherer ein Kandidat für die Mitglieder der Jury der "Aktion Unwort des Jahres", die aus der Gesellschaft für deutsche Sprache hervorging.
Im Anschluss an die Bekanntgabe kann man sich dann wieder auf heiße Debatten zwischen deutschen Sprachwissenschaftlern, Politikern und Journalisten freuen. So wurde das Gewinner-Unwort von 2002, "Ich-AG", angeblich mit Absicht von der Jury falsch verstanden.
2007
Herdprämie
(Diffamierung von Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen)
Klimakatastrophe
(Bedrohliche Entwicklung der Umwelt)
2006
Freiwillige Ausreise
(Behandlung abgelehnter Asylbewerber)
Fanmeile
(Fußball-WM in Deutschland)
2005
Entlassungsproduktivität
(Gewinne eines Unternehmens nach Entlassungswelle)
Bundeskanzlerin
(Wahl von Angela Merkel zur ersten deutschen Kanzlerin)
2004
Humankapital
(degradiert Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen)
Hartz IV
(Neue Arbeitsmarktreformen vorgeschlagen von Dr. Peter Hartz)
2003
Tätervolk
(inakzeptabler Kollektivschuldvorwurf)
Das alte Europa
(europäische Länder, die Irak-Krieg ablehnten)
2002
Ich-AG
(Begriff reduziert laut Jury Individuen auf ein sprachliches Börsenniveau)
Teuro
(Einführung des Euro und parallel empfundene Preissteigerung)
2001
Gotteskrieger
(Selbst- u. Fremdbezeichnung der Taliban- und El-Kaida-Terroristen)
Der 11. September
(terroristische Anschläge auf diverse Gebäude in New York)
2000
national befreite Zone
(von Rechtsextremisten terrorisierte Region)
Schwarzgeldaffäre
(illegale Spendenpraxis der CDU in den 1990ern)
1999
Kollateralschaden
(Verharmlosung der Tötung Unschuldiger als Nebensächlichkeit)
Millennium
(bevorstehende Jahrtausendwende)
1998
sozialverträgliches Frühableben
(zynisch wirkende Ironisierung, die von vielen falsch verstanden wurde)
Rot-Grün
(Regierungskoalition zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen)
1997
Wohlstandsmüll
(Umschreibung von arbeitsunwilligen wie arbeitsunfähigen Menschen)
Reformstau
(kritisiert Unterbleiben von als nötig angesehenen Reformen)
1996
Rentnerschwemme
(gibt falsches Bild zur Überalterung der deutschen Bevölkerung wider)
Sparpaket
(kennzeichnet die Verringerung des Budgetdefizits)
1995
Diätenanpassung
(beschönigt die Diätenerhöhung im Bundestag)
Multimedia
(verstärktes Aufkommen digitaler Medien)
1994
Peanuts
(Wort fiel in einer öffentlichen Diskussion in falscher Relation)
Superwahljahr
(die Politik im Zeichen des Wählerstimmenfangs)
1993
Überfremdung
(Scheinargument gegen Zuzug von Ausländern)
Sozialabbau
(kritisiert den (befürchteten) Abbau des Sozialstaates)
1992
Ethnische Säuberung
(Propagandaformel im ehemaligen Jugoslawien)
Politikverdrossenheit
(negative Einstellung der Bürger in Bezug auf Politik)
1991
ausländerfrei
(fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda)
Besserwessi
(abschätzig für Bürger der (alten) BRD)
Wort / Unwort 2007 in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz
Österreich
Komasaufen
(Das Abschieben sozialer Probleme auf Jugendliche)
Bundestrojaner
(Versuch staatlicher Kontrolle über gesamte Bevölkerung)
Liechtenstein
Klimahandel
(stellt Handel mit Emissionen in Frage)
Passivrauchen
(Rauchverbot zum Schutz von Nichtrauchern)
Schweiz
Klimakompensation
(Das Vertuschen von Klimaschädigung durch Ausgleichshandlungen)
Sterbetourismus
(Die Verbindung von aktiver Sterbehilfe und Reisen in das Alpenland) |