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Alt 13.01.2008, 18:50
Patrick Patrick ist offline
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Wissenswertes darüber

Madrid, 11. Januar

Spanien besitzt zwar eine der ältesten Nationalhymnen der Welt, aber einen offiziellen Text dazu gibt es nicht. Der letzte gebräuchliche, aus den vierziger Jahren, war mit der Franco-Diktatur verbunden und für die Demokratie deshalb nicht tragbar. Auch die Rechte an der heute verwendeten Partitur übernahm der Staat erst im Jahr 1997. Die «Marcha Real» oder «Marcha Granadera», wie das Stück eines anonymen Komponisten ursprünglich hiess, war freilich bereits 1770 von König Carlos III. zum Ehrenmarsch seiner Truppen erklärt worden und wurde bald zur volkstümlichen Nationalhymne. Nur die Republik ab 1931 gab sich eine andere Hymne, bis die Sieger des Bürgerkriegs dem Land wieder die «Marcha Granadera» dekretierten. Diese Geschichte erklärt, weshalb es für die spanische Linke nach dem Übergang zur Demokratie nicht einfach war, diese Nationalhymne zu akzeptierten. Der Kompromiss bestand darin, auf einen offiziellen Text zu verzichten.

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Politische Korrektheit gefragt

Spanische Sportler, die auf dem Siegerpodest zur Musik ihrer Hymne nur summen, aber keine Worte singen können, scheinen dies als Manko zu empfinden. Jedenfalls hat das nationale olympische Komitee letztes Jahr zusammen mit dem spanischen Autorenverband einen Wettbewerb für einen neuen Text ausgeschrieben. Dieser sollte nicht nur literarisch befriedigend und singbar, sondern auch neutral und integrativ sein. Keine Partei, keine Region und keine Minderheit sollte sich daran stossen. Eine sechsköpfige Jury, der ein Komponist, ein Musikwissenschafter, ein Historiker, ein Verfassungsrechtler, eine Literaturprofessorin und eine Olympiasiegerin angehörten, hat die Wahl aus Tausenden von Vorschlägen getroffen.

Der siegreiche Text ist am Donnerstag durch eine Indiskretion in die Medien gelangt. Das olympische Komitee sah sich deshalb gezwungen, den Verfasser, einen 52-jährigen Arbeitslosen aus dem Madrider Vorort Alcobendas namens Paulino Cubero, an einer Pressekonferenz vorzustellen. Sein Text mag den Kriterien genügen; gerade deswegen aber glänzt er nicht durch Originalität. Von grünen Tälern, blauem Himmel und weitem Meer ist darin die Rede, von Ruhm, Grösse, Friede, Vaterland, Demokratie, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, und die Aufforderung ergeht an «uns alle», mit verschiedenen Stimmen, aber aus einem Herzen gemeinsam «Viva España!» zu singen.
Per Volksinitiative vors Parlament

Erste Reaktionen klingen wenig verheissungsvoll. Der sozialistischen Kulturministerin Carmen Calvo gefalle der Text überhaupt nicht, und auch in Internet-Umfragen drücken überwiegend Kritiker die Maustaste. Dabei hätte das olympische Komitee gewollt, dass sein Vorschlag erst bekannt wird, wenn ihn Plácido Domingo am 21. Januar im Auditorium des Madrider Kongresshauses mit Orchesterbegleitung vorträgt; von dieser Stimme gesungen, kann er nur schön klingen. Um offiziellen Status zu erlangen, müsste der Text allerdings vom Parlament gutgeheissen werden. Dies wollen seine Promotoren auf dem Weg einer Gesetzesinitiative aus dem Volk erreichen, für die mindestens eine halbe Million Unterschriften erforderlich sind. Das letzte Wort ist also noch lange nicht gesprochen, und die spanischen Fussballer werden zur «Marcha Real» nach wie vor summen oder «la-la-la» singen müssen, sollten sie an der diesjährigen Europameisterschaft endlich einmal einen Titel erringen.

Quelltext Ein offizieller Text fr Spaniens Hymne? (Panorama, NZZ Online)
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