Hallo hier im Forum,
"mein Mann hat vielleicht" und das auch noch in 2009, das ist noch ein anderes Thema und da kann man vielleicht
präziser raten, wenn's mal ein bißl konkreter und detailreicher wird. Aber zur möglicherweise künftigen Situation eines 15-jährigen lässt sich schon
präziser was raten.
1. Vom timing her wird er also im Moment Eures Umzugs in der 10. Klasse sein. Grundsätzlich kann er zwar hier auf der Insel nahtlos in der 10. Klasse der I.E.S. (instituto de educación secundaria) weitermachen, wird da aber gnadenlos durchrasseln (keine Schande, passiert tausenden von Kindern mit "Migrationshintergrund" so). Aber es hilft ihm, diese Klasse im zweiten Anlauf dann wenigstens zu bestehen, möglicherweise so gut (manchmal platzen ja plötzlich Knoten...), daß es sogar zu einer Empfehlung/recomendación für's bacchilerato reicht. Das ist das spanische Abitur. Falls nicht, kann er schulisch mit einer etwa der dt. BAS vergleichbaren Berufs-Schulausbildung weitermachen. Da bleibt er meist sogar im selben Schulgebäude, es ist auch eine reine Schul-Ausbildung ohne (bzw. mit im zweiten Jahr stattfindenden minimalen berufspraktischen Teilen). Das duale System der Berufsausbildung gibt's in Spanien nicht.
Die Alternative nach dem erst- oder zweitmaligen Absolvieren der 10. Klasse ist der Eintritt ins Berufsleben als "irgendwas" - eine durchaus verbreitete Form hier. Falls er Pech hat (wahrscheinlich), kommt er in eine Firma, wo niemand, kein Vorarbeiter, kein Chef, sich für ihn und seine berufliche/charakterliche Weiterentwicklung interessiert und wo er halt einfach als "peon" (=Hilfsarbeiter ohne irgendeine Qualifikation) arbeitet. Falls er Glück hat und einen Job in ebendieser Hilfsarbeiter-Ebene, aber einem wachsenden, gut organisierten Unternehmen findet, wo man was für das Fortkommen seiner Leute tut, kann er durchaus an seinen Aufgaben wachsen. Und dann z.B. zwei Jahre später mit Fern- oder Wochenend-Ausbildungen tatsächlich auch eine berufliche Formal-Qualifikation erreichen. Das ist aber ein kleines Stückchen Glück, da die meisten Firmen der dummen Idee aufsitzen, daß Aus-/Bildung die Mitarbeiter leichter abwerbbar macht, kritischer, daß sie sich nicht mehr alles gefallen lassen. Zudem soll der peon idealerweise nicht gebildeter sein als der Chef und da wird's meist eng für den erlaubten Bildungs-Spielraum...
Du hast geschrieben, daß Sohnemann mit"muß". Ist zwar nur ein kleines Detail, aber sehr wichtig. Ein heftig pubertierender trotziger 16-jähriger muß garnix - nach seinem Dafürhalten. Da irr er zwar, aber innerfamiliär setzt er's meist durch. Gebt ihm nicht das Gefühl, er müsse irgendwas, der daraus resultierende Abwehr-Mechanismus kann Euer Vorhaben pulverisieren, Euch als komplette Familie hier dauerhaft zu etablieren. Weckt einfach seine Neugier und lenkt ihn jetzt schon mit leichter Hand, idealerweise ohne daß sein höchstpersönliches Alarmsystem überhaupt drauf anspricht, in die Richtung Teneriffa. Er muß ja auch eine Menge aufgeben: Freunde, eine Umgebung die seine Sprache spricht, Kino in deutscher Sprache, seine kleine Welt, deren Funktionsweise er versteht, weil er sie lebenslänglich gelernt hat. Hier ist zwar nicht alles, aber sehr vieles anders, auch das Wertegefüge z.B., und Ihr werdet erst hier spüren, wie sehr es das Alltagsleben erleichtert, wenn man's wirklich bis ins kleinste Detail durch die eigene Lebenserfahrung kennt.
Zurück vom Exkurs zum Konkreten: spanisch lernen ist sehr wichtig, idealerweise solltet Ihr, der Knabe ebenso wie Ihr beide, jede Möglichkeit jetzt schon nutzen, auf der Insel nicht bei 0 anfangen zu müssen. Für Sohnemann wird's ein bißl leichter wie für Euch, da man in seinem Alter wesentlich leichter und schneller lernt, meist mehr "auf der Straße" denn in der Schule. Falls er sich nicht hier total zum Einsiedler entwickelt, kann er's kaum vermeiden, recht schnell spanisch zu lernen - und englisch auch noch, wenn Ihr in einer Wohnanlage wohnt und nicht in einem Einzelhaus oder weit droben in den Bergen. Ich würde für Euren Fall ganz klar "Residencial" bevorzugen, und zwar nicht ein verkapptes Seniorenstift mit 50%-Deutschen-Anteil, sondern was mit jungen Familien. Aber auch das ist wieder ein anderes, weites Thema.
So, das soll's mal "in aller Kürze" gewesen sein für den ersten Anlauf. Als Forums-Neulinge hier werdet Ihr nicht alles gelesen haben, was ich hier zu dem Einen oder anderen oder auch über mich selbst geschrieben habe. Deshalb: ich habe selbst 3 eigene Söhne (22 - 18 Jahre, jetzt in Deutschland lebend) und 1 Stiefsohn (17 Jahre, Muttersprache russisch, hier zur Schule gehend). Zu Eurem Thema fehlt's mir also nicht an Praxis...[addsig]