Ist doch logisch, warum die Südamerikaner "gefürchteter" sind als die Immigranten oder Residenten aus Europa. Im Grundsatz ist es die selbe Denklinie, die manchen politischen Wirrkopf an die Hauswände sprayen läßt "Peninsulares (Festland-Spanier) raus" - es geht um Arbeitsplätze. Im kommenden Jahr sind wieder Wahlen und das ist ein gutes Motiv, spanisch zu lernen - verstehen, welchen Blödsinn/welche Stimmvieh-Verdummung die Mehrzahl der politischen Parteien hier bezüglich Arbeitsmarkt-Situation absondern. Natürlich sind es die bösen Festland-Spanier und die bösen Residenten und bestimmt auch die besonders bösen (weil ja schon spanisch als Muttersprache sprechenden) Südamerikaner den armen Canarios die vielen schönen Arbeitsplätze wegnehmen.
Ist ja viel populistischer und stimmenbringender als zu verkünden: liebe Mitbürger, packt Euch mal an der eigenen Nase, habt Ehrgeiz und Berufsethos, auf der Ebene der Qualifikation, Zuverlässigkeit, Service-Orientierung gleichzuziehen mit denen, die Euch von den Arbeitgebern vorgezogen werden! Kein Arbeitgeber hier stellt einen Engländer, Franzosen, Deutschen, Argentinier ein, weil er keinen Canario möchte - nein, er möchte halt einen Mitarbeiter, der tatsächlich täglich pünktlich zur Arbeit kommt, konzentriert ist, dazu lernen möchte. Auch ich selbst habe mit Arbeitskräften aus Südamerika in meinem Betrieb sehr gute Erfahrungen gemacht.
Um dem kollektiven Aufheulen zuvor zu kommen: ja, ich weiß, es gibt auch sehr zuverlässige, leistungsorientierte Canarios (und vor allem Canarias). Aber sie sind halt in der Minderheit.
Was mich gerade hier so fuchsteufelswild macht, ist das eklatante Auseinanderklaffen von Realität und den illusionistischen, oft gegen besseres Wissen getätigten Sprechblasen-Parolen unserer Oberen. "Jeder kanarische Schüler hat ab der 1. Schulklasse Englisch-Unterricht". Soso, versucht mal, mit einigen 16jährigen Schulabgängern ein drei Sätze langes einfaches Gespräch über Basisthemen zu führen - Ihr werdet weinen...
Und drum sind die Südamerikaner eine echte Bedrohung für den Canario im Arbeitsmarkt: sie haben noch echt "Hunger" auf Verbesserung der Lebensqualität, sind aus ihren Heimatländern weggegangen, weil sie sich weiter entwickeln wollen, wissen, daß sie dafür selbst etwas tun, an sich arbeiten müssen. Sie haben nicht erfahren, daß der Massentourismus und die EG-Mitgliedschaft so viel Geld und Subventionen und Wohlstand über ihnen ausgeschüttet haben, daß morgen sowieso wieder "die Sonne aufgeht", egal, ob sie sich für irgendwas engagieren oder nicht. |