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Alt 11.05.2007, 23:35
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sanmiguel sanmiguel ist offline
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Das bin ich heute per pm gefragt worden und da es von allgemeinem Interesse ist, stelle ich es mal neutralisiert hier ein:

"weisst Du vielleicht wo man sich hinwenden kann wenn man kenen Arbeitsvertrag bekommen hat und keine Löhne ausbezahlt wurden?
Im Norden."

Von Norden oder Süden hängts überhaupt nicht ab, aber die Situation kann evtl. aussichtslos sein. Wie Du vielleicht weißt, zahlt im spanischen Zivil- und Arbeitsrecht jede Instanz, unabhängig vom Ausgang der Sache, ihre Anwaltskosten selbst - und ohne Anwalt vor Gericht zu ziehen, ist von vornherein zwecklos, so formalistisch vertrackt ist das spanische Rechtswesen.

D.h., um ohne erstinstanzliche Kosten wegzukommen, die eventuell so hoch oder höher sind als der Streitwert, muß man einen entsprechenden Rechtsschutz haben oder Mitglied einer Gewerkschaft (sindicato) sein, die u.a. kostenlose Arbeitsrechtsberatung und auch bei begründeter Erfolgsaussicht die Vertretung vor Gericht bieten. Erfolgsaussicht besteht eigentlich immer, da die spanischen Arbeitsgerichte tatsächlich "Arbeitnehmer-Gerichte" sind aus der irrigen Annahme heraus, der der sozial schwächere Arbeitnehmer gegen den ausbeuterischen Arbeitgeber quasi vorbeugend zu schützen sei. Wenn ich so mitbekomme, wie auch namhafte spanische Arbeitgeber (z.B. auch Ayuntamientos) vor allem mit ihren dienstjahre-jüngeren und nicht mit irgendeinem Funktionsträger verwandten Arbeitnehmer umspringen, basiert die genannte gerichtliche Entscheidungstendenz auf reiner Statistik und Erfahrung mit der Lebensrealität hier.
Aber es gibt natürlich auch anders gelagerte Fälle und da hat halt dann der AG Pech gehabt...

O.k., zurück zur Sache: so wie Du es schilderst, wird die Beweislage schwierig. Wo kein Arbeitsvertrag ist, kann man sich auch ganz schlecht auf die Einhaltung eines solchen berufen. Und wo kein Arbeitsvertrag schriftlich vorliegt, stößt auch bei der Gehaltsfrage Aussage gegen Aussage. Der AG wird behaupten, Du hättest ein kostenfreies Praktikum oder Probearbeit angeboten und aus dem Kreis Deiner ehemaligen Mitarbeiter (wahrscheinlich MIT Arbeitsvertrag) wird sich keiner mehr daran erinnern, daß Du überhaupt existierst, wenn ihm sein Arbeitsvertrag und der monatliche Scheck wichtig sind. Also auch keine Zeugen.

Derartige Situationen kann man eigentlich nur mit Vernunft und Menschenkenntnis und realistischer Selbsteinschätzung im Vorfeld durch eigenes Verhalten vermeiden. Ich z.B. würde grundsätzlich um jedes CallCenter-Angebot, jeden Timesharer, um jedes Angebot, das nur auf Umsatz bezahlt wird, einen großen Bogen machen. Wenn Euch die Herausgabe des im Raum stehenden Arbeitsvertrages zur vorherigen Prüfung verweigert wird, o.k., auch Recht, Klappe zu. Ich lese allerdings immer wieder von irgendwelchen Phantasten, die auch im Herkunftsland nichts auf die Reihe gebracht haben und jetzt naiv wie eine 12jährige in jede Falle hineintappen, die sich ihnen bietet.
[addsig]
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