1. Was die Grünen im Allgemeinen so wollen, ist m.E. grundsätzlich begrüßenswert, manchmal auch notwendig. Je früher wir anfangen, auch über unseren eigenen Umgang mit Energie, Rohstoffen, Müll nachzudenken und uns "verträglicher" zu verhalten, desto weniger schmerzlich werden die künftigen Einschnitte und Zwänge sein. Ich verallgemeinere jetzt wieder, aber mit einigermaßen reinem Gewissen, weil ich wirklich kaum Ausnahmen kenne: es gibt unter den Staaten und Bevölkerungsgruppen der Europäischen Union wohl niemanden, der derart gedankenlos, faul, schlampig mit seiner Umwelt und damit auch mit der Zukunft seiner Kinder umgeht wie die Canarios. Ich bin heute morgen am Südflughafen an einem Polizisten vorbeigelaufen, der sich mit einem Taxifahrer unterhielt, umgeben von etlichen Taxen mit laufendem Motor. Hab' die Gelegenheit genutzt und ihn (den Polizisten) gefragt, ob's denn auf Teneriffa erlaubt wäre, sein Auto mit laufendem Motor stehen zu lassen. Antwort war ein rotziges: ich solle mich um meine eigenen Sachen kümmern! Andererseits verdienen die Tourismus-Gemeinden in gigantischem Ausmaß Geld durch die Besteuerung des Immobilien-Erwerbs, der ja bekanntlich großenteils durch den Tourismus motiviert und initiiert wird. Allzu sehr bedauern muß man sie also nicht, wenn sie bislang keine Kurtaxe bekommen. Vielleicht sollte einfach mal jemand Externer da sein, der ihnen beibringt, wie sich die Aufrechten vor den Korrupten schützen können und wie man Geld sinnvoll ausgeben kann, ohne es für irgendwelche Prestigeprojekte mit vollen Händen zum Fenster rauszuschmeißen.
2. Eine derartige Steuer gibt's/gab's in Deutschland/Österreich schon jahrzehntelang als sog. Kurtaxe und niemand hat sich großartig aufgeregt. Allerdings sind die entsprechenden Touristenorte auch top-gepflegt und man befindet sich nicht in ständiger Verletzungs-gefahr z.B. auf den Gehwegen dieser Orte.
Grundsätzlich finde/fände ich nichts gegen eine derartige Abgabe einzuwenden, wenn sie bestimmungsgerecht und sinnvoll verwendet wird. Daß die Urlauber"ordentlich Geld in die Touristen-Kassen fließen lassen", stimmt zwar schon. Aber das sind leider zum Großteil nicht die Kassen vor Ort, sondern die Fluggesellschaften, die tour-operatoren und die meist auf dem spanischen Festland sitzenden Zentralen der Hotelgruppen schöpfen einen Großteil der Gelder ab. Und diese Entwicklung wird durch "all inclusive" nicht besser.
3. Einen weiteren Beitrag zur Sanierung des völlig ungenügenden Gesundheitssystems hier auf den Kanaren zu leisten (teilweise ist das schon "unterlassene Hilfeleistung" oder "Behandlungs-Verweigerung" was die kanarischen Gesundheitszentren hier als Leistung anbieten), halte ich für völlig unsinnig. Es werden auch bislang schon unglaubliche Summen vor allem an EU-Fördermitteln hier verbraten, ohne daß ein einigermaßen akzeptabler Leistungsstand erkennbar wäre. Das Problem sind nicht fehlende Gelder, sondern fehlender Fleiß, fehlende Konzentration und fehlende Kompetenz, alles also Dinge, die aus fehlendem Interesse der Menschen herrühren, die hier im öffentlichen Gesundheitswesen tätig sind. Wie soll ich's sagen, aber die hier arbeitenden sind keine Franzosen, Russen, Deutschen... Hier liegt das Problem.
4. Da freundlicherweise sogar der von mir aufgrund seiner politischen Ausrichtung so gar nicht geschätzte Parteivorsitzende der CCN (Coalicion Canaria Nacionalista) kürzlich in einem Interview von allumfassender Korruption hierzulande gesprochen hat, scheint ja wirklich was dran zu sein. Es gibt ja nicht nur hunderte von spektakulär großen Fällen, sondern auch zehntausendfach die "kleinen Gefälligkeiten", die auch nichts anderes sind als Korruption. Man sollte vielleicht für zukünftige Verwaltung und Verwendung der von außen (nicht direkt aus kanarischer/ spanischer Leistung herrührenden) Subventionen und Kapitalzuflüssen den Canarios eine externe, von Canarios völlig unabhängige Kontrollstelle vorschalten, um die Gelder auch dort ankommen zu lassen, wo sie hingehören. Alles Utopie, ich weiß, wahrscheinlich hat jeder geschäftlich aktive Canario seine Leiche im Keller und wird sich hüten, an seinem eigenen Ast zu sägen - aber man darf ja noch laut denken. editiert von: sanmiguel, 27.04.2007, 20:26 Uhr [addsig] |