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Alt 17.06.2006, 13:05
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nachdem die große Koalition in Deutschland ja nun die größte Steuererhöhung seit 1949 beschlossen hat, kommt einem doch mal wieder der Gedanke, sich auf den Kanaren niederzulassen.

Wenn Du hier dann nichts mehr tun möchtest, kann das sinnvoll sein. Allerdings entgehst Du damit der Besteuerung Deiner dt. Einkünfte (Renten, Mieten) auch nicht. Nach hierher umzuziehen, um einer Steuererhöhung aus dem Weg zu gehen, ist wahrscheinlich die komplizierteste Möglichkeit, seine eigene materielle Situation zu gefähren oder zu verschlechtern.


1. Wie sieht der Arbeitsmarkt auf Teneriffa aus? Vor allem jenseits des Tourismussektors. Man liest ja immer mal wieder in anderen Foren, dass die Jobsituation auf den Kanaren nicht ganz einfach ist. Aber da wird es doch sicher Unterschiede geben, z.B. hat Teneriffa ja eine ganz andere Infrastruktur als z.B. La Gomera?

Richtig gelesen.
1. Kannst Du spanisch? Falls nein, fallen 95 % der Arbeitsmarktchancen weg.
2. Welche berufliche Qualifikation hast Du bzw. in welcher Tätigkeit "außerhalb des Tourismus" willst Du arbeiten? Grundsätzlich fehlen fast in allen Branchen gute Facharbeiter. Die verdienen aber hier nicht das, was sie in Deutschland verdienen würden. Die Arbeitsplatz-Sicherheit ist deutlich geringer (es gibt fast nur Zeitverträge 3-6Monate, mit einem 12-Monats-Vertrag bist Du schon ein Glückspilz und dieser ist für einen Inselneuling/Neueingestellten kaum erreichbar). Oft werden von spanischen Arbeitgebern nur sog. Halbtagsverträge mit einem ganz niedrigen "offiziellen" Verdienst abgeschlossen, Du musst aber trotzdem Vollzeit arbeiten und bekommt die Differenzbezahlung bar auf die Hand - vielleicht.
Grundsätzlich gut verdienen kannst Du als ERFOLGREICHER Immobilien-Verkäufer (ohne Insel- und engl./span. Sprachkenntnisse Utopie), außerdem arbeiten die alle fast ausschließlich auf Provision. Auch der gesamte Automobilsektor wächst unglaublich (Zulassungszahlen Neu-PKW von 2004 auf 2005 um 16,8 % gestiegen. Fahr' mal über die Insel, fast jedes Autohaus baut derzeit einen neuen Palast). Aber da geht ohne Branchen- und Sprachkenntnisse auch nix.

2. Der Durschnittslohn liegt ja bei ca. 1.300 Euro. Kann man davon leben? Und was zahlt man an Steuern, Krankenversicherung, Miete und sonstigen Fixkosten?
€ 1.300 ist vielleicht der Durchschnittslohn im Bauhandwerk, als Lagerist, Fahrer, Bürohengst verdienst Du weniger. Seguridad social/Krankenversicherung ist ca. 38 % vom Bruttogehalt, 2/3 zahlt der Arbeitgeber, meist aus einem sehr niedrigen offiziellen Gehalt. Arbeitslosengeld gibt's, allerdings gegenüber deutschen Verhältnissen deutlich geringer/kürzer (und natürlich auch wieder aus den offiziellen Zahlen berechnet). Das staatliche Gesundheitswesen ist zwar gratis, aber miserabel, auch keine freie Arztwahl, endlose Wartezeiten. Ergo: man versichert sich zusätzlich privat und geht zu entsprechenden Ärzten. Miete beginnt bei ca. € 400,00 für ein Studio/Einraumwohnung am Ende von nirgendwo. Für eine Wohnung mit zwei Schlafzimmerchen zahlst Du praktisch nie unter € 600,00. Du brauchst ein Auto, Telefon/Internet, Handy (ohne Handy existierst Du nicht hier, vor allem wenn Du arbeiten willst), priv. Krankenversicherung. Lebensmittelpreise vergleichbar mit Deutschland.

3. Wie organisiert man am besten den Umzug?
Erst mal als Touri herkommen, am besten 2-3 Monate hier leben in den sehr unterschiedlichen Zonen Teneriffas, selbst entscheiden, wo Du hinwillst (Norden rel. schlechtes Wetter, tolle Botanik, ziemlich deutsch (erleichtert vielleicht den Anfang, wenn Du kein spanisch kannst). süden sehr touristisch und sehr viel Bautätigkeit mit entsprechenden Arbeitsmarktchancen. Zona capitál/Santa Cruz Brennpunkt der Versorgung und Logistik, wenn Du irgendwie in Großhandel/Import/Distribution/Verwaltung möchtest. Gute Spanisch-Kenntnisse allerdings unverzichtbar. Und wenn Du dann "Deinen Platz" gefunden hast, dann gibt's hier gute kleine Umzugsfirmen, aber die kennst Du nach ein paar Monaten auf Teneriffa und mit einem neuen Bekanntenkreis dann sowieso alle....

4. Was muss noch alles beachtet werden?
Man muss sich hier von vielen in Deutschland lieb gewordenen "Kleinigkeiten" verabschieden, z.B. von einem zuverlässig funktionierenden Bank- oder Postwesen. Und Du bist und bleibst für die Tinerfeños "Ausländer", bis Du in die Kiste fällst. Klingt vielleicht alles ein bißl skeptisch und negativ und man mag fragen: warum lebt DER denn hier, wenn er an soviel Sachen rumkrittelt? Aber das Gesamtpaket stimmt halt doch, das Wetter ist gut, der Staat läßt Dich im Allgemeinen sehr in Ruhe, man wird viel ruhiger, das Meer ist nahe, die Wirtschaft wächst kontinuierlich und mit Geduld und Konsequenz und ein bißl Glück kommt man doch recht schnell in die Gänge. Und es ist wirklich ein internationaler Platz hier, alle Nationen sind zu finden. Du musst es selbst ausprobieren, ob es was für Dich ist.

Fragen über Fragen - über Antworten würde ich mich sehr freuen :-)
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