Man wird, glaub' ich, seine Traditionen und Erziehungsprägung nicht mehr los. Und die haben die meisten Deutschen hier eben in D genossen, oder die Österreicher in Österreich, so unterschiedlich sind die durch Kultur, Landschaft, Klima, Sprache, Historie bedingten Unterschiede ja nicht. Wohl aber dann die Mittel- zu Südeuropa oder noch entfernter zu einigen kleinen Inseln im Atlantik vor der Westküste Afrikas...
Vieles was uns aus Deutschland wichtig geworden ist und wo wir uns sagen: daran zerbricht die kanarische Unbekümmertheit nicht, wenn man/alle ihren Müll nicht mehr am Wegesrand ablagern, den Motor abstellen beim Warten, eder in seinem kleinen Kreis Möglichkeiten sucht und umsetzt, Energieverbrauch zu reduzieren.
Wir haben's ja (fast) alle hier im Forum schon einvernehmlich festgestellt, was man alles sollte und müsste. Zunächst müssen wir mal alle bei uns selbst anfangen und somit Beispiel geben. Damit dieses aber auch verstanden, richtig interpretiert, nachgemacht wird, müssen wir auch öffentlich darüber reden. Das ist noch lange nicht unanbrachte Einmischung in Dinge, die uns nichts angehen. Zumindest wir Berufstätigen leben hier, zahlen Steuern, schaffen Arbeitsplätze, geben Fakten-Wissen und Kenntnisse an die Bevölkerung hier weiter. Wir tragen zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei. Und wir sind ganz bestimmt nicht nur Gast in diesem Land, wir haben Pflichten und Rechte - und auch eine Verantwortung, daß dieser besonders schöne Fleck auf dieser Erde ebenso wie unser Globus insgesamt für unsere Nachfahren auch noch benutzbar und schön bleibt.
Wir wissen aber alle auch, daß aus Freiwilligkeit in der menschlichen Sozialgemeinschaft fast gar nichts geschieht. Der Mensch an sich ist bequem, interessiert sich vor allem für seinen eigenen Vorteil und die Maximierung seines persönlichen Lebenskomforts (das ist ja nicht verboten und auch weder besonders kanarisch noch besonders deutsch). Doch darum muß man die Sozialgemeinschaft gegen die eigennützigen Privatinteressen manchmal ein bißl in Schutz nehmen. Darum gibt's Regeln und da die auch nicht gern eingehalten werden, wenn sie die eigene Bequemlichkeit reduzieren, müssen sie oft mit Nachdruck (mit nachdrücklichem Griff in den Geldbeutel, da diese Sprache international verstanden wird), durchgesetzt werden. Und darin liegt eben auch wieder der Verantwortlichkeit eines Staates begründet, daß er die Reglementierung und Strafdimensionierung nicht übertreibt, andererseits die notwendigen Regeln auch tatsächlich durchsetzt, der eigenen Bevölkerung gegenüber ebenso konsequent wie den Gästen oder Residenten.
Immer wieder tönt's ja vollmundig durch die Gazetten: Integration, Verständnis für einander ist angesagt, die Kanaren als europäischen Extrem-Randlagen-Gebiet bekommen auch gigantische EU-Subventionen für die Realisierung ebendieser Integrationsprojekte. Auf der Straße und bei den Menschen, egal mit welchem Pass, kommt wenig an davon. Ich würde z.B. mal wirklich gern mit kanarischen politischen oder berufsgruppenspezifischen Größen an einem Runden Tisch sitzen, um unterschiedliche Sichtweisen und die jeweilige Wahrnehmung "durch die andere Seite" greif- und begreifbar zu machen.
"Was passt Euch an uns nicht - was passt uns an Euch nicht". Und was davon können wir selbst unmittelbar und nachhaltig ändern oder zumindest anschieben.
Ich denke, da sind einige hier im Forum, die da auch gern dran teilnähmen und sich tatsächlich wahrgenommen fühlen würden. editiert von: sanmiguel, 22.02.2007, 22:56 Uhr [addsig] |