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Alt 24.01.2007, 22:19
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sanmiguel sanmiguel ist offline
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Danke für einen wie von Dir gewohnt nachdenklichen und inhaltsreichen, interessanten Beitrag – auch, wie von Dir gewohnt, völlig ohne smilies. Es gibt ein anderes teneriffa-Forum (in dem Du und einige wenige von hier auch schreiben), das völlig ohne smilies auskommt und vielleicht u.a. deswegen bislang keinen einzigen „nonsens-Beitrag“ enthält.

Aber zurück zum Thema der häuslichen Gewalt. Ich denke, daß dieses Faktum, besser gesagt „Problem“ seit Jahrhunderten in jeder Gesellschaft, in jeder Nation, in jeder sozialen Schicht existiert. Mit steigender Emanzipation, Unabhängigkeit, Selbstbewußtsein, gesellschaftlichen Schutzmechanismen, auch aufgrund der Pressefreiheit und eines veränderten „Schamgefühls“ wird es nur eben mehr sichtbar. Und da ist eben ein gewisser Rückstand der süd- bzw. neu-europäischen Gesellschaften gegenüber den schon längere Zeit emanzipatorischen Bestrebungen ausgesetzten Staaten unverkennbar – auch wenn jetzt wieder einige Berufs-Kanarios gequält aufheulen werden.

Das eigentlich Tragische am hierzulande immer noch ausgeprägten „machismo“ ist m.E., daß ihm vor allem von den Müttern Vorschub geleistet wird, also ebendiesen Personen und „innerfamiliären Funktionärinnen“, die am stärksten darunter zu leiden haben. Ist es zu weit gegriffen, da eine Verhaltensprägung ähnlich wie bei den pawlowschen Hunden zu vermuten? Ich scheue mich nicht, zuzugeben, daß ich ab und an einen katholischen Gottesdienst besuche. Bei den katholischen Hauptfesten wie Ostern, Weihnachten etc. ist es in meinen Augen manchmal geradezu erschreckend, die 10-jährigen Kommunion- oder Firmkinder des jeweiligen Jahrgangs zu sehen, wie sie herausgeputzt in die Kirche getrieben werden. Die Mädchen natürlich puppenhaft verpackt, einzig bemüht, repräsentativer und „betüllter“ als die Klassenkameradin zu sein, die Jungs regelrecht kostümiert mit Goldlitzen und Schulterklappen auf zwar champagnerfarbenen, aber paramilitärisch anmutenden Uniformjackets. Und bereits diese „unschuldigen“ Jungs oft mit einem Blick, der genau sagt: ICH bin der Erstgeborene, mein Papa hat gesagt, daß ich der Beste bin und alles kann und darf, also kann und darf ich auch alles.“ Ich weiß es nur vom Hörensagen, aber der Umgangston des 10-jährigen kanarischen Erstgeborenen mit seiner Mutter ist wohl oft im höchsten Maße „unsozial“ und überraschenderweise kommt der Bengel auch noch durch damit. Am vergangenen Sonntag war bekanntlich die Fiesta San Sebastian in La Caleta und ich stand zufällig vor dem Kirchenportal in der Nähe des Spielmannszuges, der gerade Aufstellung nahm. Die Mutter eines teilnehmenden ca. 10-12 Jahre alten Jungen stand direkt neben mir, er vor ihr. Er wollte ihr eine leere Getränkeflasche übergeben, sie registrierte es nicht sofort, da sie sich erdreistete, ihn einige Sekunden nicht anzusehen – und da warf der Bengel ihr die leere Plastikflasche an den Kopf, gezielt! Sie hat es mit einer kleinen Bemerkung ohne weitere Konsequenzen akzeptiert und die Flasche vom Boden aufgehoben! Noch Fragen?

Wenn die kanarische Presse so gestrickt wäre wie die mitteleuropäische, und wenn die kanarischen Frauen so mutig an die Öffentlichkeit gehen würden wie ihre Geschlechtsgenossinen anderswo, dann hätte vermutlich jede Ausgabe 100 Seiten allein mit Berichten über die diesbezüglichen, alltäglichen Geschehnisse hier. Daß die fehlende Fähigkeit oder Bereitschaft zur verbalen Auseinandersetzung in der Sache bequem durch Agitation oder Polemik ersetzt wird, sieht man oftmals auch bereits in Forumsbeiträgen hier.

PS: Die Ausweitung des Themas auf den Umgang mit Kindern habe nicht ich hier eingeführt, aber es war natürlich zu erwarten, daß einige sich berufen fühlten, zwar nicht auf meine Fragen/Impulse zu antworten, aber mich irgendwie anzufauchen. Ich kann damit leben und all dies hilft dem künftigen Moderator, seine Gemeinde recht zuftreffend einschätzen zu können.