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Alt 18.01.2007, 23:16
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sanmiguel sanmiguel ist offline
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Santana, ich kann Dich beruhigen, Du bist meiner bescheidenen Meinung nach zumindest nicht im falschen Thread. Außerdem freu' ich mich, wieder mal was Sachliches und Nachvollziehbares von Dir zu lesen und daß der Dussel wohl doch zu langsam war oder Du sehr schnell sehr weit springen kannst...
Das Verkehrschaos hier ist hausgemacht, manchmal scheint's mir sogar vorsätzlich und böswillig. Eigentlich kann man als Verkehrsplaner (kein einziger estranjero dabei und wohl auch kaum einer vom Festland...) nicht so fachlich schlecht oder besoffen sein, diese Zerstörung des fließenden Verkehrs versehentlich zu planen - da muß System und Vorsatz dahinter stecken. Andererseits würde das aber wieder Aufmerksamkeit, Planung, Koordination erfordern... aber lassen wir das, ich seh' schon wieder Finger über Löschtasten schweben).
Zur Sache: was ist schuld an dem sich anbahnenden Verkehrskollaps?

1. Wie schon gesagt, die Verkehrsplanung, speziell die epidemieartig um sich greifende Kreisverkehritis und die bandas sonoras, "Rattermarken", die man tausendfach auf die Straßen nagelt. Eigentlich muß jeder durchschnittlich intelligente 10jährige kapieren, daß ein Kreisverkehr direkt in einer Autobahnausfahrt den Verkehr zuverlässig zum Erliegen bringt. Müsste, aber muß anscheinend nicht auf den Kanaren. Ähnliches gilt für die Rattermarken. Auf Küstenstraße von Autobahnende Adeje bis nach Los Gigantes wird z.B. an den Abzweigen Playa Paraiso und Callao Salvaje ein Kreisverkehr gebaut. Da man auch auf TF allmählich partiell dem Perfektionismus frönt, nagelt man auf den letzten 100 m davor 3 aufeinanderfolgende Rattermarken auf die Straße. Natürlich wird ein Element rausgelassen, damit die unbehelmten "Affenartigen" auf ihren scootern sich nicht die Lippen zerbeißen, wenn sie mit 80 da durchlöten, aber Dein zweispuriger Vordermann steigt u.U. brutal (und für den erstmals dort Nachfolgenden unvermutet) voll in die Eisen. Mit dem Ergebnis, daß der eigentlich normal fließende Verkehr ab dem Kreisverkehr am Autobahnende fast steht.
Ich hab' ja jedes Verständnis, daß Mensch Fehler macht (hab' selbst genug gemacht in meinem Leben, aber die meisten halt nur einmal). Aber man müsste eigentlich die innere Größe haben können, zu erkennen "o.k., war gut gedacht, ging aber in die Hosen" und mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen ab nächster Woche sich anders zu verhalten/anders zu planen. Anscheinend funktioniert das hier nicht... In meinen Augen sind die Hauptschuldigen ganz klar die einheimischen Verkehrsplaner.
Ein sauteuerer, umweltzerstörender "Hit" in diesem Zusammenhang ist der dreispurige Ausbau der Südautobahn, u.a. mit der Begründung, die allmorgendlichen Staus nach Santa Cruz (ab Arafo) würden sich verringern? Wie doof muß man eigentlich sein, um das zu glauben? Wie unverschämt muß man sein, um derartiges zu äußern? Der Stau wird dadurch vielleicht um ein paar km kürzer, aber keinesfalls kommt man schneller in die Stadt, weil das eigentliche Problem, nämlich, daß der komplette Autobahnverkehr an einer Ampel endet, nicht behoben wird.
Ich will Euch nicht mit weiteren Petitessen in diesem Stile langweilen, aber es ließe sich ein Buch damit füllen. Ach ja, einer geht noch: in Puerto de la Cruz gab's jahrelang, zumindest noch bis 2006, eine Sackgasse, die gleichzeitig Einbahnstraße war... Ich war 2006 letztmals in dieser Ecke und muß gestehen, daß ich keine Skelette am Sackgassenende verhungerter Gesetzestreuer gesehen habe, die sich einfach nicht zurückfahren trauten. Wäre ja an sich ein leichtes für das Ayuntamiento, die "mißverständliche" Beschilderung zu ändern, nachdem ja schon die ganze Insel drüber lachte und es also sogar in den Amtsstuben hätte angekommen sein müssen...

2. Geteiltes Leid ist halbes Leid, also nehmen wir doch noch wen an Bord des "Verantwortlichen-Dampfers". Richtig - der real existierende Canario als Autofahrer tut auch sein Bestes, keinen Verkehr zu haben - oder zumindest nur langsamen. "Vorausschauendes Fahren", "Mitdenken" - wir doch nicht! "Einordnen beim Linksabbiegen, ha, da lach' ich doch! Könnte ja jemand rechts vorbeifahren an mir!" Sollen doch alle hinter mir anhalten und warten, bis mir eine Lücke im Gegenverkehr groß genug erscheint, meine Fahrbahn frei zu machen.
Wer links blinkt, will meist nicht links abbiegen (das würde er ja nicht ankündigen), sondern er bremst gerade. Wer rechts blinkt, ist jedenfalls kein Canario.
Zu den verfassungsmäßig verankerten Grundrechten des Canario scheint die permanente Benutzung der linken Spur auf der Autopista ebenso zu gehören wie das völlig rücksichtslose, manchmal schon kriminelle gnadenlose Einfahren in die Autobahn selbst. Der auf der rechten Spur (wahrscheinlich eh' "keiner von uns" - siehe vorher) wird schon nach links ziehen und der auf der linken Spur soll sich dann halt in Luft auflösen...

3. Und, sozusagen als die Prise "politischer Korrektheit", sind natürlich auch die Touris "Verkehrsbremsen". Die Autovermieter würde ich jetzt nicht sosehr anfauchen, sie tun ja nichts anderes als z.B. die Angestellten des Ayuntamiento de Adeje, die morgens als erste eintreffend alle Parkplätze in der Calle Grande, direkt vorm Rathaus, zuparken (vermutlich gibt's auch nur deshalb überhaupt noch diese Parkplätze, damit sich Hr. Fraga nicht mit dem Zorn seiner empleados herumschlagen muss..). Von der segensreichen Wirkung von Kurzparkzonen oder Parkuhren hat man auf TF scheinbar noch nie was gehört.
O.K., zurück zu den Touris. Sind ja auch arme Schweine: unbekanntes Auto, unbekanntes Terrain, 2 quängelnde Gören hintendrin und "Gattin mit Kopfschmerzen" nebendran, und dann auch noch dorthin finden, wo man eigentlich hin wollte. Bei der real existierenden Beschilderung eigentlich aussichtslos, sogar Einheimische verfahren sich auf TF, wenn sie mal in die Hauptstadt müssen. Womit der Ball doch wieder ganz elegant an die lokale und regionale Verkehrsplanung auf TF abgespielt wäre, ätsch.

4. Der Mobilitätswahn im Allgemeinen. M.E. muß man nicht jeden qm dieser schönen Insel mit dem Auto erreichen können. Gilt vor allem für die touristischen Zonen im Süden. Wenn es politisch gewollt ist, Verkehrsraum zu reduzieren (was ja ganz klar gemacht wird in jedem Ort hier), dann muß man den Individualverkehr daran hindert, dort überhaupt reinzufahren, wo er nur mit Mühe wieder rauskommt. Und man muß Alternativen anbieten, z.B. einen im gehobenen Schrittempo verkehrenden kostenfreien Shuttle-Bus. Funktioniert in Holland ganz hervorragend, dort haben die Innenstadt-Busse z.T. nicht einmal feste Haltestellen, sondern halten auf Handzeichen.
Wer partout in diese Zonen reinwill oder -muß, muß halt zahlen. Funktioniert nach anfänglichen Widerständen z.B. in Bologna mittlerweile reibungslos und steht in London kurz vor der Einführung.
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