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Alt 11.12.2006, 00:02
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Im Spätsommer gingen Tausende Hektar des indonesischen Regenwaldes in Flammen auf. Schon seit fast 20 Jahren brennen die Torfregenwälder Südostasiens etwa alle zwei bis drei Jahre. Und es sind nicht nur die Wälder, die verbrennen, die Torfböden, auf dehnen sie wachsen, verkohlen meistens gleich mit. Obwohl dadurch enorme Mengen an CO2 in die Atmosphäre strömen, bleibt das Problem von der Weltöffentlichkeit unbeachtet. Neue Satellitentechnik könnte das ändern.

Durch eine der größten Feuerkatastrophen in Indonesien in den Jahren 1997/98 wurden allein zwischen 15 und 40 Prozent des jährlich weltweit durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe produzierten CO2 freigesetzt, errechneten Wissenschaftler in "Nature". Ein indonesisch-europäisches Team um Professor Florian Siegert von der Ludwig-Maximilian-Universität in München untersucht die Ursachen und Folgen der Waldbrände schon seit 1995. Sie fanden heraus, daß die Feuer in Torfwäldern wesentlich zur Erwärmung des Erdklimas beitragen. Die mächtigen Torfflöze, auf denen die Wälder wachsen, bestehen fast ausschließlich aus Biomasse. Darin sind riesige Mengen von Kohlenstoff gespeichert, der beim Verbrennen als Kohlendioxid in die Atmosphäre entweicht. Allein bei den Bränden 1997/98 stieg etwa zehnmal soviel CO2 in die Atmosphäre, wie Deutschland in den letzten Jahren mit Milliardenaufwand eingespart hat.

Die Menge der verbrannten Biomasse haben die Forscher bestimmt, indem sie die Dicke der verbrannten Torfschicht mit den durch Satellitenbilder dokumentierten Brandflächen verrechnet haben. Die indonesischen Behörden machen ausschließlich die Dürreperioden in El-Niño-Jahren für die Waldbrände verantwortlich. Siegert ist anderer Meinung: "Obwohl die großen Torfwaldbrände immer parallel zu einem starken El-Niño-Jahr stattfinden, kann man auf den Satellitenfotos eindeutig erkennen, daß die größten Brandschäden in unmittelbarer Nähe zu den Rodungsflächen und Entwässerungsgräben liegen", sagt der Ökologe. "Und diese wurden hauptsächlich zur Holzgewinnung und zur Trockenlegung der Torfsümpfe für den Reisanbau angelegt." Das Problem ist also von Menschenhand gemacht. Die Bodenfeuchtigkeit im natürlichen Regenwald ist viel zu hoch, als daß der Torfboden Feuer fangen kann.

Die temporären Spitzen in der seit 1952 ansteigenden, globalen CO2-Kurve zeigen, daß neben der industriellen Verschmutzung in den letzten Jahren die Waldbrände eine wichtige Ursache für die Verstärkung des globalen Treibhauseffektes sind. Laut Siegert sind die enorm hohen Spitzen des CO2-Ausstoßes im Januar 1998 sowie in den Jahren 2002 und 2003 wahrscheinlich auf die indonesischen Torfwaldbrände zurückzuführen.

"Es wird massiver internationaler Anstrengungen bedürfen, damit die tropischen Torfwälder Südostasiens in den nächsten Jahren nicht vollständig in Rauch aufgehen", sagt Siegert. Doch dieses Ziel sei zumindest momentan nicht in Sicht. Auf indonesischer Seite fehlten, so Siegert, die politischen Voraussetzungen für den Erfolg. Der Regierung mangele es an dem Willen, die Rodungsunternehmen zu behindern, die hohe Profite aus dem Tropenholzhandel zögen. "Wenn wir aber mit unserem technologischen Wissen nicht helfen, die Waldbrände zu kontrollieren, verbessert sich die Situation natürlich auch nicht", meint Siegert. Deswegen hat er sich auch schon einen Ausweg ausgedacht: "Man sollte über Ausgleichszahlungen für die Erhaltung der Torfwälder an die indonesische Seite nachdenken. Außerdem müssen wir daran arbeiten, daß die tropischen Regenwälder im Kyoto-Protokoll aufgenommen werden. Das Problem ist von zu großer globaler Bedeutung, als daß wir es einfach ignorieren können."




editiert von: Pebble71, 11.12.2006, 01:05 Uhr [addsig]
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