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Alt 03.12.2006, 01:24
Franco Franco ist offline
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Ganz ehrlich, SanMiguel, CHAPEU für diesen feinen und intelligenten Beitrag, den in von A bis Z unterschreiben möchte und in dem dies hier für mich die Kernaussage ist:

Zitat:
Zitat von sanmiguel
Die kanarischen Inseln sind viel zu schön, um sie durch Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit einfach verrecken zu lassen. Es ist unsere Aufgabe und moralische Verpflichtung, die Kenntnisse und Erfahrungen, die wir aus unseren Heimatländern mitbringen, hier anzuwenden. Und wenn's nur das Stellen unbequemer Fragen ist.
Respekt und ein gebührend Maß an Anpassung ans Gastland ist EINE Sache, eine sehr wichtige und unabdingbare, wie ich überzeugtermaßen meine.

Aber wir sollten trotz alledem immer die Augen aufhalten und offenkundige Mißstände hinterfragen, noch dazu wenn sie ganz offensichtlich sind und auf der Hand liegen.
Ich möchte sogar sagen, daß es geradezu unsere Pflicht ist, wenn wir tatsächlich die Islas als unsere Heimat, unseren Lebensmittelpunkt betrachen und lieben, sie vor Negativem zu bewahren.

Die Canarios mag ich sehr, ich bin mit einer Canaria leiert und auch sonst bestehen mind. 80% meines engeren Bekanntenkreises aus Einheimischen und nicht aus "Zugereisten".
Trotzdem (oder gerade deshalb) gestatte ich mir aber den Luxus der Kritik, wenn ich es für angebracht halte.

Ansatzpunkte gibts genügend: Bausünden, Korruptionsskandale, Raubbau mit der Umwelt, Defizite im Dienstleistungssektor oder Pfusch im professionellen Handwerk.

Wenn man länger hier lebt, bekommt man zwangsläufig (nicht zuletzt durch mehr Sprachkenntnisse und somit tieferes Eintauchen ins soziale Miteinander) einen anderen, einen erweiterten Blickwinkel und sieht mehr hinter die Kulissen, als es dem kurz verweilendn Urlauber möglich ist.

Nurmal so am Rande und last but not least:
Ein beliebtes Argument der Einheimischen bei Kritik ist ja bekanntlich "wenns Euch hier nicht paßt, dann verschwindet doch wieder, Ihr solltet Euch ohnehin nicht so einmischen und alles besser wissen, die Inseln gehören schließlich immer noch uns und nicht den mitteleuropäischen Invasoren".
Da bereitet es mir immer diebische Freude, meine Spezies daran zu erinnern, daß sie Morales, Hernandez oder Gonzales mit Nachnamen heißen und dies wohl kaum ein Hinweis auf einen Guanchen-Stammbaum ist.
Im Klartext: Sie sind letztlich auch nur Nachkommen von "Zugereisten" bzw. "Invasoren", nämlich der span. Conquistadores, die wohl kaum die Guanchen um Zustimmung gebeten hatten, als sie die Islas in teilweise blutigen Kämpfen fürs christliche Abendland in Besitz nahmen und viele Ureinwohner dann auf dem Sklavenmarkt verscherbelten.
Das Resultat ist dann meist bedenkliches, zustimmendes, schweigendes Kopfnicken mit einem verhalten-verschmitztem Lächeln im Augenwinkel, so als hätte man einen mit erhobenem Zeigefinger dastehenden Moralisten an seine eigenen Jugendsünden erinnert ... :-D

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editiert von: Franco, 03.12.2006, 02:28 Uhr [addsig]