Very seltsam: da gab's mal das genannte Thema, aber ich find's nirgends mehr. Kann sein, daß ich zu schusselig bin, es in der mittlerweile sehr zeitraubend unübersichtlichen Struktur wiederzufinden (Bitte an den admin: schenk' uns eine Gesamt-Themenliste, auf daß wir wieder heimfinden...), oder es wurde irgendwo integriert, wo's endgültig nicht mehr zu finden ist. Dann gab's noch das Thema: "Canarische Inseln, was ist anders als in D", aber das wurde leider abgemurkst, gerade als es in Form einer "Mitgliederbereinigung" segensreich wirksam wurde.
Es tut mir leid, aber ich muß ein neues Thema eröffnen, dem hoffentlich die vorgenannten Schicksale erspart bleiben.
Also, Yanne und Zauby und wahrscheinlich viele nicht aktiv in Erscheinung tretende Mitleser hier wundern sich, warum manche sachlichen Beiträge so negativ sind. Und daß man doch wissen müsse, daß man in ein anderes Land, einen anderen Kulturkreis kommt. Und daß dort alles vorhandene zu akzeptieren sei, weil aus sich selbst heraus richtig. Ich hab' das alles jetzt ein bißl verdichtet, aber hoffentlich nicht sinnenstellend.
Ihr habt mich wirklich nachdenklich gemacht, zumal ich wohl einer derer bin, die z.T. mit beißender Häme in irgendwelche Wespennester hinein stechen. Unausgesprochene Frage: warum bin ich denn überhaupt da (und vor allem: warum will ich noch ganz viel länger da bleiben...) wenn ich so viel Kritikwürdiges finde?
Ganz einfach: es gefällt mir summa summarum wirklich gut hier, vieles ist besser als in den Ländern Mitteleuropas oder auch USA oder Emirate. Ich hab' 20 Jahre lang einige Reisepässe verbraucht mit Visa, war in so exotischen Ländern wie Iran (da saß ich 8 Tage im Ex-Hilton im Hausarrest, MAN jammert wohl heute noch über die Zeche, die wir da zwangsläufig gemacht haben), in Lybien bei Ghadafi (der wollte Omnibusse mit Rot-Kreuz-Beschriftung als Truppentransporter), hab' in Saudi-Arabien 2 Busfahrer-Ausbildungszentren hochgefahren, in den USA für einen dt. Bushersteller fast 500 Leute interviewt/eingestellt, war privat auf den Malediven und in Sumatra und natürlich in allen europäischen Ländern. Zwischen 1986 und 2001 war ich 35x auf Teneriffa, als Urlauber als auch in Geschäften. Und hab' nach der Wende 6 Jahre lang in Dresden gelebt und gearbeitet... Ergebnis meiner "globalen" Erkenntnisse: es gibt keinen besseren Platz zum Relaxen/Alt werden oder sein (Achtung: von "arbeiten" hab' ich nix gesagt), als Teneriffa, wenn Du in Europa bleiben willst. Was für Europäer nicht die falscheste Entscheidung sein muß...
Warum schreib' ich dann trotzdem manchmal so "häßlich" über Teneriffa und die Tinerfeños? Weil mich der weit klaffende Unterschied zwischen "Behauptung" und "Realität" so anpiept! Weil ich Dinge und Verhaltensweisen nicht vergessen möchte und kann, die ich aus den zivilisierten Ländern als positiv oder nützlich kennen gelernt habe. Z.B. den sorgsamen Umgang mit Energie oder Abfall. Daß das Interesse für seine eigenen Kinder sich nicht in der Auswahl möglichst vieler möglichst großer möglichst bunt blinkender und kreischender Geschenke erschöpfen sollte. Daß touristische oder gastronomische Qualität sich nicht in der durchgehenden Beleuchtung der Südautobahn manifestiert, sondern in Aufmerksamkeit/ Konzentration von Kellnern, gefahrlos zu benutzenden Gehwegen, leidlich höflichen Taxifahrern.
All das sind Punkte, wo die Realität der Behauptung offizieller Stellen auf Teneriffa weit hinterher hinkt. Soll man da die Augen zumachen? Nur weil das hier halt immer so war? Die katholische Kirche hat die Inquisition auch nicht aus eigener Erkenntnis aufgegeben, die Anschnallquote in europäischen Autos wäre heute immer noch unter 40 %, es gäbe immer noch keine Katalysatoren in Autos oder Filter in Industrieanlagen, mancher Skandal und schamlose Bereicherung in Politik und Wirtschaft würde noch immer nicht aufgedeckt, wenn wir immer und allüberall sagen würden: "ist halt so".
Die kanarischen Inseln sind viel zu schön, um sie durch Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit einfach verrecken zu lassen. Es ist unsere Aufgabe und moralische Verpflichtung, die Kenntnisse und Erfahrungen, die wir aus unseren Heimatländern mitbringen, hier anzuwenden. Und wenn's nur das Stellen unbequemer Fragen ist. All das ist nicht sonderlich einfach und man macht sich logischerweise auch nicht so arg viele Freunde damit (kein Wunder, daß der Zustand und das Selbstwertgefühl der offiziellen Medien hier kaum besser ist als in Weißrußland...). Vergeßt nicht, daß die "demokratische Erfahrung" Spaniens wohlwollend gerechnet 25 Jahre beträgt, also 1 Generation (der Diktator Franco hat sich 1975 von Spanien und der Welt verabschiedet).
War jetzt ein kleiner, aber m.E. nicht verzichtbarer Exkurs für die Ausgangsfrage: Teneriffa - Pro und Contra.
Für mich gibt's viel mehr Pro als Contra, oft allerdings aus Gründen, für die die Tinerfeños nicht verantwortlich sind (z.B. das Wetter), aber deshalb sehe ich mich noch lang nicht genötigt, einfach alles hier gut und alle hier als lieb zu empfinden. Manches aber doch - und ich hoffe, daß es mit jedem Jahr mehr wird... |