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Alt 30.11.2006, 23:08
ThoThe ThoThe ist offline
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ThoThe befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Fragen, Fragen – ja, danke für das Interesse, aber wo soll ich anfangen?

Also angefangen hat es eigentlich 1983 als ich, wegen Liebeskummer, ein Segeltörn gebucht habe. Bis dahin dachte ich, Hochseesegeln sei nur etwas für Multimillionäre und erfuhr nun staunend und zufällig, dass es nicht teurer ist als Töpfern in der Toscana oder Meditieren im Kuhstall. Und nach zwei Wochen auf einem Segelboot in Griechenland wollte ich bereits für immer so leben.

Was natürlich damals noch völlig unmöglich gewesen wäre. Erst dreizehn Jahre und ein paar tausend Seemeilen später wurde ich endlich, völlig unerwartet, Frührentner. Kurz darauf kauften wir eine gebrauchte Segelyacht (für Kenner: Amel Sharki, 12 Meter, Ketch).

Therese hat aber noch gearbeitet und – noch dümmer – gerne gearbeitet und wir hatten ein Häuschen 25 Kilometer von Zürich. Nehmen wir an, sie kündigt ihre Stelle, wir verkaufen das Haus und sie stellt nach einigen Monaten auf dem Boot fest, dass sie tod unglücklich ist. Was machen wir dann?! Der Familienrat hatte eine gute Idee: Probezeit. Die nächsten zwei Sommer nahm sie unbezahlten Urlaub und wir segelten jeweils drei Monate in der Adria, vorwiegend Kroatien, herum. Und dann war sie auch soweit.

Ende Juni 1999 hatten wir beide keine Stelle mehr, kein Haus, kein Auto, keinen Fernseher, kein Telefon, nicht einmal eine feste Adresse. Und keine neutralen Beobachter unter den Freunden, Verwandten, Bekannten. Die einen sagten: Ihr spinnt wohl! Also das könnte ich nie! Die anderen: Mensch! Toll! Das würde ich auch gern!

Und jetzt wirds schwierig. Entweder schreibe ich ein paar nüchterne Daten oder ein dickes Buch. Beides könnte langweilig werden. Es ist nämlich so: Langzeitsegler sind ganz normale Menschen, die einige Jahre – manche zwei, andere zwanzig – auf einem Segelboot leben. Einige wenige segeln um die Welt, das sind aber die Ausnahmen; die meisten, wie wir, glauben auch so, dass sie rund ist. Im Sommer ist man normalerweise unterwegs. Im Winter, wo es auch im „sonnigen Süden” feucht und kühl und dunkel und stürmisch ist, stationär in einem gut geschützten Hafen. Wir verbrachten unsere Winter in:

1999-00 Monastir, Tunesien
2000-01 Palma de Mallorca
2001-02 Cagliari, Sardinien
2002-03 Aguadulce, Andalusien
2003-04 Lagos, Algarve
2004-05 Santa Cruz de Tenerife

Unterwegs zu sein mit einem Segelboot, bei gutem Wind – nicht zu wenig aber gar nicht zu viel – ist einmalig schön. Aber das wirklich schöne an diesem Leben waren die Menschen, andere Segler und Seglerinnen, die wir kennenlernten. Mit denen wir ein paar Stunden oder auch ein paar Monate zusammen verbringen durften. Das traurige dabei: irgendwann wirft man die Leinen los – und sieht sich nie wieder. Aber, in diesen sechs Jahren, entstanden doch mehrere Freundschaften für das ganze restliche Leben. Während meinen 21 Jahren an meiner letzten Arbeitsstelle entstand eine einzige richtige Freundschaft. Es muss also schon etwas spezielles an diesem Seezigeunerleben sein – aber was genau, lässt sich nicht so ohne weiteres definieren.

Falls weiterhin Interesse besteht, kann ich das nächstemal vielleicht anfangen, wahllos einige Episoden zu erzählen – und schauen, wo uns das hinbringt.

Liebe Grüsse
Thomas