Hallo Andrea,
Deine Absicht, eine Pfälzer Bäckerei/Conditorei im Raum Adeje zu eröffnen, ist löblich, aber verspricht schwierig zu werden. Warum?
Wir haben in Las Chafiras 3 dt. Bäckereien (davon eine dem Zivilpublikum praktisch unbekannt, da sie keinen Straßenverkauf hat, sondern nur an gewerbliche Großabnehmer liefert, dann eben die schon mehrfach zitierte Dinkelbäckerei (neuer Besitzer seit Sommer 2006) und Ex-Pastcropan, ebenfalls im Sommer "umfirmiert". Dazu noch einige ganz beachtliche Konditoreien, hauptsächlich Belgier und Franzosen. Der Markt ist hart und der hauptsächlich auf deutsche Kunden gestützte noch härter, da diese meist der "Geiz ist geil"-Mentalität frönen ("das hab' ich aber im Internet schon für € 1,88 gefunden, was Ihr hier für € 2.50 lostreten wollt"). Und mit dieser Erkenntnis dann den Laden in ihrem gesamten Bekanntenkreis madig machen, "weil die sich ja nur schnell die dicke Marie verdienen wollen".
Qualität wird leider immer weniger honoriert, das eigentlich faszinierende heute ist "die niedrige Zahl". Natürlich gibt's auch noch die Qualitätsbewußten, aber ihre Zahl ist derart gering, daß man kaum davon leben oder erhebliche betriebliche Investitionen darauf aufbauen kann.
Im Norden gibt's immer noch deutlich mehr deutschsprachige Residenten als im Süden, aber verlaß' Dich nicht auf ein großes Einkaufsvolumen dieser Sprachgruppe. Gar nicht so selten müssen diese nämlich wirklich auch jeden Groschen umdrehen und kaufen nur das Nötigste. Also z.B. die Frühstücksbrötchen, aber mit dem nachmittäglichen Pflaumenkuchen wird's schon eng... Und Touris fallen als zählbare Kundengruppe völlig aus. Da müsstest Du Deinen Laden schon in einer der einschlägigen Lauflagen haben und die sind wiederum so teuer, daß Du einfach Umsatz machen musst - liebevoll detaillierte Qualität hat da keinen Platz mehr.
Alles Gewerbliche heute ist ein Wirkmechanismus. Es gibt nur das, was wirklich in Mengen nachgefragt wird. Und was es (noch) nicht gibt, hat's oft schon mal gegeben, irgendjemand hat sich ordenlich die Nase angerannt damit, aber der Markt hat's halt nicht angenommen - d.h. nicht in ausreichender Menge ausreichend regelmäßig ausreichend viel bezahlt dafür.
Der von Dir vorgesehene Standort Adeje könnte gut sein, aber verlaß' Dich nicht allein auf die deutsche Sprachgruppe. Biete Produkte vor allem auch für den englischen/skandinavischen Sprachraum an, da ist man bei weitem nicht so preissensibel und "made by Germans" hat auch da einen guten Ruf. Und Du musst Dein wirtschaftliches Glück hauptsächlich im gewerblichen GA-Bereich suchen, der Straßenverkauf kann Dich nicht stabil tragen.
Eine bessere Werbung als es die bislang etablierten Betriebe machen und neue Vertriebsformen (z.B. Bestellung per Internet mit Zustelldienst 2x pro Woche) könnte auch nützlich sein.
Es ist übrigens nicht so, daß exzellente Qualität nicht auch hochpreisig bezahlt würde, die Pastelería "El Adorno" in Buenavista del Norte ist berühmt weit über die Kanaren und sogar über Spanien hinaus, selbst der span. König nascht sehr gern deren Leckerli. Aber das hat auch lange gedauert, bis die soweit waren (heute immerhin 4 Filialbetriebe im Nordwesten Teneriffas) und sie verkaufen hauptsächlich an Einheimische.
Kleine Idee am Rande: frag' doch mal den Wolfgang Creter (Delicias del Sol, Tel. 922 851 385, die verkaufen exzellente Marmeladen und Gewürze "handgestreichelt" zu angemessen (sehr) hohen Preisen nach seinen Erfahrungen mit dem Kaufverhalten diverser Zielgruppen und - grüppchen hier im Südwesten der Insel.
Und dann viel Spaß! Viel Geld und Geduld mitbringen nicht vergessen für den Start auf der Insel. Und good luck. |