Thema: umweltschutz
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Alt 15.10.2006, 00:59
Franco Franco ist offline
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Hallo Leute,
freut mich sehr, daß Umwewlt-Themen hier Beachtung finden.

Lest Euch mal bitte auch den folgenden Beitrag durch, da geht es um die Wale und Delfine DIREKT vor unserer/Eurer Haustür.

Wale und Delfine in kanarischen Gewässern

Viele, die auf den Kanaren urlauben oder auch hier wohnen, wissen es gar nicht: quasi direkt vor der Haustür befindet sich eines der artenreichsten und dichtbesidelsten Reviere für Meeressäugetiere weltweit, insbesondere im Bereich zwischen Teneriffa und Gomera sowie in den Gewässern vor El Hierro.
Wir finden hier über 20 verschiedene Arten, darunter auch so seltene Genossen wie den sog. Rauhzahndelfin. Am meisten verbreitet sind der gemeine Delfin (delfín común), der Streifendelfin (delfín listado - diese verspielten Gesellen sieht man öfter mit etwas Glück über die Bugwellen der zwischen den Inseln verkehrenden Fähren springen), der große Tümmler (delfín mular - auch diese Kameraden sind äußerst verspielt und neugierig, scheuen den Kontakt zum Menschen keineswegs und wenn sie mit ihren ausgewachsenen 4m daherkommen, hält sie so mancher gar für einen Wal), ferner treffen wir den tropischen Kurzflossengrindwal bzw. Pilotwal (calderón tropical, ballena piloto) sowie, besonders typisch für dieses Gebiet, die Breit- bzw. Edenwale sowie die sog. "Zifios", die Schnabelwale.
Neben den fest beheimateten Spezies schauen auch regelmäßig viel größere Brocken auf ihren Reisen durch die Weltmeere vorbei, z.B. relativ häufig der Pottwal (cachalote). Auch werden regelmäßig Orcas (Schwertwale) und sogar hin und wieder Blauwale gesichtet.
Kein Wunder also, daß die kanarischen Gewässer ein Eldorado für Cetaceen-Forscherteams aus aller Herren Länder und Whale Watcher darstellen. Aber so schön die Tatsache ist, daß wir es hier mit einem der wenigen weltweit verbleibenden Paradiese für Meeressäuger zu tun haben, so gilt es unbedingt auf diverse Fakten hinzuweisen, die den Bestand der heimischen Wale erheblich gefärden.

Seitdem alle kanarischen Schiffahrtslinien immer mehr auf Schnellfähren, Hydro- und Jetfoils setzen und step by step die alten langsameren Schiffe ausmustern, steigt die Zahl der Kollisionen mit Walen dramatisch an. Die Problematik wird zwar nur allzugerne von den Betreibergesellschaften heruntergespielt bzw. totgeschwiegen, jedoch gibt es eindeutige Statistiken mit der traurigen Bilanz von mindestens 20 getöteten Walen jährlich, wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich erheblich höher liegt. Hierbei sollte nicht vergessen werden, daß diese stetige Kollisionsgefahr nicht nur die Tiere selbst, sondern selbstverständlich auch die an Bord befindlichen Passagiere betrifft, die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit der Schnellfähren beträgt um die 45 Knoten, also ca. 80 km/h.

Eine weitere Gefahr geht von den regelmäßig durchgeführten Seemanövern der NATO aus, die infolge der strategisch günstigen Lage oftmals nahe der Kanarischen Inseln stattfinden. Man weiß schon seit Jahren (eine interne NATO-Studie belegt dies übrigens ebenfalls), daß die bei der U-Boot-Ortung angewandte Halbfrequenztechnik der Schiffs-Sonars katastrophale Auswirkungen auf das sensible, ebenfalls auf Akkustik basierende Orientierungssystem der Wale hat. Die Folge sind Einzel- oder in schlimmen Fällen Massenstrandungen von Walen, wenn die Leittiere einer Gruppe (der sog. "Pods") die Orientierung verlieren. Die sodann oftmals schnell und hastig eingeleiteten Rettungsaktionen sind nur selten von Erfolg gekrönt und die Tiere verenden qualvoll durch Austrocknung ihrer äußerst empfindlichen Haut bzw. durch Verletzungen, die sie sich durch ihr Eigengewicht an Land zufügen.

Für Menschen, die der von diesen Lebewesen ausgehenden Faszination verfallen sind und sich dem Schutz der Wale und Delfine verschrieben haben, sind solche Meldungen einfach nur unsagbar grausam und schmerzlich, fühlt man sich doch nur allzu oft absolut hilf- und machtlos sowie, da ja letztendlich diese Massaker von Menschen verursacht wurden, auch schuldig.
SCHULDIG macht sich jedoch auch jeder, der den eigenen Egoismus und die eigene Neugier über den Respekt vor der Intimsphäre dieser Meeresbewohner stellt, womit wir beim 3. Problemthema wären, den Walbeobachtungstouren. Leider wird das Whale Watching nicht von allen professionellen Anbietern mit dem nötigen Verantwortungsbewußtsein betrieben und die hohe Anzahl von Beobachtungsbooten, vor allem im Süden von Teneriffa, führt zu einem derart hohen Konkurrenzdruck, der manchen Skipper zur Mißachtung der bestehenden Richtlinien (Annäherungsgeschwindigkeit, -abstand und Verweildauer) verleitet.
Da wir auf den Kanaren gewissermaßen ganzjährig Saison haben, bedeutet dies eben auch ganzjährigen Dauerstress für die hier ansässigen Meeressäuger, deren Population gemäß jüngster Studien in den letzten Jahren nicht zuletzt auch deswegen drastisch sank. Ein Wal braucht während seiner Auftauchphasen dringend seine Ruhe, denn diese dienen nicht nur zum Luftholen sondern auch zum Ausruhen nach seinen Tauch- bzw. Jagdphasen, die ihn bei der Nahrungssuche nicht selten in Tiefen bis zu 1000m führen. Ferner finden viele wichtige Sozialverhalten zw. den Tieren einer Gruppe (Säugen von Jungtieren, Paarung etc.) in Oberflächennähe statt, nur leider ist der Wal eben nur dann sichtbar und somit für die Whale Watcher interessant. Nur um die Dimensionen zu verdeutlichen: eine Zahl von ca. 700.000 Beobachtern jährlich steht etwa 400 fest hier beheimateten Walen gegenüber.
Die beste Möglichkeit, diesen Gegebenheiten entgegenzuwirken, hat der Konsument dieser Beobachtungstouren selbst, indem er schlicht die grauen Schafe unter den Anbietern meidet. Es ist nicht schwer, diesbezüglich die Spreu vom Weizen zu trennen. Man stelle einige fundierte Fragen zur Meeresbiologie der Wale und lausche der Qualität der jeweiligen Antworten. Sind diese nicht zufriedenstellend, sollte man Abstand nehmen und lieber auf die Tour verzichten.

Gewissenhaftes Whale Watching betreibt schon seit Jahren der Verein M.E.E.R e.V. auf La Gomera. Für detaillierte Information besuche man deren Website www.m-e-e-r.de, die äußerst ansprechend und informativ gestaltet ist. Der Verein bietet auch sog. "Patenschaften" sowie sonstige Alternativen für Menschen, die sich aktiv engagieren möchten.
Weitere empfehlenswerte themenbezogene Websites sind www.wale-info.de sowie www.cetacea.de.

Franco

Erschienen in InfoCanarias Nr. 764 vom 22.12.2005 (www.infocanarias.com)

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