Thema: umweltschutz
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Alt 12.10.2006, 22:58
Franco Franco ist offline
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Thema Umwelt- und Tierschutz:

Es gibt mittlerweile auf den Kanaren 3 "Unterwasserschutzparks".
Die Reservas Marinas sind vor La Palma, vor Lanzarote und hier auf Hierro feierte die Reserva Marina vor ein paar Tagen ihr 10-jähriges Bestehen.

Für Tenerife wäre das ebenfalls empfehlenswert.
Details in einem Artikel von mir, der vor einiger Zeit in Info Canarias erschien.

Reserva Marina - was ist das eigentlich?

Die Reserva Marina Mar de Las Calmas besteht seit 10 Jahren, wurde 1996 ins Leben gerufen und ist, trotzdem immer noch von einigen Fischern argwöhnisch beobachtet und skeptisch beurteilt, mittlerweile eine feste Institution sowie nicht zuletzt ein Grund dafür, daß der Insel El Hierro von der UNESCO das Prädikat "Weltbiosphären-Reservat" verliehen wurde.

Der Unterwasserschutzpark basiert auf der Grundidee, gewissen einheimischen Meeresbewohnern ein Regenerations- und Rückzugsgebiet zu schaffen, wo sie sich ungestört von professioneller oder freizeitmäßiger Fischerei sowie "Unterwasser-Tourismus" entwickeln und vermehren können.

Typische Beispiele für diese schützenswerten Spezies sind die Vieja (Papageienfisch), die Cabrilla (Säge- bzw. Ziegenbarsch), der Mero (Zackenbarsch), der Abade (Makronesen-Zackenbarsch) und der Alfonsiño (Catalufa, Glasauge) sowie eine Vielzahl endemischer Krustentiere wie die Langosta Herreña (panuliris echinatus).

Die Reserva hat die Form eines Rechteckes bzw. Trapezes und erstreckt sich ca. 1 km tief meereinwärts vom Pto. de La Restinga (27° 38,3' N, 17° 58,6' W) etwa 7,5 km längs der Südküste bis zur Pta. Lajas del Lance (27° 40,7' N, 18° 1,8' W), grob gesagt von La Restinga bis etwas hinter Tacoron, woraus sich eine Ausdehnung von 750 Hektar ergibt. Die exakten Längen- und Breitenangaben konnte ich mir nicht verkneifen, denn es gilt endlich einmal gründlich aufzuräumen mit in der sog. "Fachliteratur" (auch von mir sonst sehr geschätzten Autoren) fälschlich verbreiteten Daten.

Das Schutzzone gliedert sich in 5 Segmente. Die sog. "Zona integral con maxima protección" (Zone A) bildet das Herzstück im Zentrum und befindet sich in der Bahia de Naos, vom Roque de Naos sowie der Playa Herradura begrenzt und einer Fläche von ca. 1,5 km². Hier sind keinerlei Aktivitäten gestattet, einzig mit Sondergenehmigung das traditionelle Fischen von "Tunidos" (Barilote, Rabil, Bonito, Peto, Atun) in der entsprechenden Saison. Dies im Übrigen auch nur deshalb, weil man weiß, daß die Thunfischschwärme nicht fest hier beheimatet, sondern gewissermaßen zigeunernde Durchreisende sind. Die A-Zone ist beidseitig gepuffert durch die Zonen B, welche widerum nach außen von der Zone C flankiert werden und in bestimmter Staffelung sind in der Zone B und C dann auch mehr Aktivitäten erlaubt, wie z.B. das Angeln von Land aus. Verboten in der gesamten Reserva jedoch ist Unterwasserfischen, Ankern sowie "Marisqueo", also das Fischen von Krustentieren per Reuse oder auch manuell.

Beim Stichwort "Ankern" fragt sich der Laie sicherlich, warum das denn so streng untersagt ist. Die Antwort ist einfach: durch das ständige Vor-Anker-Gehen der Sporttauch-Zodiacs würde auf die Dauer unverhältnismäßig viel an Unterwasserfauna und -flora zerstört. Es ist zu bedenken, daß wir in Restinga inzwischen 10 verschiedene Tauchbasen haben - mit dem entsprechenden Aufkommen an UW-Touristen. Deshalb und weil die ständigen Besuche im "Schlafzimmer" der Meeresbewohner durch die Taucher eine eklatante Störung darstellen, wurde auch der submarine Tourismus in der Reserva radikal reglementiert. Es existieren 12 legale Tauchplätze (2 in der Zone B, 10 in der Zone C), die durch rote Bojen gekennzeichnet sind. Die Bojen dienen auch als Anlegestelle, eben um das Ankern zu verhindern. Für 4 dieser Tauchplätze (Bajon, Herradura, Rincon und Bocana) wurde im Februar mittels Dekret die jährliche Anzahl der Tauchgänge auf je 2300 begrenzt. Die ansässigen Tauchbasen sind gehalten, dieses Kontingent unter sich aufzuteilen und wer autonom dort tauchen möchte, muß dies 15 Tage vorher im Büro an der Mole beantragen. Die Genehmigung gilt dann allerdings nur für dieses spezielle Datum, bei Sturm oder unruhiger See hat man eben Pech gehabt.

Selbstverständlich wird die Reserva ständig überwacht und zwar durch einen Biologen und 4 fest angestellte Aufseher, die in unregelmäßigen Abständen zu ihren Kontrollgängen an Land und zur See ausrücken. Dazu stehen ihnen div. Fahrzeuge sowie das Wachboot "Guincho" zur Verfügung und es soll keiner meinen, daß hier Vetternwirtschaft stattfindet. Bei einmaligem Verstoß gibts ne Verwarnung, im Wiederholungsfalle allerdings hat der Sünder mit empfindlichen Geldstrafen zu rechnen, der Tarifkatalog beginnt bei 50.000 pts. also 300 €. Die höchste bisher verhängte Strafe belief sich gemäß meinen Recherchen auf 2 Mio. Pesetas (12000 €).

Die Reserva Marina von El Hierro ist nicht die einzige der Kanaren. Bereits 1995 wurde eine Schutzzone in Form eines Quadrates mit einer Seitenlänge von ca. 26 km und einer resultierenden Fläche von 70.000 ha vor Lanzarote installiert und umfaßt das gesamte Gebiet von der Nordküste bis einschließlich der Insel Alegranza. Die eigentliche Reserva Integral hat jedoch lediglich die Fläche eines Kreises von knapp 2 km Durchmesser und befindet sich im südöstlichen Teil des Schutzgebietes.
Im Jahre 2001 zog die Insel La Palma nach und schuf ihrerseits eine Reserva mit einer Fläche von 3719 ha. Sie befindet sich vorgelagert in südwestlicher Richtung.

Für Informationsdurstige steht das Büro der Reserva an der Mole von La Restinga Mo bis Fr von 8.30 bis 14.30 Uhr offen (Tel. 922557188). Dort gibts auch kleine Faltblätter sowie Stickers, gratis natürlich. Ferner informieren die großen Tafeln, die im Süden der Insel an verschiedenen Orten aufgestellt sind.
Literaturempfehlung zur kanarischen Meeresfauna: Sergio Hanquet - "100 Peces de Canarias", Francisco Baringo - "El Hierro, Guia de Buceo", Peter Wirtz - "Unterwasserführer Kanaren, Madeira, Azoren". Alle genannten Bücher sind mehrsprachig. Internet: www.sergiohanquet.com sowie www.oewieghardt.de.

Franco

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