Guten Morgen beisammen,
ich komme grade von dem Konzert in San Miguel, Ihr wisst ja durch die Ankündigungen von megawelle: La Baranda Aldea Blanca (als Vorgruppe mehr oder weniger) und dann "Los Sabandeños", der bekannteste / weltbekannte Männerchor der Kanaren.
Preisfrage 1: was unterscheidet in der Folklore-Szene Stars von Nicht-Stars? Die ersteren bekommen jeder ein Flascherl Mineralwasser ans Mikrofon gestellt vom freundlichen Ayuntamiento...
Preisfrage 2: woran erkennt man Tontechnik von "sonido Ifara"? Antwort: es rauscht und pfeift und nix geht pünktlich und erheblich später geht dann ein bißl was. Diese dillettantischen Poti-Schubser (die ungekrönten Könige der Rückkopplung...) ziehen seit Jahren eine Blutspur durch Teneriffa's Süden bis hin zu abgebrochenen Veranstaltungen, weil sie's halt einfach nicht können und anscheinend auch nicht kapieren wollen. Am vergangenen Dienstag in El Médano haben sie der Open-Air-Veranstaltung einen 80min-Verspätungskick verpasst und gestern war der Auftritt der Sabandeños nur dadurch zu retten, daß die gnädigerweise auf ihr Bühnen-monitoring fast komplett verzichtet haben - damit neben Rückkopplungspfeifen überhaupt noch was zu hören war. Für mich unbegreiflich, daß Ifara sich noch irgendwo blicken lassen kann - vielleicht liegt's einfach an einem Mangel an Alternativen. Wäre doch ein interessantes Geschäftsfeld für einen wirklich guten Bühnen-Tontechniker?
Aber zurück zum Konzert. Die Baranda de Aldea Blanca hat sich brav gemüht, einfache Amateur-Leistung, vor allem deshalb ein bißl schwach, weil sie sich 1994 gegründet haben, seit '97 öffentlich auftreten, '99 ihre Tanzformation bildeten - da sollte man 7 Jahre später schon ein bißl was erwarten dürfen - ein bißl was mehr als zu sehen war. Doch das erklärt sich halt wieder mal aus "tipico canario": ich war selbst mal Mitglied einer Volkstanzgruppe hier, hab's aber nach ziemlich viel Zeit geduldigen Hoffens dann doch wieder bleiben lassen. Ca. 25 Wochen/Jahr 1 Doppelstunde Training, von der die erste Hälfte damit vergeht, auf das Eintreffen möglichst vieler Mitwirkender zu warten und die zweite dann eigentlich total gebraucht wird, um dringend notwendige private Kommunikation zu pflegen, führt halt zu ein bißl schwachen Ergebnissen. Was an tänzerischen Können hier in 4 Jahren "vermittelt" wird, das schafft ein lockerer dt. Turniertanzclub in 3 Monaten.... Ich hab' mir schon mal überlegt, selbst einen kanarischen Volkstanzclub auf die Beine zu stellen, die Idee ist immer noch in der Warteschleife - interessiert warte ich auf Eure Beiträge...
Zurück zum Konzert. Die Baranda war also irgendwie ganz nett, fast schon anrührend natürlich im Verzicht auf jede Form der attraktiven Eigendarstellung (z.B. durch ein einfaches Reihe-bilden-und-lächeln vor dem Abgang...). Der musikalische Part war eindeutig besser als der tänzerische, was zu Hoffnung Anlaß gibt.
Und dann kamen sie also, die "Los Sabandeños", auf die ca. 450 Besucher warteten (die Halle war vielleicht zu 3/4 gefüllt, open-air ist eindeutig "atmosphäriger"). Konzert 90 min in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Teilen, 1. Teil Kanarisches rauf und runter, ich fand's schön, daß man in der Moderation kurz und kompakt auf die Herkunft und auch Zentralfiguren der jeweiligen Musiklinie einging.
Den 2. Teil fand ich persönlich musikalisch interessanter (bin von kanarischer Folklore ja auch so gesättigt, daß sie mir manchmal wirklich schon ein bißl zu den Ohren raushängt, vor allem die immer gleichen 50-80 "traditionals" - andere emfinden es vielleicht nicht so). Da war viel Südamerikanisches, ein toller argentinischer Titel, etwas aus Puerto Rico, aus Kuba und dann, ziemlich zum Schluß, ein fast schon jazziger Act. Ist schon toll, die musikalische Spannweite der Sabandeños - da unterscheiden sich dann doch die Männer von den Knaben.
Eigentlich hat es mich überrascht, die dieser "Klangkörper" (ca. 35 kräftige Stimmen) angesichts von 450 Zuschauern nicht unplugged gesungen hat - die hätten das locker geschafft. "Viel bringt viel" - manchmal stimmt ja dieses Sprichwort.
Ich war auch ein bißl überrascht über rel. viel deutsche Sprache, die ich im Zuschauerkreis hören konnte, scheinbar hat die megawelle-Werbung ja doch was gebracht. |