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Alt 21.07.2006, 15:25
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sanmiguel sanmiguel ist offline
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Oh je, die mit den Pateras verbundene Problematik kann man wohl nur im Rahmen einer Diplomarbeit einigermaßen erschöpfend diskutieren. Die allein seelig machende Lösung gibt's nicht, sonst hätte man sie schon benützt. Und die unterschiedlichen Interessenlagen, von "persönlich" bis "global", haben nur gemein, daß sie sich gegenseitig ausschließen. Meine Meinung relativ kurz gefasst:
1. Nur wenn wir die Wohlstandsgrenzen reduzieren, werden wir mehr Frieden auf der Welt bekommen. Das ist Aufgabe der internationalen Politik und damit illusorisch, so lange die Wertewelt der sog. "1. Welt" existiert und immer perverser wird. Gottseidank wird dies nicht mehr all zu lange der Fall sein, ich bin nahezu sicher, daß z.B. die Bundesrepublik Deutschland in ca. 15 Jahren nicht mehr existieren wird, zumindest nicht mehr in der aktuellen Rechtsform. 14 Tage nach dem Exitus der BRD wird der Exitus der EU folgen und dann werden viele Karten neu gemischt... Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.
2. Die armen ausgemergelten Geschöpfe in den Pateras rühren das Herz (so ähnlich wie geschundene Hunde im Tierheim - ich weiß, der Vergleich ist mal wieder pietätlos, aber so funktioniert nun mal der Appell an das menschliche Mitgefühl) und jeder zivilisierte Staat muß ihnen sicherlich helfen.
3. Die humanitäre Hilfe bedeutet nicht zwingend, daß man sie in dem Land bleiben lassen muß, in das sie illegal eingereist sind.
4. Sehr wichtig ist, die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge zu verbessern.
5. Meiner Meinung nach kommt der Großteil dieses Personenkreises nicht aus eigeninitiativem Überlebensdruck, sondern motiviert/agitiert durch die kriminellen Schlepper-Organisationen, die sich am Leid dieser Menschen unglaublich bereichern. Jedes Verhalten eines Ziellandes, das dazu beiträgt, daß die Schlepper ihre Leistung innerhalb der Herkunftsländer noch besser "verkaufen" können, ist kontraproduktiv, da es zu einer explosionsartigen Verstärkung der Schlepper-Aktivitäten führen wird.
6. Ein wesentlicher Teil der Leute würde auch nicht diesen Fluchtweg benutzen, wenn sie vorher wüssten, auf welch lebensgefährliches Experiment sie sich einlassen. Es ist einfach falsch, daß die Leute sich aktiv aus dem Wissen um ihr morgiges Verhungern heraus in Marsch setzen in Richtung wohlhabender Gegenden, sondern sie werden animiert durch Gerüchte und Informationen. Diese Reisen werden oft mehr als 1 Jahr lang vorbereitet (was vor allem die wirtschaftliche Ausplünderung der gesamten Sippe bedeutet, um für 1 Person die Überfahrt zu finanzieren...). Und deshalb muß ein feedback erfolgen heim in das ehemalige soziale Umfeld der betreffenden Person, daß diese Lösungsmethode nicht erfolgreich war. Die meisten der Zurückgeschickten trauen sich aber gar nicht mehr in ihre ehemalige Heimat zurück, weil sie nicht als Gescheiterte dastehen wollen, nachdem sie ihre Sippe noch mehr an den Rand der Existenzbedrohung gebracht haben als diese vorher schon waren.
7. Aus all den genannten Punkten bin absolut dafür, diese Überfahrten weitestmöglich und mit allen "humanen" Mitteln zu unterbinden, idealerweise schon im Moment des Abfahrens von der afrikanischen Küste.
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