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Alt 22.05.2008, 17:01
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Pensador_XL Pensador_XL ist offline
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Pensador_XL wird schon bald berühmt werden
Standard „Schutz der Natur und Umwelt“ oder „Die Wertschöpfung gehört zu den Ressourcen“

Der Film im ZDF/Phoenix hat das Thema aufgezeigt. Das Problem der Zweiten oder Dritten Welt ist nicht, dass sie die Menschen faul, unintelligent oder unkultiviert sind, das Problem ist die Gier der Reichen. In der eingangs erwähnten Reportage ist es die EU, die Protektionismus für die spanischen und portugiesischen Fischfangflotten betreibt, indem sie den westafrikanischen Küstenstaaten die Fangrechte für einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes abkaufen. Auf der anderen Seite erhalten diese Länder Almosen in Form von Entwicklungshilfe. Dieser Deal rechnet sich doch für die EU nur, wenn die Bilanz zugunsten der EU ausfällt. Ich nenne das Ausbeutung, kaum anderes als es der Imperialismus tat. Die Menschen in den afrikanischen Ländern haben gar nichts davon, die Offiziellen stecken ohnehin das Meiste davon in die eigenen Taschen, das Volk versucht sein Heil in der Flucht nach Europa(!). Paradox, nicht?

Warum wird der Fischfang nicht von den Ländern betrieben, die auch die Fische haben? Auch könnte die Verarbeitung der Fische in den gleichen Ländern erfolgen, damit wäre eine Wertschöpfung von 500 bis 1.000 Mio. Euro zugunsten der Eignerländer möglich. Stattdessen erhalten sie vielleicht nicht einmal 100 Mio. für die Fangrechte und Entwicklungshilfe zusammen. Ein weiterer wichtiger Vorteil wäre, den Menschen Arbeit und damit eine Lebensperspektive zu geben. Almosen an diese Länder könnte man sich dann getrost sparen.

Ähnlich kann man am Beispiel ‚Schutz der Tropenwälder’ argumentieren. Wozu werden die Wälder dort – erstklassige CO2-Senken – abgeholzt? 1. Um Ackerland zu gewinnen, weil das bisherige ausgelaugt wurde und kein Geld für Dünger da ist. 2. Weil die Agrarindustrie (nicht der kleine Landwirt) gierig nach Riesenflächen für gerade benötigte Pflanzen in Monokulturform ist für: Bioäthanol, Bananen nach Chiquita- oder Dole-Norm (warum müssen die USA eigentlich immer meistbegünstigt werden und nicht der EU-interne Anbau?), Kautschuk etc. 3. Als Edelholz für die Möbel und Bauindustrie.

Ich fange einmal mit Nr. 3. an. Wenn Holz aus einem Tropenwald geerntet und nach z.B. USA verschifft wird, bleibt dem Wachstumsland rund 70 Dollar pro Kubikmeter. Wenn daraus ein Kubikmeter Furnier in einer US-amerikanischen Fabrik erzeugt wird, bringt das gleiche Holz rund 3.000 Dollar. Selbst wenn man die Frachtkosten noch abzieht, gehen dem Erzeugerland rund 2.800 Dollar pro Kubikmeter an Wertschöpfung verloren. Damit könnten die Bauern Dünger kaufen und nicht neues Feld per Brandrodung gewinnen. Die Furnierfabriken böten Arbeit wo bisher keine ist und die Entwicklungshilfe könnte man sparen. Aber halt: Die ist ja ein politisches Instrument für das Gefügigmachen der jeweils Herrschenden und damit latent unter Schmiergeldverdacht.

Ich komme zu Argument 2: Wenn der (Tropen-) Wald, der ja gewissermaßen Gegenspieler der CO2-Verschmutzer ist, ähnlich den CO2-Verschmutzungszertifikaten an der Börse gehandelt werden würde, hätte der Wald plötzlich einen ganz anderen und wesentlich höheren pekuniären Wert als jetzt. Es gäbe den Punkt, an dem es nicht mehr wirtschaftlich interessant wäre, den Wald zu vernichten, sondern wesentlich lukrativer, den Wald am Leben zu erhalten oder sogar nachzupflanzen. Geld regiert die Welt!

Und nun zu Argument 1: Wenn die Wertschöpfung, zumindest die ersten Veredelungsstufen bis zu einem vernünftig transportierbaren Halbzeug, in den Ländern geschehen würde, die auch über die Ressourcen verfügen, käme ein gewisser Wohlstand ins Land und die Landwirte könnten sich z.B. Dünger kaufen, um das Land weiter bewirtschaften zu können UND der am Leben bleibende Wald würde zusätzlich direktes Geld einbringen.

Doch nun zurück zu den Kanaren: Das Äquivalent zu den Fangquoten des Senegals und Mauretaniens ist hier das Verschleudern der Kanarischen Dienstleistung und Kultur an die Tourismuskonzerne. Wie beim Tropenholz bleibt der autonomen Region nur der "Holzpreis". Die Veredlung als Furnier, die den Hauptanteil ausmacht an dem was die Endverbraucher wollen, „Einen Edelholzüberzug über ihre Pressspanmöbel“, wird geographisch und wirtschaftlich an völlig anderer Stelle und für andere Nutznieser erzeugt.

Diese Gedanken sind zwar von mir formuliert. Die Idee hinsichtlich Waldbörse stammt aber von Kevin Conrad aus Papua-Neuguinea, einem der wichtigsten Naturschützer und Sprecher der „Rainforest Coalition“.
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