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Alt 20.03.2008, 14:10
hardy hardy ist offline
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hardy befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard Es ist kalt geworden auf Teneriffa, sehr kalt!

Wenn ich so zurück denke, es war Mitte 1973, als ich meinen ersten Flug von Düsseldorf nach Teneriffa antrat. Ich kam am Nordflughafen an, der Himmel war grau und ich wußte nicht recht, ob ich hier denn wirklich landen
wollte. Ich hatte was von einer schönen, sonnigen Insel im Atlantik gehört und war mir daher nicht ganz sicher, ob sich der Pilot vielleicht "verflogen" hatte.
Mit einem freundlichen, langgeübten "Buenos dias" begrüßte ich den urigen Passcontrolleur, der mich dann freundlich anlächelte und mir sehr, sehr freundlich einen schönen Aufenthalt wünschte. Die nächsten Lengua-Sätze sprach ich im Taxi und der Fahrer war ebenfalls sehr freundlich. Er konnte einige Brocken deutsch und wir "haspelten" uns so über die Fahrt. Er war sowas von nett, entgegenkommend und freundlich...und war sichtlich erfreut,
über meine frischgelernten "Spanischversuche".

Warum ich die Begriffe " nett" und "freundlich" ständig wiederhole: Nun, diese
Nettigkeiten und Freundlichkeiten begegneten mir damals Inselweit, immer und immer wieder: Im Supermarkt (der damals ein Kleiner war); in den verschiedenen Shops; in den unterschiedlichsten Restaurants... also: Überall!
Selbst deutsche Landsleute waren hier freundlicher als manchmal in der Heimat.

Kennen Sie alles, werden Sie sagen.

Dieses Teneriffa-Urerlebnis wiederholte sich in den folgenden Jahren noch eine
ganze Weile, was wechselte war der Zielflughafen, denn die folgenden Landungen fanden hier im Süden statt. Ich kam im Winter hierher, im Frühjahr, im Sommer und auch im Herbst. Und das fast jedes Jahr, zwischendurch waren auch einmal andere Ziele angesagt, aber man kam immer wieder zurück. Eine Treue, die nicht belohnt wird!

Was ich nun über die Jahre beobachte, ist die "Abkühlung". Ich meine dabei nicht nur die Klimaveränderung, denn fast zeitgleich kam es auch zur menschlichen Abkühlung. Wo immer ich hinschaue: mürrische Gesichter, launige Taxifahrer, unfreundliche Kellner, lieblose Bedienung in den Geschäften und den freundlichen Pass-Controlleur am Flughafen hat man ganz abge-schafft. Wenn man das Gespräch sucht, dann hört man nur noch "Unzufriedenheit": Die Geschäfte gehen schlecht; All-Inclusive macht alles kaputt; die Deutschen haben kein Geld mehr; Geiz ist geil...

Und wer sind, nach Meinung der Unzufriedenen, die Schuldigen: Die deutschen Urlauber, die deutschen Residenten, die Neckermänner und...

Wie einfach kann man alles erkären: Schuld sind immer die Anderen.

Haben sich die hier ansässigen Geschäftsleute - deren Geschäfte immer nur schlecht gehen, die von einer kurzen Saison sprechen und Bangen vor dem Sommer, der großen Flaute - einmal gefragt, ob sie nicht auch einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, das alles "schlechter" geworden ist??? Oder sollte man sogar sagen, das es ihr Beitrag ganz allein ist, das alles "schlechter" geworden ist?

Ich sage: Ja - Schuld sind wir hier, die wir auf der Insel des "Ewigen Frühlings"
leben, arbeiten und Geschäfte betreiben.

In einer zunehmend verrohenden Welt, der wir ja ursprünglich entfliehen wollten - neben allen anderen Fluchtgedanken, die uns hier her trieben -
hat uns die Realität nicht nur eingeholt, sie hat uns überholt!

Das "deutsche Jammern" ist weltbekannt. Wir haben es mitgebracht, nach Teneriffa (und auch auf die anderen Kanaren Inseln). Und mit unserer deutschen Gründlichkeit haben wir es auch erreicht, die kanarischen Einwohner zu infizieren. Inzwischen erklingen hier internationale "Weh-
leidigkeitsgesänge", die die kanarische Folklore in den Schatten stellt.

Es ist richtig, dass sich keiner von uns vorstellen konnte, als er Deutschland verließ, dass man hier auf der Urlauber-Insel viel mehr arbeiten muß als in Deutschland. Das ist nun einmal so und wer dieses Umdenken und Umlernen nicht gemeistert hat, der ist hier fehl am Platze - aber dennoch immer noch hier!

Unsere Unzufriedenheit haben wir auch den Kanaren "aufgestültpt" und nun jammern wir Jahr für Jahr, Winter für Winter (dieser Winter war ein schlechtes Geschäft), Ostern (war früher besser...und sogar erst später, nämlich im April)... usw. usw.

Wann beginnt den eigentlich das "Umdenken", wann schalten wir denn wieder mal das Gehirn ein, wie lange wollen wir noch jammern???

Rütteln wir uns doch endlich mal wieder auf, entrinnen wir der "Lethargie", in die wir verfallen sind und sehen wir es einmal aus einer anderen Perspektive:
Ohne Schuldige zu suchen, sich selbst dabei immer ausnehmend!

Der starke € hat viele unserer Touristen, jüngst und auch vor einigen Jahren, die USA als neues Urlaubsziel entdecken lassen. Fast jeder unsere "Brüder und Schwestern" aus den neuen Bundesländern kennt die USA - und auch den Rest der Welt - besser, als alle Straßen im Heimatnest. Das Fernweh hat alle Bundesbürger gepackt und sie haben die Welt gesehen. Auch eben, die so
freundliche USA (die Rede ist jetzt nicht von der Politik, sondern nur von den Menschen dort). "Can I help you...", "You welcome"...

Haben Sie schon einmal einem ihrer Kunden gesagt, dass er ihnen Willkommen ist? Gibt es diese Redewendung auf den Kanaren überhaupt, ob in Katalanisch oder im Deutschen? Brechen wir uns da einem Zapfen ab, wenn wir unsere internationale und hiesige Kundschaft freundlich und wohlwollend begrüßen und sie herzlich Willkommen heißen in unserem Geschäft? Versuchen wir einem "hilfesuchenden Kunden" noch wirklich zu helfen? Versuchen wir eine Lösung mit ihm gemeinsam zu finden? Zeugen wir unseren Kunden überhaupt noch Respekt? Ist bei uns im Geschäft der Kunde noch König? Soll ich noch weiter ausholen, oder reicht es ihnen - wie mir?!

Wer so arrogant und lieblos und leichtfertig seine Geschäfte macht auf dieser Insel, der hat doch gar keinen Grund zu klagen!!! Kindern gebietet man das sog. Zauberwort zu verwenden. Kennen Sie dieses Wort überhaupt noch?(Ent-schuldigung, aber ich muss so fragen)

Bitte, danke, stets zu ihren Diensten, gern geschehen, beehren sie uns wieder, kann ich ihnen helfen (auch wenn es manchmal schwierig scheint),
helfe ich wirklich??? Beraten sie noch? Haben Sie schon einmal ihren Kunden gelobt? (Schließlich soll er sein Geld bei ihnen lassen)? Vom Grüßen ganz zu schweigen: Kein Gruß, kein "Auf Wiedersehen". Nichts, was man früher einmal in der "guten Kinderstube" gelernt hat, ist hier angekommen. Ähnlich die Dienstleister auf der Insel, gibt es da noch die sprichwörtliche "deutsche Pünktlichkeit" - oder auch "Gründlichkeit?

Hand aufs Herz: Hat der Schreiberling dieser Zeilen nicht recht? Meinen Sie nicht auch, dass er die "wiederlichen, unausstehlichen Kunden" auch kennengelernt hat und weiß, dass man mit denen nicht das "große Geschäft"-auf Anhieb, macht--- wenn man sie nicht bezwingt? Unausstehliche Kunden muss man
besiegen, dann hat man gewonnen! Charme und Witz können hilfreich sein.

Provozieren Sie die mürrische Kundschaft durch Höflichkeit, Entgegenkommen und Freundlichkeit ( nicht übertrieben - es muss akzeptiert werden können ) -
und ihre Geschäfte laufen wieder. Wenn Sie ein zuvorkommender Geschäftemacher sind, wird es sich nicht wie ein Lauffeuer auf der Insel ver-
breiten, denn gute Nachrichten sind nicht interessant! Was sich aber in der Vergangenheit verbreitet hat, war eben die schlechte Nachricht, dass Sie eben unfreundlich, ungeduldig und mürrisch sind, Sie und evtl. auch Ihr Personal und das aus diesem einzigen Grunde die Kundschaft ausbleibt oder nur sehr verhalten ist. Akzeptieren Sie einen kritischen Kunden, geben Sie ihm recht und helfen Sie ihm gleichzeitig, mit Ihnen und Ihrem Angebot zufrieden zu sein. Suche Sie die Nähe, den Kontakt, die Wärme und geben Sie davon ab.

Wenn schon das Wetter auf Teneriffa nicht mehr das ist, was man erwartet, braucht es größte Anstrengung der Menschen, einen Ausgleich zu schaffen.

Hatten Sie schon einmal einen König in ihrem Geschäft? Antworten Sie bitte,mit ja oder nein. Ich finde es simpel von Ihnen zu sagen, dass das Spanische Königshaus meistens auf Mallorca residiert und wenn es dann mal hier ist, verirrt es sich nicht zu Ihnen. Sie mögen ja teilweise Recht haben, aber ich habe doch nur gefragt, ob Sie schon mal einen König in ihrem Geschäft hatten? Solange Sie solche eine Frage so zögerlich und nicht unumwunden beantworten können, machen Sie doch alles falsch, was man nur falsch machen kann.

Kennen Sie das? Sie schließen Ihr Geschäftslokal ab - weil Sie eiligst in den Feierabend oder sonst wo hinmüssen - und ein Passant steht vor der Tür und schaut Sie fragend an und Sie würdigen ihn keines Blickes. Ein potentieller Kunde ging soeben verloren und einige Euros ebenfalls. Nur ein paar Worte und dieser Kunde stände morgen in Ihrem Geschäft.

Jeder, der ihr Geschäftslokal betritt, ist ein König. Es ist der "Kunde-König".
Und wenn Sie ihn nun endlich so behandeln, werden auch Sie davon profitieren. Jeden Tag treten dutzende bis hunderte von Königen in ihr Geschäft, doch Sie entlassen diese als "Bettler", weil Sie ihnen keinen Respekt
zollen und sich einfach keine Mühe mehr geben.

Kennen Sie "Königliche Hoflieferanten oder deren Geschäftsbetreiber" die jammern? Ich entnehme ihrem Blick, dass sie keine jammernden Geschäftsleute
kennen, die königliche Kundschaft hat. Sie sind auf dem Wege der Genesung.

Es ist kalt geworden auf Teneriffa, sehr kalt! Wie das Wetter sich ändert, liegt
es in diesem Fall an Ihnen, etwas zu verändern.

Vergessen sie das alles, sein sie wieder zuversichtlich, freundlich, zuvorkommend und bedienen sie die "Könige" in Ihrem Geschäftslokal "königlich" und es wird ihnen und uns allen wieder warm ums Herz (das die Kasse wieder klingelt, ist eine unabänderliche Selbstverständlichkeit).

Auf einen schönen Sommer, den wünsche ich allen Lesern des Forums und allen Bewohnern und wohlwollenden Geschäftsbetreibern der Insel - herzlichst Ihr hardy. (wenn sie wollen, lesen sie bald wieder von mir - vielleicht gibt es positive Veränderungen)
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